Bayer & Charité | Norbert Ittermann

Bundesregierung legt Biotech-Roadmap der Hightech Agenda vor

Die Bundesregierung hat die Biotechnologie-Roadmap der Hightech Agenda Deutschland vorgestellt. Ziele sind unter anderem individualisierte mRNA-Krebstherapien und neue Zentren für Zell- und Gentherapien. Insgesamt wird auf die Zell- und Gentherapie ein großer Schwerpunkt in der Roadmap gelegt bishin zur Ausbildung von GMP-Fachkräften. Der Branchenverband BIO Deutschland begrüßt die Strategie grundsätzlich, fordert aber klarere Finanzierungs- und Umsetzungspläne für Forschung, Start-ups und Investitionen.

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Die Bundesregierung hat die Technologie-Roadmaps ihrer Hightech Agenda Deutschland (HTAD) vorgestellt und damit die nächste Umsetzungsphase ihres zentralen innovationspolitischen Programms eingeleitet. Im Fokus stehen sechs Schlüsseltechnologien, darunter Künstliche Intelligenz, Mikroelektronik und Biotechnologie. Gerade im Bereich Biotechnologie verbindet die Bundesregierung ihre industrie- und gesundheitspolitischen Ziele mit konkreten Meilensteinen – von personalisierten Krebstherapien bis zum Ausbau von Innovationszentren für Zell- und Gentherapien.

Nach Angaben des Bundesforschungsministeriums sollen die Roadmaps einen gemeinsamen Orientierungsrahmen für Wirtschaft, Wissenschaft und Länder schaffen. Bereits knapp die Hälfte der insgesamt 76 Flaggschiffmaßnahmen der HTAD sei gestartet. Die nun veröffentlichten Fahrpläne definieren technologische Entwicklungspfade, Zielmarken und Rahmenbedingungen für die kommenden Jahre.

Von mRNA bis Zelltherapie und alles mit KI

Im Bereich Biotechnologie nennt die Bundesregierung unter anderem das Ziel, bis 2028 die erste individualisierte mRNA-Krebsimmuntherapie zur Zulassung zu bringen. Ebenfalls bis 2028 soll das Berlin Center for Gene and Cell Therapies entstehen, das mit bis zu 100 Mio. Euro bis 2035 unterstützt werden soll und Raum für bis zu 20 Start-ups bieten soll.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken bezeichnete Biotechnologie und KI als „Schlüsseltechnologien für die Medizin der Zukunft“. Sie eröffneten neue Möglichkeiten, innovative Arzneimittel schneller zu entwickeln sowie schwere Erkrankungen früher zu erkennen und zu behandeln.

Auch aus Sicht der Industrie wird die stärkere politische Fokussierung auf Biotechnologie grundsätzlich begrüßt. Der Branchenverband BIO Deutschland sieht in der Roadmap eine wichtige Arbeitsgrundlage für die weitere Entwicklung des Standorts. „Die HTAD setzt auf Biotechnologie als wichtigen Schlüssel für Deutschlands Resilienz. Ihre Bedeutung in der Gesundheitswirtschaft ist unstrittig; auch für andere Sektoren gewinnt sie zunehmend an strategischer Relevanz“, erklärte Roland Sackers, Vorstandsvorsitzender von BIO Deutschland.

Verband sieht Maßnahmenpaket positiv, Fragen zur Finanzierung bleiben offen

Positiv bewertet der Verband insbesondere die detaillierte Beschreibung vieler Meilensteine sowie die teilweise konkret formulierten Indikatoren und Zielmarken. Gleichzeitig sieht BIO Deutschland an mehreren Stellen Nachbesserungsbedarf. So fehlten bislang häufig Aussagen dazu, wie die Ziele praktisch erreicht und finanziert werden sollen.

„Die Technologie-Roadmap für die Biotechnologie ist umfassend und macht auf uns einen guten Gesamteindruck. Sie ist erklärter Maßen die Version 1.0 der Roadmap und als solche eine gute Grundlage für die Weiterentwicklung“, sagte Viola Bronsema, Geschäftsführerin des Verbandes. Kritisch merkte sie an, dass etwa die Zielmarken für Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen höher ausfallen könnten und bei den angestrebten Start-up-Gründungen noch Konkretisierungsbedarf bestehe. „Was der Roadmap an vielen Stellen noch fehlt, sind die jeweiligen Antworten auf die Frage, wie die Meilensteine erreicht werden können und welches Budget dafür tatsächlich zur Verfügung stehen wird.“

Nationaler Innovationshub für Biotech-Lebensmittel

Das Good Food Institute Europe (GFI Europe) begrüßt, dass die deutsche Bundesregierung alternative Proteinquellen fest in ihrer Hightech Agenda verankert hat. „Die Roadmap für Biotechnologie, die heute vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt vorgestellt wurde, unterstreicht die Bedeutung alternativer Proteinquellen für Innovationsführerschaft und technologische Souveränität und definiert konkrete Maßnahmen, um das Land zu einem Vorreiter in diesem Bereich zu machen“, so das GFI.

Ansätze wie die Zellkultivierung und moderne Fermentationsverfahren bergen enormes Potenzial für die Herstellung von innovativen und nachhaltigen Lebensmitteln, wie etwa kultiviertes Fleisch oder Zutaten, mit denen sich das Geschmacks- und das Nährstoffprofil pflanzlicher Fleisch- und Milchprodukte verbessern lässt.

Insbesondere begrüßt GFI Europe das Vorhaben, 2027 einen nationalen Innovationshub für biotechnologisch hergestellte Lebensmittel einzurichten, um bisher vereinzelte Forschungsaktivitäten stärker zu bündeln, Doppelstrukturen zu vermeiden und die Kommerzialisierung von Forschungsergebnissen zu beschleunigen. Dass ein solcher Innovationshub das Potenzial des Sektors maßgeblich heben kann, zeigen bestehende Beispiele aus Großbritannien und Schweden.

Die HTAD soll nach dem Willen der Bundesregierung als „lebendiges Arbeitsdokument“ fortgeschrieben werden. Grundlage der aktuellen Roadmaps waren 26 Partnerdialoge mit Ländern, Industrie, Wissenschaft und Verbänden zwischen Januar und April 2026. Weitere Roadmaps – etwa zum Thema Wasserstoff – sind bereits angekündigt.

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