Primogene GmbH

HTGF steigt ein: Finanzierung für Leipziger Primogene

Das Leipziger Start-up Primogene GmbH sichert sich 4,1 Mio. Euro, um bioaktive Moleküle wie Muttermilch-Bausteine enzymatisch im großen Maßstab herzustellen. Ziel: der Sprung vom Labor in die industrielle Produktion.

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Das Leipziger Biotech-Start-up Primogene GmbH hat eine Seed-Finanzierung über 4,1 Mio. Euro eingeworben, um seine enzymatische Plattform zur Herstellung komplexer bioaktiver Moleküle in den industriellen Maßstab zu überführen. Angeführt wird die Runde vom High-Tech Gründerfonds, weitere Investoren sind unter anderem der Technologiegründerfonds Sachsen und die Sächsische Beteiligungsgesellschaft.

Die Milch macht´s

Im Zentrum des Geschäftsmodells steht ein Problem, das viele Biotech-Ansätze teilen: Während sich funktionelle Moleküle im Labor herstellen lassen, scheitert die wirtschaftliche Produktion oft an Komplexität und Kosten. Primogene setzt hier auf enzymatische Syntheseverfahren, um naturidentische Moleküle effizient und skalierbar herzustellen. „Komplexe Biomoleküle ließen sich mit herkömmlichen Verfahren bislang kaum wirtschaftlich herstellen“, sagt HTGF-Investor Stephan Ruck. Die Technologie des Start-ups könne dies grundlegend verändern.

Ein zentraler Anwendungsbereich sind sogenannte humane Milcholigosaccharide (HMOs), bioaktive Bestandteile der Muttermilch. Sie spielen eine wichtige Rolle für das Immunsystem und die Entwicklung von Säuglingen – insbesondere bei Frühgeborenen, von denen weltweit rund 13 Millionen pro Jahr zur Welt kommen. Moleküle wie Disialyllacto-N-Tetraose (DSLNT) gelten als vielversprechend, sind jedoch bislang nur schwer in größeren Mengen verfügbar. Der Markt für HMOs wächst entsprechend dynamisch, getrieben durch die steigende Nachfrage in der Säuglingsernährung.

Industrieerfahrene Investoren

Neben den größeren Beteiligungsgesellschaften in dieser Seed-Runde ist auch interessant, dass Dr. Marc Struhalla und die FS Life Science Investment GmbH das Start-up aktiv und finanziell unterstützen. Struhalla ist Gründer und CEO der c-LEcta GmbH, die mit der industriellen Biotechnologie zum Leuchtturm in Leipzig wurde, auch nachdem die irische Kerry-Gruppe das Unternehmen gekauft hat. Denn die Mannschaft und das dort versammelte Know-how bilden nun in einem ausladenden Neubau auf dem alten Leipziger Messegelände das Kerry-Kompetenzzentrum für biotechnologische Enzymherstellung. Ein direkter Bezug als früher Berater beim aufstrebenden Start-up Primogene lag da nahe, nun ist es mit einem Investment auch eine formellere Beziehung geworden. Frank Schäfer, Gründer der Kölner BioEcho, steckt mit seiner Partnerin hinter FS Life Science Investment und versteht nicht nur etwas von den Herausforderungen der deutschen Biotechnologieszene im allgemeinen, sondern bringt auch ein Netzwerk an Partnern ein, die sich für Investitionen in Unternehmen interessieren, die „für den Planeten einen Unterschied“ machen wollen.

Die Frühgeburt ist so eine Herausforderung, bei der neue Ansätze einen Unterschied machen können. Doch die Versorgung mit adäquater Ersatznahrung bei weltweit rund 13 Millionen Frühgeburten hakt. Primogene will diese Lücke schließen. „Unser Ziel ist es, komplexe naturidentische Inhaltsstoffe im großen Maßstab zugänglich zu machen“, sagt CEO Reza Mahour. Die Plattform deckt dabei den gesamten Prozess von der Enzymentwicklung bis zur Aufreinigung ab. Erste Produkte im Bereich Kosmetik sind bereits am Markt, pharmazeutische Anwendungen werden derzeit von Partnern getestet.

Über die Muttermilch hinaus

Muttermilch ist der Goldstandard für die Ernährung von Säuglingen und unterstützt das Immunsystem, die kognitive Entwicklung und den Aufbau des Mikrobioms. Doch gerade bei Frühgeborenen ist der Nährstoffbedarf noch höher: Klinische Studien zeigen die entscheidende Rolle von humanen Milcholigosacchariden, insbesondere von DSLNT, einem komplexen HMO mit signifikanten Vorteilen für die Gesundheit von Frühchen. Über die Säuglingsernährung hinaus sieht das Unternehmen Einsatzmöglichkeiten entlang der gesamten Lebensspanne – etwa für die Darmgesundheit, kognitive Funktionen im Alter oder als pharmazeutische Rohstoffe. Kooperationen, unter anderem mit dem Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie, sollen zudem das therapeutische Potenzial weiter erschließen.

Eingebettet ist Primogene in das wachsende Life-Sciences-Ökosystem in Leipzig, das mit Einrichtungen wie der Bio City und Förderprogrammen gezielt die Translation von Forschung in industrielle Anwendungen unterstützt. Für das 2023 von Dr.-Ing. Reza Mahour, Valerian Grote und Linda Karger gegründete Unternehmen geht es nun um den nächsten Schritt: den Übergang vom technologischen Proof-of-Concept zur skalierbaren Produktion – eine Phase, in der viele Biotech-Start-ups zu allererst beweisen müssen, dass ihr Ansatz auch wirtschaftlich trägt. Industrieerfahrung der Investoren kann dabei nicht schaden.

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