
Miltenyi Biotec baut Produktionskapazitäten in Köln aus
Das Biotechnologieunternehmen Miltenyi Biotec erweitert seine Produktionskapazitäten für klinische Reagenzien am Standort Köln. Dafür saniert das Unternehmen einen ehemaligen pharmazeutischen Produktions- und Verpackungskomplex grundlegend und baut ihn zu einer modernen Fertigungsstätte für klinische Anwendungen um.
Die neue Einheit firmiert unter dem Namen „Cologne Clinical Products Miltenyi Biotec“ (CPMB). Nach Angaben des Unternehmens wurde mit der Installation der prozesstechnischen Anlagen nun ein wichtiger Meilenstein erreicht. In Köln hat das Unternehmen seine historischen Wurzeln, denn dort findet sich mit der Ausgründung aus der Universität zu Köln im Jahr 1989 der Startpunkt der erfolgreichen Unternehmensgeschichte mit heute gut 5.000 Beschäftigten (hierzu ein Einblick in das Unternehmen von 2024).
Miltenyi Biotec (mit Hauptsitz im benachbarten Bergisch-Gladbach) zählt zu den etablierten Akteuren der deutschen Biotechnologiebranche und ist insbesondere im Bereich Zell- und Gentherapien aktiv. Das Unternehmen entwickelt Technologien für Zellanalytik, Diagnostik und automatisierte Produktionssysteme und gilt bei CAR-T-Zelltherapien und Krebsimmuntherapien als einer der Pioniere in Europa. Nach Unternehmensangaben werden weltweit jährlich rund 6.000 Menschen mit entsprechenden Therapien versorgt.
Nachfrage wächst, Ausbau der Produktion nötig
Mit dem Ausbau reagiert Miltenyi auf die steigende Nachfrage nach klinischen Reagenzien und Produktionskapazitäten für moderne Zelltherapien. „Wir kernsanieren und modernisieren deshalb den gesamten Gebäudekomplex in Köln, um künftig noch mehr Platz für die Produktion von klinischen Reagenzien nach höchsten Qualitätsstandards zu schaffen“, sagt Martin Meyer, Head of Clinical Production bei Miltenyi Biotec.
Die Herausforderung des Projekts liegt vor allem in der Umnutzung eines bestehenden Industriegebäudes (das sich zuvor als Gewerbebrachfläche darstellte). Anders als bei einem kompletten Neubau müssen vorhandene Strukturen an die strengen Anforderungen steriler Bioprozesse angepasst werden. Teile der Gebäudehülle, Tragwerke und Reinraumdecken bleiben erhalten, während Produktions- und Versorgungstechnik weitgehend erneuert werden.
Um- und Neubau mit Altbestand
Das auf Pharma- und Industrieprojekte spezialisierte Beratungsunternehmen Drees & Sommer SE begleitet die Transformation. „Brownfield-Projekte wie dieses fordern uns besonders heraus, weil wir bestehende Flächen so umgestalten müssen, dass sie den Anforderungen der Nachnutzung entsprechen“, erklärt Harald Gräfe von Drees & Sommer. Gleichzeitig müssten regulatorische Vorgaben der Good Manufacturing Practice (GMP) frühzeitig in Planung und Technik integriert werden.
Auf rund 12.000 Quadratmetern Nutzfläche entstehen künftig Produktionsbereiche, Reinrauminfrastruktur, Technikzentralen und Büros. Die Anlage soll vollständig digital überwacht und über ein BIM-basiertes Gebäudemodell (BIM=Building Information Modelling) gesteuert werden. Damit sollen Planungs-, Bau- und Betriebsprozesse effizient vernetzt werden. Auch energetisch setze das Projekt auf neue Konzepte. Statt zentraler Versorgungssysteme plant Miltenyi künftig den Einsatz von Hoch- und Höchsttemperatur-Wärmepumpen, die Prozesswärme und Dampf energieeffizient bereitstellen können. Ziel ist eine klimafreundlichere industrielle Produktion mit geringerem CO2-Ausstoß.
Für Miltenyi Biotec ist der Ausbau zugleich ein strategisches Signal für den Biotechnologiestandort Deutschland. „Deutschland hat die Chance, sich in den kommenden Jahren neben den Märkten USA und China als führende Biotechnologie-Nation zu positionieren“, sagt Meyer. Die Inbetriebnahme des modernisierten Standorts ist für Ende 2026 geplant.

Grafik: Fan Nan, KIT
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