
Depotmedikamente: Neues Investorenkonsortium bei AMW Pharma
Beim oberbayerischen Implantat-Spezialisten AMW GmbH kommt es zum Investorenwechsel: Mehrere Altgesellschafter, darunter Bayern Kapital, steigen aus. Der Healthcare-Investor SHS Capital dagegen reinvestiert – ein seltenes Signal für anhaltendes Vertrauen in die nächste Wachstumsphase.
Beim oberbayerischen Specialty-Pharmaunternehmen AMW GmbH kommt es zu einem Wechsel in der Investorenstruktur – mit einem bemerkenswerten Signal aus dem bestehenden Gesellschafterkreis. Während mehrere Altinvestoren ihre Anteile vollständig veräußern, setzt einer der langjährigen Partner weiterhin auf das Unternehmen und steigt erneut ein.
Zu den Verkäufern zählen unter anderem Bayern Kapital, BayBG, KfW, UVC Partners und IBG. Sie hatten den Entwickler von Implantaten zur kontrollierten Wirkstofffreisetzung teilweise seit der ersten Finanzierungsrunde im Jahr 2009 begleitet und nutzen nun den Zeitpunkt für einen Exit.
SHS Capital bleibt an Bord
Die Anteile gehen an ein neues Konsortium aus internationalen Life-Science-Investoren, darunter Ren Life Sciences und Juno Capital Partners. Parallel dazu bleibt der Healthcare-Investor SHS Capital an Bord – und reinvestiert sogar aus einem neuen Fonds. Für SHS ist dies nach eigenen Angaben das erste Mal, dass die Beteiligung an einem Portfolio-Unternehmen über eine Fondsgeneration hinaus fortgeführt wird. Dass ein früher Investor erneut Kapital einbringt, während andere nach Jahren aussteigen, weist auf die unterschiedliche Logik von Beteiligungszyklen hin, aber auch das Vertrauen einzelner Investoren in das weitere Wachstum des Unternehmens.
Die Entwicklung von AMW gilt unter Investoren als Erfolgsgeschichte. Das 2008 gegründete Unternehmen aus Warngau bei München entwickelt biologisch abbaubare Implantate, die Wirkstoffe über Monate hinweg kontinuierlich freisetzen und damit etwa tägliche Medikamenteneinnahmen oder häufige Injektionen ersetzen können. Zwei zugelassene Produkte auf Basis der Wirkstoffe Goserelin und Leuprorelin werden bereits zur Behandlung hormonabhängiger Tumoren wie Prostatakrebs eingesetzt.
Seit dem Einstieg der ersten Investoren hat sich AMW etliche Male verändert und das ursprüngliche Geschäft mit der Wirkstoffabgabe über ein Pflaster an einen europäischen Partner veräußert. Auch in der Geschäftsführung gab es in diesen Jahren Veränderungen, doch die Entwicklung zu einem profitablen Spezialpharmaanbieter mit zweistelligem Umsatzwachstum konnte das alles nicht aufhalten. Heute erzielt AMW ein operatives EBITDA im achtstelligen Bereich. Mit den neuen Eigentümern soll nun die nächste Wachstumsphase eingeläutet werden – mit stärkerer Internationalisierung, dem Ausbau der Pipeline und einer intensiveren Nutzung der Implantat-Technologie in Kooperation mit globalen Pharmaunternehmen.
Medikamente wie Spaghetti
Das Herzstück des Unternehmens ist eine Extrudermaschine und das Know-how, damit so umzugehen, dass eine Wirkstoffmischung das heiße Verpackungsverfahren – nach Wunsch in lange Fäden, als Flocken oder wie ein Teppich gewoben – aushält und damit in eine stabile Depotform umgewandelt werden kann, die subkutan injeziert wird. Aus diesem Depot kann dann – auch ein Erfahrungswert, den die Pharmazeuten und Ingenieure von AMW über Jahre aufgebaut haben – die kontinuierliche Abgabe des Therapeutikums erfolgen, mehrmalige Applikationen können vermieden werden.
Damit, so Philipp Karbach in einem Gespräch mit der |transkript-Redaktion vor einigen Monaten, ziele man auf die Versorgung von Schwellenländern, um dort den meist komplizierteren Arztbesuch weniger nötig zu machen. Zudem suche man auch nach weiteren patentfreien Wirkstoffen und Indikationen, die für eine Depotabgabe geeignet sein könnten, um diese in weiteren Märkten zu platzieren. Der starke Umsatzanstieg in den vergangenen Jahren spricht dafür, dass diese Expansionsstrategie bereits Früchte trägt.
Karbach, der ursprünglich aus einem IT-Unternehmen der Gesundheitswirtschaft aus dem Portfolio der Strüngmann-Brüder stammt, ließ sich von der Ingenieurskunst der AMW-Mannschaft anstecken. „Das geht wie beim Nudelmachen“, sagte er gegenüber |transkript. Doch ein Geheimnis liege auch im Abbauverhalten der verwendeten Umhüllungsmaterialien. Mit der Gestaltung der Außenhülle – mehr oder weniger porös – könne man die Konzentration der Wirkstoffabgabe beeinflussen. Zudem werde die Umhüllung schließlich im Körper rückstandsfrei abgebaut. Für jeden einzelnen Wirkstoff müsse man aber die exakten Bedingungen individuell anpassen und erforschen. Auch dabei machte Karbach keinen Hehl daraus, dass ihn diese pharmazeutische Entwicklungsarbeit fasziniere und man zwar auf generische Medikamente setze, diese aber mit der AMW-Plattform veredeln und damit auch neue Marktsegmente dafür ansteuern könne.
Mit der Veränderung der Investorenstruktur hatte Karbach sich in den vergangenen Monate intensiv beschäftigt. „Nach einem weiteren Jahr mit Rekordumsätzen im Jahr 2025 freue ich mich nun darauf, gemeinsam mit den neuen Investoren weiter zu wachsen und weltweit führend in der Entwicklung, Herstellung und dem Vertrieb von biologisch abbaubaren Systemen zur kontrollierten Arzneimittelverabreichung zu werden”, so der CEO und Gesellschafter der AMW GmbH. Ob Spaghetti, Spätzle oder sonstige Nudelgerichte – von Warngau aus könnte diese Medikamentenform noch große Verbreitung auf dem Globus finden.

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Stada Arzneimittel AG