
Roche investiert weiter in Basel: Grundstein für 790 Mio. Franken
Während Novartis seine kleinvolumige Biologika-Produktion im Kleinbasel bis Ende 2027 aufgeben will, baut Roche seinen Basler Hauptsitz weiter aus. 790 Mio. Franken fliessen in eine neue Anlage für synthetische Wirkstoffe. Dahinter steht mehr als ein Bekenntnis zum Standort: Forschung, Entwicklung und Produktion sollen enger zusammenrücken.
Roche setzt in Basel weiter auf Produktion – und zwar in einer Grössenordnung, die für einen Schweizer Pharmastandort bemerkenswert ist. Am Montag legte der Konzern den Grundstein für Bau 51, eine neue Anlage zur Herstellung synthetischer Wirkstoffe. Zusammen mit der Modernisierung des benachbarten Baus 50 investiert Roche rund 790 Mio. Schweizer Franken. Bis 2030 soll die «Synthetic Molecules Facility» fertiggestellt sein und rund 200 hochqualifizierte Arbeitsplätze beherbergen.
Damit entsteht am Roche-Hauptsitz mitten in Basel eine Produktionsinfrastruktur, die auf hochautomatisierte und digital vernetzte Prozesse ausgelegt ist. Künstliche Intelligenz soll ebenfalls zum Einsatz kommen. Synthetische Wirkstoffe machen nach Angaben des Konzerns bereits heute rund die Hälfte des Roche-Pharmaportfolios aus. Mit zunehmender Komplexität der Moleküle steigen auch die Anforderungen an deren Herstellung.
Für Roche ist der Neubau deshalb nicht nur eine Erneuerung bestehender Infrastruktur. Konzernchef Thomas Schinecker betonte bei der Grundsteinlegung die Nähe von Forschung, Entwicklung und Produktion. Ziel sei es, neue Medikamente schneller von der Entwicklung in die Produktion und letztlich zu den Patienten zu bringen. Standortleiter Jürg Erismann verweist zudem auf die spezifische Kompetenz, die Roche für komplexe Produktionsprozesse in Basel vorfinde.
Produktion bleibt Teil des Basler Modells
Die Entscheidung fällt in eine Zeit, in der sich die industrielle Landkarte der Basler Pharmaindustrie verändert. Besonders deutlich wird das am Beispiel des direkten Nachbarn Novartis. Der Konzern plant, die kleinvolumige Produktion von Biologika im Kleinbasel bis Ende 2027 einzustellen. Davon könnten rund 130 Arbeitsplätze betroffen sein. Andere Aktivitäten – unter anderem Labore für Zellbanken, analytische Tests und technische Entwicklung – sollen bis Ende 2028 auf den Novartis Campus verlagert werden.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Novartis Basel als Produktionsstandort vollständig aufgibt: Die kommerzielle Produktion des Konzerns in der Schweiz bleibt unter anderem in Schweizerhalle und Stein bestehen. In Basel selbst liegt der Schwerpunkt künftig noch stärker auf Forschung, Entwicklung und Innovation.
Roche setzt mit Bau 51 in seinem von den hohen Pyramiden dominierten Campus einen anderen Akzent. Der Konzern verbindet am Standort weiterhin die komplette Kette von Forschung und Entwicklung bis zur Herstellung – zumindest für einen Teil seines Portfolios. Das kann bei komplexen Wirkstoffen strategische Vorteile bieten, weil Entwicklungs- und Produktionswissen räumlich und organisatorisch eng miteinander verbunden bleiben.
790 Mio. Franken für die nächste Generation
Dabei geht es auch technisch um einen deutlichen Wandel gegenüber früheren Produktionsanlagen. Die neue Infrastruktur soll hochautomatisierte, geschlossene Prozesse mit digitaler Vernetzung und KI verbinden. Roche will damit nicht zuletzt die Skalierung komplexer synthetischer Wirkstoffe erleichtern und flexibler auf neue Produktionsanforderungen reagieren.
Der Konzern unterstreicht damit zugleich seine langfristige Bindung an den Schweizer Standort. Seit 2016 hat Roche nach eigenen Angaben rund 41 Mrd. Franken in Forschung, Entwicklung und Infrastruktur in der Schweiz investiert; mehr als 7 Mrd. Franken davon entfielen auf den Ausbau und die Modernisierung der Standorte. Aktuell laufen in Basel und Kaiseraugst Bauprojekte mit einem Volumen von rund 1,4 Mrd. Franken.
Der Wirtschaftsdirektor der Stadt Basel, Kaspar Sutter, sprach von einem Vertrauensbeweis: „Roche ist seit 130 Jahren hier bei uns in Basel. Diese Investition ist ein Zeichen des Vertrauens“. Für den Roche-CEO Dr. Thomas Schinecker war die Grundsteinlegung zugleich ein Anlass auf die Bedeutung von Pharma für die Eidgenossenschaft hinzuweisen und mehr Tempo anzumahnen. Die Vorteile, die die Schweiz derzeit noch aufweise wie gute Infrastruktur, schnelle Genehmigungen, Toptalente und auch steuerliche Anreize dürfe man nicht durch Nachlässigkeit verspielen.
Roche ist Bauen im Bestand aber auch das Neubauen gewohnt. Im März 2026 eröffnete das Unternehmen in Basel bereits das Forschungsgebäude für das Institut für Humanbiologie (IHB). Es handelte sich um eine Totalsanierung des Baus 92. Vergangenes Jahr legte Roche zudem den Grundstein für das Forschungs- und Entwicklungsgebäude Bau 12. Zudem plant das Unternehmen längerfristig ein weiteres Gebäude und eine Grünanlage. Dafür will Roche den heutigen Gebäuderiegel am Rhein grösstenteils abreissen, darunter auch das Hochhaus 52 von 1960, bei dem es Kritik des Denkmalschutzes gab. Der Grosse Rat von Basel gab jedoch vergangenes Jahr grünes Licht für den Bebauungsplan.

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