Heidelberg Pharma AG

Abschlag auf Telix-Lizenz für Heidelberg Pharma

Heidelberg Pharma verkauft weitere Anteile an künftigen Lizenzgebühren aus der Telix-Krebsdiagnostik, die ursprünglich von der Münchner Wilex AG stammt. Damit erhält das Unternehmen, das selbst mit dem Schwerpunkt Antikörper-Wirkstoff-Konjugate in der klinischen Entwicklung steht, eine Vorabzahlung von 20 Mio. US-Dollar, sichert die eigene Finanzierung bis 2027, und wird bei einer möglichen Zulassung nochmals einige Millionen erhalten. Nur in der langfristigen möglichen Teilhabe an Umsatzerlösen verzichtet Heidelberg Pharma auf einige Anteile.

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Im Zentrum der Vereinbarung steht das Diagnostikum TLX250-Px, das von der australischen Telix Pharmaceuticals entwickelt wird. Das Produkt basiert auf dem Antikörper Girentuximab, der ursprünglich von Wilex in München entwickelt wurde und bei der Firmenübernahme durch Heidelberg Pharma den Besitzer wechselte. Heidelberg Pharma hat diesen Diagnostikkandidaten 2017 an Telix auslizenziert. Sollte TLX250-Px erfolgreich auf den Markt kommen, erhält Heidelberg Pharma aus den weltweiten Verkäufen Lizenzgebühren.

Die Verzögerung eines fest eingeplanten Meilensteins in zweistelliger Millionenhöhe durch eine Verzögerung im Zulassungsprozess bei Telix hatte für gewaltige Turbulenzen und eine massive Umstrukturierung bei den Ladenburgern gesorgt. Das Unternehmen hatte bereits vor einiger Zeit begonnen, einen Teil dieser künftigen Einnahmen zu monetarisieren. Im März 2024 schloss Heidelberg Pharma erstmals eine entsprechende Vereinbarung mit HealthCare Royalty ab und verkaufte einen Anteil der zukünftigen Lizenzgebühren. Diese Vereinbarung wurde 2025 bereits einmal wegen der Zulassungsverzögerung angepasst. Die nun angekündigte Änderung erweitert dieses Modell erneut.

Lieber früher als später

Kernpunkt der neuen Vereinbarung ist der Einstieg von Soleus Capital. Heidelberg Pharma soll zunächst eine Vorauszahlung von 20 Mio. US-Dollar erhalten, sobald die üblichen Abschlussbedingungen erfüllt sind. Eine weitere Zahlung über 25 Mio. US-Dollar ist vorgesehen, falls die US-Arzneimittelbehörde FDA TLX250-Px zulässt. Diese Zahlung kommt zusätzlich zu bereits bestehenden Meilensteinregelungen mit HealthCare Royalty zustande, die durch die neue Vereinbarung unverändert bleiben.

Im Gegenzug akzeptiert Heidelberg Pharma, dass die Investoren einen größeren Anteil der künftigen Lizenzgebühren aus dem Produkt erhalten können. Die Obergrenze der insgesamt verkauften Royalties wurde im Zuge der Vertragsänderung angehoben. Das bedeutet: Sollte TLX250-Px später erfolgreich vermarktet werden, fließt zunächst ein größerer Teil der Einnahmen an die Investoren bis eine festgelegte maximale Summe erreicht ist. Erst danach erhält Heidelberg Pharma wieder den überwiegenden Teil der Lizenzzahlungen, während für die Investoren nur noch ein vergleichsweise kleiner Anteil im hohen einstelligen Prozentbereich übrig bleibt.

Der Spatz in der Hand, statt die zukünftige Taube auf dem Dach

Für Heidelberg Pharma hat die Vereinbarung vor allem kurzfristige Vorteile. Die zusätzlichen Mittel kommen ohne Kapitalerhöhung zustande und verwässern daher nicht die Anteile der bestehenden Aktionäre. Nach Angaben des Unternehmens reicht die aktuelle Finanzierung zusammen mit den verfügbaren Mitteln nun bis Mitte 2027. Gerade für kleinere Biotechnologieunternehmen, die sich noch in der Entwicklungsphase befinden und oft über längere Zeit keine eigenen Produktumsätze erzielen, ist eine solche Planungssicherheit von großer Bedeutung.

Langfristig könnte der Deal jedoch auch einen Preis haben. Sollte TLX250-Px nach einer möglichen Zulassung tatsächlich hohe Umsätze erzielen, wird Heidelberg Pharma zunächst einen größeren Teil der Einnahmen  an die Investoren abtreten müssen als ursprünglich geplant. Das Unternehmen tauscht damit einen Teil potenzieller zukünftiger Erlöse gegen sofort verfügbare Liquidität.

Wette auf Zulassung

Die Investoren wiederum setzen darauf, dass sich das Produkt am Markt durchsetzt. TLX250-Px ist eine radioaktiv markierte Form des Antikörpers Girentuximab und bindet an das Tumorantigen CAIX, das vor allem bei klarzelligen Nierenzellkarzinomen vorkommt. Das Verfahren soll helfen, diese Tumoren präziser zu identifizieren und könnte nach Ansicht von Branchenbeobachtern eine wichtige Rolle in der Diagnostik bestimmter Nierenkrebsarten spielen. Durch den von der Trump-Administration ausgelösten starken Umbau der FDA hatten viele Zulassungsprozesse mit Verzögerungen zu kämpfen. Die vorher zuständigen Gesprächspartner in der Behörde waren plötzlich verschwunden, neue nicht in Sicht. In der enggetakteten Marschroute von Wirkstoffen oder Diagnostika zur Zulassung übertrugen die Verzögerungen die Unsicherheit auf die Investoren und Geldgeber für die klinische Entwicklung mit Auswirkungen für viele Unternehmen. Aus diesen unsicheren Gewässern hat Heidelberg einen nun etwas sicherer aussehenden Nebenstrom erreicht.

Unterm Strich handelt es sich bei der neuen Vereinbarung weniger um eine strategische Neuausrichtung als um ein weiteres Finanzierungsinstrument. Heidelberg Pharma erhält zusätzliche Mittel und verlängert seine finanzielle Reichweite deutlich. Dafür nimmt das Unternehmen in Kauf, dass ein größerer Teil möglicher zukünftiger Lizenzzahlungen zunächst an seine Finanzierungspartner fließt.

Die Aktivitäten mit diesem Nebenprojekt lenken bei Heidelberg Pharma sehr stark ab von der eigenen klinischen Entwicklung. Denn eigentlich stehen in diesen Monaten dort viel wichtigere Termine im Kalender, wenn aus der fortgesetzten klinischen Testung des Amanitin-Antikörper-Wirkstoff-Konjugates weitere Daten über die Wirksamkeit publiziert werden.

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