
Genom-Atlas entschlüsselt Krebs bei Hauskatzen
Ein internationales Forschungskonsortium hat das bislang umfassendste genetische Profil von Tumorerkrankungen bei Hauskatzen vorgelegt. Für die in Science veröffentlichte Studie „The oncogenome of the domestic cat“ analysierten die Wissenschaftler 493 Tumoren aus 13 Krebsarten – jeweils im Vergleich mit gesundem Gewebe derselben Tiere. Beteiligt war unter anderem die Veterinärmedizinische Universität Wien wie auch die Universität Bern, Schweiz.
Ziel der internationalen Forschungsarbeit war es, typische genetische Veränderungen bei Katzenkrebs zu identifizieren, Parallelen zur Humanmedizin zu untersuchen und mögliche therapeutische Ansatzpunkte abzuleiten.
Viele Gemeinsamkeiten mit menschlichem Krebs
Die Auswertung zeigt deutliche Überschneidungen zwischen Katzen- und Menschenkrebs. Besonders häufig betroffen war das Tumorsuppressor-Gen TP53, das auch in der Humanonkologie eine zentrale Rolle spielt. In rund einem Drittel aller untersuchten Fälle war es verändert. Ebenfalls regelmäßig mutiert waren Gene wie FBXW7, CTNNB1 und PIK3CA.
Neben diesen Parallelen traten jedoch auch artspezifische Unterschiede zutage. So spielt bei Brustkrebs der Katze häufig FBXW7 eine Rolle, während beim Menschen eher TP53 dominiert. Solche Differenzen könnten Katzen zu einem relevanten Modell für bestimmte Tumorarten machen – insbesondere dort, wo sich Krankheitsmechanismen unterscheiden.
Hinweise auf Ursachen und Muster der Tumorentstehung
Die Studie liefert zudem Anhaltspunkte zur Krebsentstehung. Bei Hauttumoren fanden sich in mehr als der Hälfte der Fälle typische Signaturen von UV-Strahlung – vergleichbar mit sonnenbedingten Schäden beim Menschen. In einzelnen Proben wurde außerdem Papillomavirus-DNA nachgewiesen, was auf eine mögliche virale Mitbeteiligung hinweist.
Auffällig war ein wiederkehrendes genetisches Muster: Tumoren wiesen entweder zahlreiche kleine Mutationen oder größere chromosomale Veränderungen auf – selten jedoch beides zugleich. Dieses „Entweder-oder“-Prinzip ist auch aus der Humanmedizin bekannt und unterstreicht die biologischen Parallelen zwischen den Arten.
Ansatzpunkte für gezielte Therapien
Über die rein molekulare Kartierung hinaus identifizierte das Team auch potenziell therapeutisch nutzbare Veränderungen. In mehr als der Hälfte der Tumoren fanden sich Mutationen in Genen, die prinzipiell medikamentös adressierbar sind. Rund 37 Prozent der Fälle könnten demnach von gezielten Therapieansätzen profitieren.
In 67 Tumoren entdeckten die Forschenden genetische Veränderungen, die in der Humanmedizin bereits als behandelbar gelten – darunter Mutationen in KIT oder PIK3CA. Diese Überschneidungen eröffnen Perspektiven für den sogenannten One-Medicine-Ansatz, bei dem Erkenntnisse aus Tier- und Humanmedizin systematisch zusammengeführt werden.
Internationale Kooperation
Geleitet wurde die Studie vom Wellcome Sanger Institute in Cambridge sowie der University of Guelph. Neben der Veterinärmedizin der Universität Wien waren auch Forscher der Universität Bern, Schweiz, beteiligt. Die Ergebnisse markieren den Autoren zufolge einen wichtigen Schritt hin zu einem besseren Verständnis von Krebs bei Haustieren – und könnten langfristig sowohl der Veterinär- als auch der Humanmedizin neue Impulse geben.

Roche
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