
Studienstandort Deutschland sendet positive Signale
Das Studienstandort-Barometer mehrerer Verbände zeigt: Deutschland wird für klinische Arzneimittelstudien wieder attraktiver. Der skalenumgerechnete Gesamtwert aus einer Befragung steigt deutlich auf +31. Doch Personalmangel und digitale Defizite bremsen weiterhin. Verbände fordern nun Verbesserungen im Detail, um den positiven Trend zu sichern.
Der Studienstandort Deutschland gewinnt an Attraktivität für industrieveranlasste klinische Arzneimittelstudien. Das geht aus der aktuellen Erhebung des „Studienstandort-Barometers“ hervor, die im Auftrag von BVMA, vfa und dem kürzlich zur Initiative dazugestoßenen BPI durchgeführt wurde. Demnach bewerten Pharmaunternehmen und Auftragsforschungsinstitute (CROs) die Lage deutlich positiver als noch im Sommer 2025 – und erwarten in den kommenden zwölf Monaten weiteres Wachstum.
Die „Messung“ wird nicht anhand einer konkreten Zahl an klinischen Studien durchgeführt, sondern über eine Umfrage in Punktewerte umgerechnet und auf einer Skala eingeordnet. Auf einer Skala von -100 bis +100 liegt der Gesamtwert nun bei +31. Im Juli 2025 hatte er noch bei +9 gelegen. Die aktuelle Lage wird mit +27 eingeschätzt, der erwartete Trend mit +34. Grundlage sind die gewichteten Rückmeldungen von 29 CROs und 26 Pharmaunternehmen.
Stimmungsaufhellung durch Medizinforschungsgesetz
Als ein wesentlicher Treiber gilt nach übereinstimmender Meinung der Verbände das Medizinforschungsgesetz, das unter anderem Standardvertragsklauseln und neue Regelungen im Strahlenschutz eingeführt hat. Diese Maßnahmen werden als standortstärkend bewertet.
Gleichzeitig bleiben strukturelle Defizite bestehen. Vor allem der Mangel an qualifiziertem Studienpersonal gilt als zentrales Hemmnis. Zudem bremsen unzureichende digitale Prozesse in Kliniken und Praxen die Durchführung klinischer Studien. Unklare Vorgaben, etwa zur elektronischen Einwilligung, sorgen zusätzlich für Unsicherheit.
Für die Erhebung der größten Hindernisse wurden 169 Studienzentren – darunter Universitätskliniken, andere Kliniken und Arztpraxen – befragt. Auf Basis der Ergebnisse legten die Verbände „Handlungsempfehlungen 2.0“ vor. Sie reichen vom gezielten Abbau des Fachkräftemangels über Bürokratieabbau und bessere Forschungsförderung bis hin zu einer konsequenteren Digitalisierung.
Verbände sehen noch Verbesserungsbedarf
„Es ist für Politik wie Industrie gleichermaßen erfreulich, an der Barometer-Befragung ablesen zu können, dass das Medizinforschungsgesetz den Studienstandort wirklich gestärkt hat“, sagt Dr. Matthias Meergans, Geschäftsführer Forschungspolitik des vfa. „Ich denke hier etwa an die verpflichtenden Standardvertragsklauseln und die Neuregelungen für den Strahlenschutz.“„Zugleich wird aber deutlich, welche Defizite bisher nicht politisch adressiert wurden“, so Martin Krauss vom BVMA. „So sehen sich Kliniken und Arztpraxen vor allem durch die Knappheit von Studienpersonal bei der Mitwirkung an Studien gebremst. Nötig sind mehr passende Module in den MINT-bezogenen Studien- und Ausbildungsgängen sowie attraktive Karrierepfade und Vergütungsstrukturen für das Studienpersonal!“
Und Prof. Jens Peters vom BPI betont: „Damit nicht länger fehlende digitale Prozesse die Studienaktivität begrenzen, sollte die in Praxen und Krankenhäusern eingesetzte Software zur Verwaltung der Patientenakten künftig obligatorisch auch Funktionalitäten für klinische Studien enthalten. Ein weiterer Knackpunkt: Bislang ist im Medizinforschungsgesetz beispielsweise unklar, welche Art von elektronischer Signatur für die Einwilligung zur Teilnahme an klinischen Studien erforderlich ist.“
Das Fazit von BVMA, vfa und BPI: Der Trend zeigt in die richtige Richtung, doch damit aus dem Stimmungsumschwung nachhaltiges Wachstum wird, sind weitere strukturelle Verbesserungen erforderlich.

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