
Fresenius übernimmt mAbxience für 750 Mio. Euro komplett
Fresenius stockt seinen 55%-Anteil auf und übernimmt mAbxience komplett. Bis zu 750 Mio. Euro sollen für die restlichen 45 Prozent fällig werden. Noch vor wenigen Tagen war mAbxience vor allem als Partner gefragt: Erst im September vereinbarte die spanische Biopharmafirma mit Sandoz die Entwicklung und Herstellung eines Biosimilars von Emicizumab (Hemlibra) gegen Hämophilie A.
Ob die Partnerschaften mit Konkurrenten den Ausschlag gegeben haben? Erst im September vereinbarte die spanische Biopharmafirma mit Sandoz die Entwicklung und Herstellung eines Biosimilars von Emicizumab (Hemlibra) gegen Hämophilie A. Nun ist klar, wer künftig den vollständigen Zugriff auf die Plattform hat: Fresenius übernimmt die restlichen 45 Prozent an mAbxience für bis zu 750 Mio. Euro.
Fresenius hatte 2022 zunächst 55 Prozent an mAbxience erworben und das Unternehmen seither bereits voll konsolidiert. Verkäufer der verbliebenen Anteile sind Insud Pharma und Invim Corporativo. Die Transaktion wurde am 30. September unterzeichnet und vollzogen; behördliche Genehmigungen waren nicht erforderlich. Bis zu 50 Mio. Euro des Kaufpreises sind an die Zulassung bestimmter Produktionsstätten geknüpft.
Mehr Kontrolle im Biosimilargeschäft
Damit wird aus der Mehrheitsbeteiligung eine vollständig kontrollierte Biosimilar-Plattform innerhalb von Fresenius Kabi. mAbxience bringt Entwicklung, Produktion und Vermarktung von Biopharmazeutika zusammen und betreibt drei Multiprodukt-Produktionsstätten in Spanien und Lateinamerika. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 1.300 Mitarbeiter, erzielte 2025 einen Umsatz von mehr als 320 Mio. Euro und verfügt derzeit über vier vermarktete Produkte sowie acht Kandidaten in der Entwicklung.
Für Fresenius ist die Komplettübernahme damit weniger ein klassischer Zukauf als der nächste Schritt einer bereits laufenden Integration. Mit der vollständigen Kontrolle kann der Konzern künftig Investitionen in Produktionskapazitäten, die Auswahl neuer Biosimilar-Projekte und Lizenzpartnerschaften selbst steuern. Gleichzeitig verbleibt die gesamte Wertschöpfung innerhalb der eigenen Biopharma-Sparte – von der Entwicklung bis zur Vermarktung.
Stärkung von Fresenius Kabi
Wie attraktiv diese Plattform für externe Partner geworden ist, zeigte zuletzt die Vereinbarung mit Sandoz. Für das geplante Emicizumab-Biosimilar übernimmt mAbxience Entwicklung und Herstellung in Spanien und Argentinien, Sandoz soll die weltweiten Vermarktungsrechte mit Ausnahmen erhalten. Der Referenzmarkt für Hemlibra wird auf rund 5,7 Mrd. US-Dollar geschätzt.
Fresenius sieht hinter der Entwicklung allerdings einen noch größeren Markt. Für zahlreiche biologische Arzneimittel läuft in den kommenden Jahren der Patentschutz beziehungsweise die Marktexklusivität aus. Das Unternehmen erwartet deshalb, dass der weltweite Biosimilar-Markt bis 2035 auf mehr als 180 Mrd. Euro wächst – gegenüber heute etwa auf das Sechsfache. Diese Marktprognose stammt von Fresenius und ist entsprechend als Unternehmensannahme einzuordnen.
Die Strategie passt zum Umbau des Konzerns unter CEO Michael Sen. Fresenius will das Biopharma-Geschäft von Kabi als eigenständige Wachstumssäule ausbauen und die vorhandenen Plattformen stärker skalieren. Die Komplettübernahme von mAbxience soll nach Unternehmensangaben unmittelbar zum bereinigten Ergebnis je Aktie beitragen. Finanziert wird der Kauf aus vorhandener Liquidität und operativem Cashflow; eine neue Finanzierung sei nicht erforderlich. Die Prognose für 2026 und das Ziel, den Biopharma-Umsatz bis 2030 gegenüber 2025 ungefähr zu verdoppeln und dabei eine EBIT-Marge von rund 20 Prozent zu erreichen, bleiben unverändert.
Interessant ist dabei auch die Entwicklung seit dem Einstieg vor vier Jahren. Damals kaufte Fresenius 55 Prozent für rund 495 Mio. Euro. mAbxience war zu diesem Zeitpunkt bereits ein etabliertes Biopharmaunternehmen, der Biosimilar-Markt aber noch weniger weit entwickelt. Inzwischen hat sich die Plattform zu einem Baustein der Kabi-Biopharma-Strategie entwickelt. Die nun gezahlten bis zu 750 Mio. Euro für die Minderheitsanteile machen deutlich, welchen Wert Fresenius inzwischen auf die vollständige Kontrolle über Entwicklung, Produktion und künftige Expansion legt.
Wird Fresenius Kabi ein eigenständiger Biosimilar-Tanker? Bisher sieht die Konzernstrategie eine Stärkung als strategisches Standbein vor, doch Fresenius befindet sich in einer Umbauphase der bisherigen Säulen Nieren-Dialyse (Fresenius Medical Care), Krankenhäuser (Helios) und Biopharma/Ernährung (Fresenius Kabi) verschiebt dort die Gewichte. Ob die derzeit 100%-Beteiligungen bei Helios und Kabi in Stein gemeisselt sind, weiß man wohl nur in der Vorstandsetage in Bad Homburg.

GSK
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