Universitätsklinikum Heidelberg

Heidelberger Revier Therapeutics startet mit 6 Mio. Euro Seed-Finanzierung

Das Heidelberger Biotechnologieunternehmen Revier Therapeutics hat eine Seed-Finanzierungsrunde über 6 Mio. Euro abgeschlossen und nimmt offiziell den Geschäftsbetrieb auf. Das Unternehmen entwickelt niedermolekulare Wirkstoffe, die selektiv Histondeacetylasen (HDACs) der Klasse IIa hemmen sollen. Nach Unternehmensangaben handelt es sich um den ersten therapeutischen Ansatz, der diese HDAC-Klasse gezielt zur Behandlung kardiometabolischer Erkrankungen adressiert.

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Die Finanzierungsrunde wurde vom KHAN Technology Transfer Fund II angeführt. Beteiligt sind zudem der High-Tech Gründerfonds (HTGF), VORNvc sowie private Investoren über Revier Invest Heidelberg. Die Mittel sollen in die präklinische Pipeline sowie in den Aufbau der operativen, wissenschaftlichen und klinischen Strukturen fließen. Das führende Programm zielt auf Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF), ein zweites Programm auf atherosklerotische kardiovaskuläre Erkrankungen (ASCVD).

Wissenschaftliche Grundlage des Unternehmens sind Arbeiten der Universität Heidelberg unter Leitung von Prof. Johannes Backs, dem wissenschaftlichen Gründer von Revier. Sie haben den spezifischen Einfluss von HDACs der Klasse IIa auf kardiometabolische Erkrankungen untersucht. HDACs sind Enzyme, die bei verschiedenen schweren Erkrankungen eine funktionelle Rolle spielen.

Wichtige Balance der neuen Wirkstoffe

Revier setzt nach eigenen Angaben auf First-in-Class-Moleküle, die selektiv HDACs der Klasse IIa hemmen. Die Wirkstoffe sollen dabei die krankheitsfördernde enzymatische Aktivität blockieren, zugleich aber essenzielle Funktionen der Klasse-IIa-HDACs sowie der klassischen Klasse-I-HDACs erhalten. Damit unterscheidet sich der Ansatz von früheren HDAC-Inhibitoren, die mehrere HDAC-Klassen gleichzeitig adressierten und dadurch dosislimitierende Nebenwirkungen verursachten.

Mit dem Unternehmensstart hat Revier auch sein Führungsteam vorgestellt. Wissenschaftlicher Gründer ist Johannes Backs, Direktor des Instituts für Experimentelle Kardiologie der Universität Heidelberg und Direktor des Helmholtz-Instituts für Translationale AngioCardioScience (HI-TAC). CEO ist Eva van Rooij, Professorin für Molekulare Kardiologie am University Medical Center Utrecht und Biotech-Unternehmerin.

Zum Führungsteam gehören außerdem CTO Mike Nolan, der an den ersten Publikationen zu selektiven Klasse-IIa-HDAC-Inhibitoren beteiligt war und über mehr als 20 Jahre Industrieerfahrung in der Wirkstoffforschung verfügt, sowie CSO Matthias Dewenter mit Schwerpunkt auf translationaler Herz-Kreislauf-Forschung und präklinischer Entwicklung. Chief Medical Officer ist Norbert Frey, Direktor der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie am Universitätsklinikum Heidelberg.

Kardiologie im Fokus, Investoren-Konsortium aus Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg

Die Pipeline von Revier umfasst zunächst HFpEF und ASCVD. Die oral verfügbaren niedermolekularen Wirkstoffe sollen die krankheitsrelevante enzymatische Aktivität der Klasse-IIa-HDACs hemmen, ohne die normale biologische Funktion und die klassischen HDACs zu beeinträchtigen.

An der Finanzierung ist neben den institutionellen Investoren auch ein Netzwerk regionaler Akteure beteiligt. Die Gruppe Revier Invest Heidelberg wurde von neun privaten Investoren aus der Rhein-Neckar-Region, Lünen und Detroit gegründet. Sie soll Revier mit Wachstumskapital unterstützen und gemeinsam mit dem Management die Geschäftsentwicklung in Baden-Württemberg vorantreiben. Lokal ist dort die Erhard & Stern Gruppe aus Heidelberg involviert, die mit dem Bau von großflächigen Gesundheitsimmobilien in Heidelberg und Mannheim und deren Weiterverkauf an Asset-Gesellschaften wie die Swiss Life einiges Investitionsgeld auf der hohen Kante hat.

An der Histonmodifizierung über diverse HADAC-Klassen hatte einst auch die Münchner Firma 4SC AG geforscht, jedoch in verschiedenen onkologischen Feldern und Stück für Stück die einzelnen niedermolekularen Wirkstoffe wegen fehlender klinischer Wirksamkeit aussortiert. Zuletzt blieb kein Entwicklungsstrang mehr übrig und die Firma befindet sich in der geordneten Liquidation.

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