
Biosimilars werden zum Wachstumsmotor: Fresenius und Sandoz profitieren
Lange galten Biosimilars vor allem als Instrument zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen. Inzwischen entwickeln sie sich für ihre Hersteller zunehmend zum Wachstumstreiber. Das zeigen die aktuellen Halbjahreszahlen von Sandoz und Fresenius.
Das Schweizer Pharmaunternehmen Sandoz und der deutsche Gesundheitskonzert Fresenius vermeldeten Anfang August ihre Halbjahreszahlen. Beide Firmen verbesserten Umsatz und Profitabilität maßgeblich mit biopharmazeutischen Nachahmerpräparaten – und sehen weiteres Potenzial.
Besonders deutlich fällt die Entwicklung bei Sandoz aus. Der Konzern steigerte den Umsatz mit Biosimilars im ersten Halbjahr währungsbereinigt um 20% auf 1,88 Mrd. US-Dollar. Damit stammen inzwischen 33% des Konzernumsatzes aus diesem Geschäft – ein Rekordwert. Im zweiten Quartal beschleunigte sich das Wachstum sogar auf 22%. Besonders dynamisch entwickelte sich Nordamerika mit einem Plus von 47%. Parallel verbesserte Sandoz seine Core-EBITDA-Marge auf 20,9% und steigerte den Free Cashflow um 63%. Für den Konzern werden Biosimilars damit zunehmend zum wichtigsten Ergebnishebel.
Wachsender Umsatzträger auch bei Fresenius
Im Geschäftsbereich Kabi (Fresenius-KABI) wuchs das Biosimilar-Geschäft im ersten Halbjahr um 36%, nachdem bereits 2025 ein Plus von 43% erzielt worden war. Mit knapp einer halben Milliarde Euro Umsatz nach sechs Monaten dürfte das Biopharma-Geschäft 2026 erstmals die Milliardenmarke überschreiten. Besonders erfolgreich entwickelt sich das Tocilizumab-Biosimilar Tyenne, das nach Unternehmensangaben bereits Marktanteile von 44% in Europa und 30% in den USA erreicht.
Für Fresenius ist das Biosimilar-Geschäft zwar mit rund vier Prozent Umsatzanteil noch vergleichsweise klein, besitzt jedoch eine hohe strategische Bedeutung. Zusammen mit klinischer Ernährung und Medizintechnik zählt es zu den wichtigsten Wachstumstreibern der Kabi-Sparte. Das währungsbereinigte EBIT dieser Wachstumsfelder stieg im zweiten Quartal um 42%, woraufhin Fresenius seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr anhob.
Warum Biosimilars gerade Rückenwind haben
Der Aufschwung der Biosimilars hat mehrere Ursachen. In den kommenden Jahren verlieren zahlreiche umsatzstarke Biologika ihren Patentschutz und schaffen Raum für neue Wettbewerber. Gleichzeitig stehen Gesundheitssysteme weltweit unter Kostendruck und fördern den Einsatz günstigerer Alternativen. Hinzu kommt, dass Ärzte und Patienten heute deutlich mehr Erfahrung mit Biosimilars haben als noch vor wenigen Jahren. Während ihre Einführung zunächst zögerlich verlief, gelten sie inzwischen in vielen Indikationen als etablierter Therapiestandard.
Besonders attraktiv bleibt der US-Markt. Zwar verläuft die Marktdurchdringung dort langsamer als in Europa, doch sind die Einsparpotenziale und damit auch die Umsatzchancen deutlich größer. Entsprechend profitieren Unternehmen mit einer breiten Biosimilar-Pipeline zunehmend von Produkteinführungen auf beiden Seiten des Atlantiks.
Für die Branche markiert dies einen Strategiewechsel: Biosimilars sind längst kein margenschwaches Ergänzungsgeschäft mehr. Mit zunehmender Größe, steigender Akzeptanz und einer Welle auslaufender Patente entwickeln sie sich für spezialisierte Anbieter wie Sandoz und für diversifizierte Gesundheitskonzerne wie Fresenius zu einem der wichtigsten Wachstumsmärkte der kommenden Jahre.
Hohe Kosten für Rechtsstreitigkeiten
Der Einstieg in dieses Geschäft bleibt jedoch kapitalintensiv. Neben hohen Entwicklungs- und Produktionskosten müssen Hersteller häufig langwierige Patent- und Rechtsstreitigkeiten mit den Originalanbietern führen, bevor ein Biosimilar tatsächlich auf den Markt kommen kann. Wie stark diese Verfahren die Bilanz belasten können, zeigt Sandoz: Im ersten Halbjahr 2026 fielen allein Rechtskosten von rund 470 Mio. US-Dollar an, wodurch der ausgewiesene Nettogewinn trotz operativ deutlich verbesserter Geschäfte erheblich gedrückt wurde.
Auch die Münchner Formycon kann ein Lied davon singen, wie mühsam der Weg für ein bereits zugelassenes Biosimilar ist, um wirklich auf den Markt zu kommen. Die Originalhersteller lassen sich regelmäßig ihre abschmelzenden Umsätze zumindest in Teilen und für kurze Zeit gegen hohe Vergleichszahlungen von den nachdrängenden Konkurrenten auslösen. Für Biosimilar-Anbieter gilt damit mehr denn je: Wer erfolgreich sein will, braucht nicht nur wissenschaftliche und regulatorische Kompetenz, sondern auch einen langen finanziellen Atem.

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©Sandoz
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