
Keine Osterfreude: Trump plant bei Pharma nun 100% Zoll
Neue US-Zölle auf Medikamente erhöhen den Druck auf Europas Pharmakonzerne. Unternehmen wie Roche und Novartis reagierten mit milliardenschweren Investitionen in den USA. Der vfa fürchtet nun eine weitere Verlagerung von Produktion und Innovation und sieht Europa immer mehr ins Hintertreffen geraten, wenn nicht reagiert werde.
Das war nicht gerade ein erfreuliches Osterei für die internationale Pharmaindustrie: Die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Zölle auf importierte, patentgeschützte Medikamente markieren einen tiefgreifenden Eingriff in den globalen Pharmamarkt. Die Abgaben können im Extremfall bis zu 100 Prozent betragen, für Produkte aus der EU sind zunächst reduzierte Sätze vorgesehen. Generika bleiben ausgenommen.
US-Pharmazölle erhöhen Druck auf globale Industrie
Ziel der Maßnahme ist es, Produktion und Investitionen stärker in die USA zu verlagern sowie Preissenkungen im US-Markt zu erzwingen. Die Umsetzung erfolgt gestaffelt ab Sommer 2026 mit Übergangsfristen für Unternehmen, bevor die Regelung im Herbst vollständig greift.
Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) bewertet die Entscheidung kritisch. „Die beschlossenen Maßnahmen zur Einschränkung von Pharmaimporten stellen einen bedeutenden Eingriff in den globalen Arzneimittelmarkt dar. Sie sind eine Zäsur im weltweiten Handel mit Medikamenten“, erklärte vfa-Präsident Han Steutel.
Für europäische Hersteller steigt damit der strategische Druck erheblich. Unternehmen stehen vor der Wahl, Preise anzupassen, Produktionskapazitäten in die USA zu verlagern oder Marktanteile zu riskieren. „Für Deutschland bedeutet dies, dringend benötigte Investitionen am Standort stehen mehr denn je auf dem Prüfstand“, so Steutel weiter.
US-Investitionen von Pharma gewaltig angestiegen
In den vergangenen zwölf Monaten hat sich eine klare Transatlantik-Verschiebung abgezeichnet: Vor allem Schweizer Konzerne treiben mit zweistelligen Milliardenbeträgen den Ausbau ihrer US-Präsenz massiv voran (Roche und Novartis mit jeweils Investititonen in der Größenordnung von 50 Mrd. US-Dollar). Deutsche Unternehmen agieren noch zögerlich, obwohl Bayer dem Vernehmen nach mit einem Ausbau der Produktion in den USA zumindest stark liebäugelt. Merck und Boehringer Ingelheim hatten sich zuletzt vor allem damit beschäftigt, in den Preisverhandlungen über die Arzneimittel nach der MFN-Regelung (most favourable nation) mit nur einem blauen Auge davonzukommen. Andererseits werden gezielt Übernahmen in den USA getätigt, um die Pipeline zu stärken, aber auch um das Netzwerk an US-Standorten zu erweitern.
Getrieben wird diese Entwicklung von dem Wunsch nach strategischer Nähe zum wichtigsten Absatzmarkt. Boehringer erzielt etwa 44% seines Gesamtumsatzes derzeit in den USA, bei der deutschen Merck sind es etwa 25%. Die Maßnahme gilt als industriepolitisches Instrument mit geopolitischer Dimension. Sie könnte langfristig zu einer stärkeren Regionalisierung der Pharmaproduktion führen mit einem besonderen Schwergewicht in den USA. Denn auch die Hersteller der Pharmaprodukte, insbesondere der Biologika, können sich dem Magnetismus der Milliardengeldströme nicht entziehen und verstärken ihre Vor-Ort-Kpazitäten in den USA deutlich (Lonza, Rentschler, Coriolis).
Und Europa?
In Europa kann man dem Exodus der Industrie nicht lange tatenlos zusehen. Denn jedes in den USA investierte Geld fehlt für Investititonen in europäische Standorte, obwohl man in der EU eine Rückholaktion der Produktion im Auge hat. Damit wächst in Europa der Handlungsdruck, eigene Standortbedingungen zu verbessern. Der vfa mahnt, wirtschaftspolitische Entscheidungen künftig stärker im internationalen Wettbewerbskontext zu bewerten. Man wäre froh, wenn solche Banalitäten von einem Verband nicht extra ausgeführt werden müssten.

Novartis
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Raphael Alu für Basel Area Business and Innovation