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Zwiespältiges bei Valneva: neues Geld, Spekulationen und ein Kursrutsch

Valneva steht zwischen Fortschritt und Unsicherheit: Kapitalerhöhung, Sparprogramm und gemischte Studienbewertungen prägen die Lage. Entscheidend wird der nächste Schritt beim Lyme-Impfstoff sein und eine Reaktion der FDA auf den möglichen Zulassungsantrag. Manche haben den Daumen schon gesenkt, doch ein wenig mehr nüchterne Betrachtung würde nicht schaden.

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die französisch-österreichische Valneva SE befindet sich derzeit in einer Phase der Neujustierung, in der sich operative Fortschritte, finanzielle Maßnahmen und unterschiedliche Markteinschätzungen überlagern.

Kapitalerhöhung bringt Geld, klingt für manche aber nach Notlage

Im Zentrum steht eine Kapitalerhöhung über bis zu 84 Mio. Euro. Ein Teil von 37 Mio. Euro ist dabei sofort gesichert, weitere 47 Mio. Euro sind an die Ausübung von Warrants gekoppelt – und damit indirekt an den regulatorischen Erfolg des Lyme-Impfstoffkandidaten: erst nach einer Zulassung fließt das weitere Geld. Zu den Investoren zählen neben Bestandsaktionären wie Frazier Life Sciences auch spezialisierte Fonds wie Deep Track Capital oder Perceptive Advisors. Das unterstreicht ein fortbestehendes Interesse institutioneller Biotech-Investoren, allerdings zu deutlich veränderten Konditionen.

Operativ bleibt der gemeinsam mit Pfizer entwickelte Lyme-Impfstoff der zentrale Werttreiber. Die Phase III-Daten zeigen eine Wirksamkeit von über 70 Prozent, verfehlten jedoch formal das primäre Studienziel – ein Umstand, der vor allem auf die geringe Zahl an Infektionen im Studienzeitraum zurückgeführt wird. Entsprechend divergieren die Einschätzungen: Während einige Beobachter die Daten als klinisch relevant und ausreichend für eine Zulassung betrachten – auch Partner Pfizer auf der offiziellen Ebene–, verweisen andere auf die statistische Unsicherheit und den daraus resultierenden Interpretationsspielraum, der eine Zulassung nicht gut kalkulieren lasse.

Verzweiflung im Börsenforum und Ernüchterung bei Analysten

Diese Uneinigkeit spiegelt sich auch im Marktumfeld wider. In Analystenkreisen gehen die Bewertungen auseinander. Mit den aktuellen Daten der klinischen Studie reduzieren manche Experten die Bemessungsgrundlage einer Zulassungswahrscheinlichkeit und damit den Eintritt von Meilensteinzahlungen und späteren Erlösen. damit verringern sie das angepeilte Kursziel zum Teil deutlich nach unten. Auch die Stimmung unter Anlegern  ausgedrückt in diversen Börsenforen ist zuletzt deutlich zurückhaltender geworden, und das ist die freundliche Formulierung. Häufig wird dabei schon das Bild eines sinkenden Schiffes an die Wand gemalt. Der Aktienkurs hat entsprechend nachgegeben, was die Spekulation über eine Kapitalmaßnahme bei so niedrigen Kursständen als eine Notfallmaßnahme ins Kraut schießen ließ. Die Unsicherheit über den weiteren regulatorischen Verlauf ist jedenfalls kein Turbo für den Kursverlauf.

Kostenstruktur im Blickfeld

Parallel dazu treibt das Unternehmen interne Anpassungen voran. Nach der Standortkonsolidierung in Frankreich wurde ein weiteres Sparprogramm inklusive Stellenabbau angekündigt. Ziel ist es, die Kostenstruktur an die aktuelle Situation anzupassen und die finanzielle Reichweite zu sichern.

Finanziell erwartet Valneva für 2026 einen Umsatzrückgang auf 155 bis 170 Mio. Euro, vor allem aufgrund geringerer Produktumsätze. Gleichzeitig könnten bei einer erfolgreichen Zulassung des Lyme-Impfstoffs Meilensteinzahlungen und Umsatzbeteiligungen die Einnahmenseite deutlich stärken. In den nächsten Maitagen sollen neue Geschäftszahlen publiziert werden.

Impfstoffe und die FDA?

Der Valneva-CEO Lingelbach wird zwar nicht müde, den Erfolg des ersten Borreliose-Impfstoffes förmlich herbeizureden, doch derzeit weht ihm viel Skepsis entgegen. Dazu hat man aktuell keine Klarheit über die Strategie in Sachen Impfstoffe bei der FDA. Personen werden ausgewechselt, der Kurs munter gewechselt, dann gilt wieder ein First-in-class-Impfstoff als ein medizinischer Meilenstein. Neben dem Lyme-Programm rückt mit dem Shigella-Impfstoff ein weiterer Kandidat von Valneva in den Fokus, für den in der zweiten Jahreshälfte klinische Daten erwartet werden. Damit stehen in den kommenden Monaten mehrere potenzielle Impulsgeber an. Wenn denn die FDA mitmacht.

Insgesamt zeigt sich ein gemischtes Bild: Valneva verfügt über einen fortgeschrittenen Impfstoffkandidaten mit erkennbarer medizinischer Wirkung bei großem Bedarf, steht jedoch zugleich vor regulatorischen, finanziellen und marktseitigen Unsicherheiten. Wie sich diese Faktoren gewichten, dürfte sich erst mit den nächsten klinischen und regulatorischen Schritten klarer abzeichnen. Das Fahrwasser für Valneva bleibt ziemlich aufgewirbelt, hektische Bewegungen am Steuerrad gilt es zu vermeiden.

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