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Helmholtz sieht Biomedical Engineering als Zukunftsfeld

Biomedical Engineering soll bei der Helmholtz-Gemeinschaft zum strategischen Querschnittsthema werden. Die Forschungsorganisation hat die Initiative in diesem Jahr gestartet, um Kompetenzen aus Biologie, Medizin, Ingenieurwissenschaften und KI über die Grenzen einzelner Zentren hinweg zusammenzuführen. Dahinter steht auch ein industriepolitischer Anspruch: Forschungsergebnisse sollen schneller in Produkte, Ausgründungen und neue Gesundheitstechnologien gelangen.

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Die Helmholtz Gemeinschaft definiert Bioengineering als eine institutsübergreifende Thematik, die mit einer eigenen Innovationsagenda zu mehreren konkreten Themenfeldern unterfüttert wird. Ganz neu ist die Idee eines über die einzelnen Institute gelegten Themenbogens für Helmholtz nicht. Die 18 rechtlich selbstständigen Forschungszentren arbeiten bereits seit Jahren in gemeinsamen Forschungsprogrammen und über Forschungsbereiche hinweg zusammen. Die Gemeinschaft verfügt zudem mit dem Portfolio-Prozess und dem Impuls- und Vernetzungsfonds über Instrumente, um neue, zentrumsübergreifende Themen aufzubauen.

Neu ist bei Biomedical Engineering vor allem die Konsequenz, mit der ein Thema über mehrere Zentren hinweg als gemeinsame Innovationsagenda positioniert wird. Neun Helmholtz-Zentren sind an der Taskforce beteiligt: DKFZ, DZNE, Forschungszentrum Jülich, Helmholtz Munich, HZDR, HZI, Hereon, KIT und Max Delbrück Center. Ziel ist es, deren unterschiedliche Kompetenzen für neue biomedizinische Technologien zu verbinden und gleichzeitig Industrie, Kliniken und Hochschulen einzubinden.

Vielfalt der Themen unter einem Leitstern

Die Spannbreite ist entsprechend groß. Die Initiative reicht von neuen Diagnostikverfahren und Biosensoren über KI-gestützte Bildgebung und personalisierte Medizin bis zu neuartigen Therapien und Medizintechnik. In den konkreten Projekten geht es beispielsweise um einen Geschmackssensor zur Erkennung von Influenza, magnetisch steuerbare Mikroroboter für die Behandlung von Hirntumoren, eine nicht-invasive Glukosemessung mit miniaturisierten Ultraschalldetektoren oder die räumliche Analyse von Tumorgewebe mit KI. Weitere Vorhaben befassen sich mit Gentherapie, Mikrobiom, Radiotherapie und molekularer Bildgebung.

Damit zielt Helmholtz auf eine Lücke, die derzeit nicht nur in Deutschland diskutiert wird: Europas starke Grundlagenforschung führt nicht automatisch zu einer entsprechenden Zahl marktfähiger Technologien und Unternehmen. Gemeinsam mit der europäischen Molekularbiologie-Organisation EMBO hat Helmholtz deshalb Empfehlungen für eine europäische Biomedical-Engineering-Agenda vorgelegt. Gefordert werden unter anderem eigene Studien- und Karrierewege für Bioengineering, spezialisierte Förder- und Begutachtungsstrukturen, eine frühere Einbindung von Kliniken und Industrie sowie mehr Unterstützung für Produktentwicklung und Ausgründungen.

Vom Zentrum zum Netzwerk

Ein Blick nach München zeigt, dass die Grundidee bereits auf Zentrumsebene praktiziert wird. Der Pioneer Campus des Helmholtz Munich ist seit Jahren darauf ausgerichtet, Grundlagenforschung mit Technologieentwicklung, Unternehmertum und Industrie zu verbinden. Die neue Gemeinschaftsinitiative hebt dieses Prinzip nun auf eine andere Ebene: Nicht ein einzelner Standort, sondern die unterschiedlichen technologischen Kompetenzen mehrerer Helmholtz-Zentren sollen als gemeinsames Bioengineering-Portfolio sichtbar und nutzbar werden.

Ein Vergleich mit Fraunhofer liegt nahe – allerdings eher mit dessen thematischen Verbünden und Allianzen als mit einer organisatorischen Fusion. Fraunhofer bündelt schon länger Kompetenzen mehrerer Institute in Verbünden, Allianzen und neuen Forschungsplattformen, etwa aktuell in den Heilbronner Forschungs- und Innovationszentren. Dort arbeiten mehrere Institute gemeinsam an Zukunftsthemen wie KI und Digitalisierung.

Der Unterschied bleibt wesentlich: Fraunhofer ist auf anwendungsorientierte Forschung und industrielle Aufträge ausgerichtet, während Helmholtz als Verbund großer, rechtlich selbstständiger Forschungszentren langfristige, programmorientierte Forschung betreibt und dafür auch umfangreiche Forschungsinfrastrukturen vorhält. Helmholtz bündelt seine Zentren bereits heute in sechs Forschungsfeldern und finanziert zentrumsübergreifende Programme.

Geld spielt keine Rolle, denn allzuviel gibt es (erstmal) nicht

Biomedical Engineering ist insofern weniger eine organisatorische Neuordnung als ein Versuch, diese vorhandene Struktur für ein neues Innovationsfeld offensiver zu nutzen. Rund 17 Mio. Euro aus dem Impuls- und Vernetzungsfonds stehen für die etwa fünfjährige Forschungskampagne zur Verfügung. Das sind etwas über 3 Mio. Euro pro Jahr und damit ein Hinweis, dass hier kein eigenes großes Forschungsprogramm aufgelegt wird, sondern eine Marschrichtung definiert wird, auf dessen Wegstrecke sich die Beteiligten sicherlich um zusätzliche Geldquellen kümmern sollen. Der Anspruch geht deswegen über neue Forschungsprojekte hinaus: Helmholtz will Produktentwicklung und Unternehmensgründungen beschleunigen, mit der Industrie zusammenarbeiten und eine neue Generation von Bioingenieurinnen und Bioingenieuren auch unternehmerisch ausbilden.

Das macht die Initiative auch für die Biotech-Szene interessant. Helmholtz versucht damit, aus vielen bereits vorhandenen Einzelkompetenzen ein sichtbares technologisches Angebot zu formen – und aus Bioengineering nicht nur ein Forschungsfeld, sondern einen Baustein einer europäischen Innovations- und Wertschöpfungsstrategie.

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