
Kleiner BioHub im BASF-Chemie-Universum Ludwigshafen
Mit dem neuen BioHub in Ludwigshafen setzt die BASF stärker auf industrielle Biotechnologie: Mikroorganismen produzieren dort künftig biologische Pflanzenschutzmittel und Wirkstoffvorstufen auf Basis nachwachsender Rohstoffe. Nun wurde die Anlage eröffnet. In China allerdings hat BASF einen ganzen Zwilling seines Stammwerkes errichtet und stößt damit in ganz andere Dimensionen vor.
Mit der Inbetriebnahme des neuen BioHub in Ludwigshafen steigt die BASF erstmals selbst in die industrielle Fermentation biologischer Pflanzenschutzmittel ein. Die Anlage produziert biologische Fungizide, Saatgutbehandlungsmittel sowie Vorstufen für biotechnologisch hergestellte Insektizide. Dafür kultiviert das Unternehmen Mikroorganismen wie Bacillus amyloliquefaciens oder den Pilzstamm Penicillium coprobium in geschlossenen Fermentationssystemen auf Basis nachwachsender Rohstoffe wie Glukose.
Große Investition in China, spezifisches Investment in der Heimat
Eigentlich ist der Chemiekonzern derzeit mit seiner China-Strategie in den Medien. Seit 2019 baute er im südchinesischen Zhanjiang (Provinz Guangdong) ein neues Mega-Werk auf der Größe von 600 Fußballfeldern (etwa 4 Quadratkilometern) für rund 8,7 Mrd. Euro – bisher die größte Einzelinvestition in der Firmengeschichte. Die vollständig in Eigenregie (ohne Joint-Venture-Partner) errichtete Anlage wird zu 100 % mit erneuerbarem Strom betrieben und soll als strategischer Zwilling des Stammwerks in Ludwigshafen dienen, also quasi als Ludwigshafen-Klon.
In Deutschland geht es bescheidener zu, für den BioHub in Ludwigshafen investierte der Konzern nach eigenen Angaben einen hohen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag. Doch BASF verfolgt damit eine Strategie, die in China nicht möglich ist: Das Unternehmen will damit die Abhängigkeit von externen Lieferanten reduzieren und die Produktion biologischer Wirkstoffe flexibler skalieren. Die neue Plattform soll zudem Forschung und industrielle Fertigung enger verzahnen und die Entwicklung neuer biotechnologischer Pflanzenschutzlösungen beschleunigen.
Verzögerung bei Eröffnung
Bereits bei der Ankündigung des Projekts hatte BASF auf die wachsende Nachfrage nach biologischen Pflanzenschutzmitteln verwiesen. Damals war die Inbetriebnahme noch für das zweite Halbjahr 2025 geplant, die leichte Verzögerung war dem Unternehmen zur Eröffnung aber nicht der Rede wert. Die Anlage beschäftigt rund 30 Mitarbeiter und ist Teil der Strategie, Produktionsprozesse stärker auf biotechnologische Verfahren und nachwachsende Rohstoffe auszurichten.
„Für die Produktion am BASF-Standort Ludwigshafen ist diese Entwicklung ein weiterer Schritt bei der Umstellung auf neue, innovative Herstellungsverfahren auf Basis nachwachsender Rohstoffe“, sagte Christian Aucoin, Leiter Globale Produktion der BASF Agricultural Solutions. „Der Standort bietet mit seiner guten Infrastruktur, der Einbindung in eine bestehende leistungsfähige Produktionsorganisation und der Nähe zu Forschungseinheiten wie der Weißen Biotechnologie hervorragende Voraussetzungen für diese Investition.“
Kein Neuland für BASF
Denn bei der industriellen Biotechnologie betritt die BASF keineswegs Neuland. Durch biotechnologische Verfahren werden bereits große Mengen an Basis- und Zwischenchemikalien ressourcenschonend produziert, was konventionell oft nur schwer möglich wäre.Der Chemiekonzern arbeitet zudem unter anderen mit Partnern wie IFF zusammen, um Enzymtechnologien der nächsten Generation zu entwickeln und in die Anwendung zu bringen. Außerdem wird an der Nutzung von CO2-Abgasen für den Aufbau neuer Buildingsblocks für die Synthese gearbeitet, auch hier spielen Mikroorganismen eine Rolle.
Mit dem nun eröffneten BioHub baut die BASF ihre Aktivitäten in der Weißen Biotechnologie und im Markt für nachhaltigere Pflanzenschutzlösungen weiter aus. Im riesigen Chemieareal in Ludwigshafen mag man das neue Gebäude noch wie ein sehr kleines Pflänzchen der Biologisierung wahrnehmen, in der Realität ist die Transformation der Chemieindustrie in diesem Bereich in vollem Gange, nämlich dort, wo sich die Wettbewerbssituation durch unter anderem steigende Energiekosten oder unsichere Ressourcenströme verändert.

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