Helmholtz Zentrum München

Hopfen-Genom: Entschlüsselung mit mehr Tiefgang zur Klimaanpassung

Erstmals haben Wissenschaftler eine hochauflösende, chromosomenbasierte Referenzkarte des Hopfengenoms erstellt. Ihre in Nature Communications veröffentlichte Arbeit gilt als bislang umfassendste genetische Vermessung der Pflanze.

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Das Helmholtz Zentrum München, die Züchtungsfirma Hopsteiner sowie das Carlsberg Research Laboratory der Großbrauerei haben erstmals eine hochauflösende, chromosomenbasierte Referenzkarte des Hopfengenoms erstellt. Die in Nature Communications veröffentlichte Arbeit („Extensive variation between chromosomes of North American and European hop“, Kale et al., 2026, DOI: 10.1038/s41467-026-72379-8) gilt als bislang umfassendste genetische Vermessung der Pflanze und soll die Grundlage für klimaangepasste Züchtungsstrategien im globalen Hopfenanbau liefern.

Hintergrund der Arbeit ist der zunehmende Druck auf die Hopfenproduktion durch den Klimawandel. Steigende Temperaturen, längere Dürreperioden und unvorhersehbare Wetterereignisse beeinträchtigen bereits heute Ertrag und Qualität in wichtigen Anbauregionen. Damit geraten nicht nur landwirtschaftliche Lieferketten unter Druck, sondern auch die sensorische Stabilität eines zentralen Rohstoffs der Brauindustrie.

Komplexes Genom erstmals strukturiert entschlüsselt

Hopfen gilt genetisch als ungewöhnlich komplex. Das Genom ist ähnlich groß wie das menschliche Erbgut und stark repetitiv aufgebaut. Zusätzlich erschwert das zweigeschlechtliche Reproduktionssystem der Pflanze – nur weibliche Pflanzen bilden die für die Bierproduktion relevanten Dolden – die klassische Züchtung.

Im aktuellen Projekt gelang es dem Konsortium, ein vollständiges, chromosomenauflösendes Referenzgenom einer kommerziell relevanten Hopfensorte zu erstellen. Dabei wurde erstmals die besondere genetische Struktur der Pflanze so weit aufgelöst, dass beide Chromosomensätze getrennt sichtbar wurden – jeweils vererbt von Mutter- und Vaterlinie. Diese Auflösung ist zentral, weil moderne Züchtungsprogramme häufig europäische und nordamerikanische Hopfenlinien kombinieren. Die neue Genomkarte macht erstmals sichtbar, wie sich diese genetischen Herkunftslinien im Erbgut verteilen und welche Eigenschaften – etwa Stressresistenz, Ertrag oder Aromabildung – damit verknüpft sind.

Von der „Trial-and-Error“-Züchtung zur datengetriebenen Entwicklung

Mit der nun verfügbaren genetischen Referenz verschiebt sich die Hopfenzüchtung grundlegend: weg von langwierigen empirischen Kreuzungsprogrammen hin zu gezielter, genomgestützter Entwicklung.

Die Studie eröffnet damit mehrere konkrete Perspektiven:

  • Klimaresiliente Sorten: gezielte Selektion von Genvarianten für Hitze- und Trockenstresstoleranz
  • Aromadiversität: bessere Zuordnung von Genen zu flüchtigen Aromastoffen und Bitterprofilen
  • Beschleunigte Züchtung: Verkürzung traditioneller Entwicklungszyklen von oft über zehn Jahren
  • Nachhaltigere Produktion: robustere Sorten mit geringerem Inputbedarf in der Landwirtschaft

„Herausforderungen wie der Klimawandel sind größer als jedes einzelne Unternehmen“, sagte Birgitte Skadhauge, Leiterin des Carlsberg Research Laboratory. Durch die offene Bereitstellung der Daten in Nature Communications entstehe ein global nutzbares Werkzeug für Forschung und Züchtung, das langfristig die Versorgungssicherheit von Hopfen und damit indirekt auch die Bierproduktion stützen könne. “Wir helfen mit der Publikation, die Zukunft des Bieres zu sichern”, kommentierte Skadhauge.

Industrierelevanz: Rohstoffsicherheit für die Brauwirtschaft

Die Bedeutung der Arbeit reicht über die Pflanzenbiologie hinaus. Für Brauereikonzerne und Zulieferer ist Hopfen nicht nur Aromaträger, sondern ein strategisch verwundbarer Agrarrohstoff. Klimatische Instabilität wirkt sich direkt auf Verfügbarkeit, Preis und sensorische Konsistenz aus.

Die nun veröffentlichte Genomkarte liefere erstmals eine systematische Grundlage, um diese Risiken genetisch zu adressieren. Damit entsteht ein neues Bindeglied zwischen Pflanzenforschung, Agrarindustrie und Brauwirtschaft, das helfen soll, ein zentrales „Kultur- und Konsumgut“ (wie es die Autoren um Forschungsleiter Prof. Manuel Spannagl vom Helmholtz Zentrum nennen) unter veränderten Umweltbedingungen langfristig abzusichern.

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