
Mehr Geld für Mikrobiom-Firma mbiomics
Das Münchner Biotechnologie-Unternehmen mbiomics GmbH sichert sich weitere 12 Mio. Euro und erweitert damit die Serie A aus dem Jahr 2023 und eine spätere Aufstockung auf insgesamt 30 Mio. Euro für mikrobiombasierte Therapeutika. Mit MBX-116 startet bald der Schritt in die Klinik. Ziel ist es, komplexe lebende Bakterienkonsortien erstmals skalierbar als Arznei nutzbar zu machen – ein Schlüsseltest für die Mikrobiomforschung.
Das Münchner Biotech-Unternehmen mbiomics GmbH treibt die Entwicklung mikrobiombasierter Therapeutika weiter voran und hat seine Serie-A-Finanzierungsrunde auf insgesamt 30 Mio. Euro ausgebaut. Mit einem dritten Closing über 12 Mio. Euro beteiligten sich erneut Bestandsinvestoren wie die MIG Fonds und Bayern Kapital. Das Kapital soll vor allem in die Vorbereitung klinischer Studien und den Ausbau der Produktionskapazitäten fließen.
Damit erreicht die Mikrobiomforschung, die seit Jahren als vielversprechend gilt, einen weiteren Meilenstein. Die Translation in marktfähige Therapien bleibt jedoch komplex. Während klinische Studien – etwa mit Stuhltransplantationen – gezeigt haben, dass die gezielte Modulation des Darmmikrobioms therapeutische Effekte erzielen kann, gilt die Entwicklung standardisierter und skalierbarer Produkte als zentrale Hürde.
Lebende Therapie
Genau hier setzt mbiomics an. Das Unternehmen entwickelt sogenannte lebende Biotherapeutika, also orale Präparate aus definierten Bakterienkonsortien. Im Unterschied zu variablen Stuhltransplantationen sollen diese präzise zusammengesetzten mikrobiellen Gemeinschaften reproduzierbar hergestellt und gezielt auf bestimmte Krankheitsbilder ausgerichtet werden. „Die Umsetzung mikrobiombasierter Therapeutika in ein skalierbares Produkt stellt nach wie vor eine erhebliche technische Herausforderung dar“, sagt CEO Johannes B. Woehrstein. Man begegne dieser durch den Aufbau eines integrierten Technologieangebots von Analyse über Design bis zur Produktion.
Die Plattform kombiniert unter anderem KI-gestützte Verfahren zur Auswahl geeigneter Bakteriengemeinschaften mit Technologien zur Co-Kultivierung und zum Screening komplexer Konsortien. Ziel ist es, die funktionellen Eigenschaften des Mikrobioms gezielt zu nutzen und in pharmazeutischer Qualität verfügbar zu machen.
Mit Daten in die Klinik
Mit dem frischen Kapital will das Unternehmen nun den Übergang in die klinische Phase vollziehen. Im Fokus steht zunächst der Wirkstoffkandidat MBX-116, der in Kombination mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren bei fortgeschrittenem Melanom getestet werden soll. Hintergrund sind wachsende Hinweise aus der Onkologie, dass das Darmmikrobiom das Ansprechen auf Immuntherapien beeinflussen kann. Eine Phase Ib-Studie ist für 2027 geplant.
Investoren sehen das Unternehmen entsprechend an einem Wendepunkt. „Das Team hat beeindruckende Fortschritte dabei erzielt, Erkenntnisse aus der Mikrobiomforschung in einen skalierbaren therapeutischen Ansatz umzusetzen“, sagt Matthias Kromayer von MIG Capital. Nun gehe es darum, die klinische Validierung zu erreichen und die Pipeline weiter auszubauen.
Über die Onkologie hinaus adressiert mbiomics weitere Indikationen, darunter Autoimmun- und neurodegenerative Erkrankungen – allesamt Felder, in denen das Mikrobiom als relevanter Einflussfaktor diskutiert wird. Ob sich dieser Ansatz breit in der Therapie etablieren lässt, hängt jedoch wesentlich davon ab, ob die wissenschaftlichen Konzepte auch klinisch belastbar und industriell skalierbar umgesetzt werden können.

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