
Berlin und München: BioInnovation Institute baut Brücke nach Deutschland
Das dänische BioInnovation Institute (BII) erweitert seine europäische CardioMetabolic Bridge um München und Berlin. Die von der Novo Nordisk Foundation mit bis zu 450 Mio. DKK (rund 60 Mio. Euro) geförderte Initiative soll akademische Forschung zu Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen schneller in Arzneimittelentwicklung und Biotech-Unternehmen überführen. Nach einem solchen Innovationszentrum in London (England) sind die beiden deutschen Standorte die nächsten europäischen Niederlassungen. Laborinfrastruktur ist geplant, soll aber erst in einigen Monaten festgelegt werden.
Das dänische BioInnovation Institute (BII) expandiert nach Deutschland. Mit München und Berlin kommen zwei Standorte hinzu, die künftig neben London zentrale Knotenpunkte der europäischen Initiative CardioMetabolic Bridge (CMB) bilden sollen. Das Vorhaben ist Teil des Versuchs, ein grenzüberschreitendes Innovationsökosystem aufzubauen, das wissenschaftliche Entdeckungen in der kardiometabolischen Forschung schneller in die Entwicklung neuer Therapien überführt.
Hinter der Initiative steht die Novo Nordisk Foundation, die über sechs Jahre bis zu 450 Mio. dänische Kronen (rund 60 Mio. Euro) bereitstellt. Das BII mit Hauptsitz in Kopenhagen soll die Mittel einsetzen, um vielversprechende akademische Projekte zu identifizieren, ihre Weiterentwicklung zu unterstützen und daraus möglichst neue Arzneimittelkandidaten und Biotech-Unternehmen entstehen zu lassen. Das BII ist selbst seit rund acht Jahren in Kopenhagen aktiv und wurde im Januar durch die Stiftung mit einer weiteren Finanzspritze von rund 850 Mio. Euro ausgestattet.

Jens Nielsen, CEO des BioInnovations Institute, BII
„Deutschland verfügt über herausragende wissenschaftliche Kompetenzen und ist einer der stärksten Life-Science-Standorte Europas. In München und Berlin trifft exzellente Forschung auf Gründergeist, Infrastruktur und Industrienetzwerke. Also genau das, was junge Unternehmen zum Wachsen brauchen“, erklärte BII-CEO Jens Nielsen in einem exklusiven Vorabgespräch mit der |transkript-Redaktion.
Von der akademischen Entdeckung zum Arzneimittelkandidaten
Die Ausgangsthese des BII lautet: Europa ist in der kardiometabolischen Forschung wissenschaftlich stark, schafft es aber zu selten, daraus neue Medikamente und Unternehmen hervorzubringen. Zwischen einer vielversprechenden Entdeckung im akademischen Labor und einem validierten Wirkstoffkandidaten liegen hohe Hürden. Es braucht Finanzierung, spezialisierte Labor- und Entwicklungsinfrastruktur, regulatorisches Know-how und Zugang zu Industriepartnern und Investoren.
Genau an dieser Stelle soll die CardioMetabolic Bridge ansetzen. Ausgewählte Projekte können Finanzierung, Laborflächen, Kapazitäten für Wirkstoffforschung und -entwicklung sowie Mentoring und Kontakte zu Investoren und Industriepartnern erhalten. Über die Hubs hinweg will das BII mit Universitäten, Kliniken und Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten, um geeignete Projekte zu identifizieren und ihre Translation zu unterstützen.
Inhaltlich konzentriert sich die Initiative auf kardiometabolische Erkrankungen. Dazu zählen Adipositas, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen – Krankheitsfelder mit hoher medizinischer und gesundheitspolitischer Bedeutung und einem erheblichen Bedarf an neuen Therapieansätzen.
Die Expansion ist unabhängig vom Unternehmen Novo Nordisk, doch auch dort wird eine Vernetzung mit Innovationshubs in den USA, in Asien wie auch im Vereinigten Königreich strategisch betrieben. Mit Deutschland geht das BII dabei jedoch eigene Wege. „Mit einer eigenen Infrastruktur können wir den innovativen Projekten weiterhelfen“, so Nielsen. Mit dem Schwerpunkt auf Kardiometabolik gäbe es nicht viele Inkubatoren für Forscher und das BII könne hier aus dem reichen Erfahrungsschatz und Expertennetzwerk bei der Translation ganz entscheidend unterstützen.
München und Berlin als unterschiedliche Forschungsstandorte
Mit München und Berlin setzt das BII auf zwei der etabliertesten Life-Science-Regionen Deutschlands. Beide verfügen über eine breite Forschungslandschaft, Universitätskliniken, Biotech-Unternehmen und Investorenkontakte. Für das BII dürfte es darum gehen, diese vorhandenen Strukturen stärker miteinander und mit den anderen europäischen Standorten zu verbinden.
Der Ansatz ist dabei nicht zwangsläufig, an jedem Standort ein neues Innovationszentrum mit eigener Infrastruktur aufzubauen. Vielmehr soll ein Netzwerk entstehen, das vorhandene wissenschaftliche und unternehmerische Ressourcen zugänglich macht und ausgewählte Projekte über Ländergrenzen hinweg begleitet. Wie die Arbeitsteilung zwischen den Standorten konkret aussehen wird und welche Einrichtungen in Deutschland bereits eingebunden sind, muss sich in der Umsetzung zeigen.
„München ist so stark in der Forschung über Herz-, Kreislauf- und metabolische Erkrankungen, etwa am Helmholtz Zentrum, aber auch den beiden Universitäten, dort passen wir perfekt dazu“, erläuterte Nielsen. „In Berlin haben uns das Ökosystem rings um die Charité und das Max Delbrück Centrum überzeugt, hier ist die Bereitschaft und der Platz für Skalierung aus der Innovation heraus vorhanden.“
Ein europäisches Netzwerk mit dänischer Finanzierung
München und Berlin ergänzen den Londoner Hub in Victoria House sowie den Hauptsitz des BII in Kopenhagen. Das Institut will damit wissenschaftliche Exzellenz und unternehmerische Ressourcen in mehreren europäischen Life-Science-Zentren verbinden. Für junge Unternehmen könnte das den Zugang zu Know-how, Finanzierung und Kooperationspartnern erleichtern, die am jeweiligen Heimatstandort allein möglicherweise nicht verfügbar wären.
Die Initiative ist zugleich ein Beispiel dafür, wie die Novo Nordisk Foundation ihre Rolle über die Förderung einzelner Forschungsprojekte hinaus ausbaut. Mit der CardioMetabolic Bridge soll nicht nur Grundlagenforschung unterstützt, sondern gezielt eine Lücke in der europäischen Innovationskette geschlossen werden: die frühe Phase zwischen akademischer Entdeckung, präklinischer Validierung und Unternehmensgründung.
Es wird einen Hub-Manager geben, der nicht nur als Scout unterwegs ist, sondern auch konkret hilft mit Businessplänen, mit Experten in Residence und mit finanzieller Unterstützung für die frühe Phase. „Wir haben tiefe Taschen, aber das Geld soll immer nur in frühe Projektphasen gehen, für die weiteren Schritte wird eine zusätzliche Finanzierungsquelle nötig sein, dort werden wir in Konsortien denken“, sagte Nielsen.
Die große Zielrichtung ist dabei, dass Cardiometabolics immer mehr als eine gemeinsame Ausgangserkrankung angesehen werden von Schädigungen im Bereich neurodegenerativer Erkrankungen, Entzündungen bis hin zu Krebs. „Wir sehen hier eine Transformation, die noch ganz am Anfang steht. Wenn wir bessere Entscheidungen über das Krankheitsrisiko treffen können, können wir in der Stratifizierung von Patienten und ultimativ in ihrer zielgerichteten Behandlung einen deutlichen Fortschritt sehen“, ist sich Nielsen sicher.
Ob aus dem Innovationsnetzwerk eine dauerhafte Beschleunigung der Wirkstoffentwicklung entsteht, wird sich an konkreten Projekten messen lassen. Entscheidend wird sein, wie viele Forschungsergebnisse tatsächlich in präklinische Entwicklung, klinische Kandidaten und neue Unternehmen überführt werden – und ob die Initiative auch den Zugang zu Anschlussfinanzierungen und industriellen Entwicklungspartnern verbessert. Denn Novo Nordisk ist mit den Projekten nicht verbunden, „no strings attached“ wie man das nennt. Das dänische Pharmaunternehmen wird bei Interesse an einem der Projekte aus dem BII genau so behandelt wie jedes andere Unternehmen, heißt es dazu.

Evanium
Matthias Capellmann
Cyprumed GmbH