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SYNAPSE Austria: Bündelung der Akteure in Wien für mehr Translation und Transfer

SYNAPSE Austria soll Wiens Forschung in Richtung Gründung und Klinik öffnen: Zehn Forschungseinrichtungen bündeln ihre Kräfte, um aus wissenschaftlichen Entdeckungen neue Therapien, Medizintechnik und Biotech-Unternehmen zu entwickeln. Die Plattform soll auch Investoren den Zugang zu Projekten erleichtern. Dahinter steht die Frage, wie Österreich seine wissenschaftliche Stärke besser in wirtschaftliche Wertschöpfung übersetzt.

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Österreichs Life-Science-Forschung bekommt eine gemeinsame Anlaufstelle für den Weg vom Labor zur Anwendung. Zehn Forschungseinrichtungen haben Ende Oktober SYNAPSE Austria vorgestellt. Die Plattform soll wissenschaftliche Kompetenzen und Infrastrukturen verknüpfen, Projekte mit Aussicht auf eine translationale Entwicklung identifizieren und Kontakte zu Industrie, Gründern und Investoren herstellen. Das Büro wird an der Medizinischen Universität Wien (MedUni Wien) angesiedelt und soll noch vor Jahresende 2026 den Betrieb aufnehmen.

Über Institutionen hinweg

Der Anspruch reicht damit über die klassische Unterstützung einzelner Ausgründungen hinaus. SYNAPSE Austria soll eine institutionenübergreifende Schnittstelle schaffen, an der sich Forschungsideen nicht nur wissenschaftlich, sondern auch hinsichtlich ihrer Entwicklungs- und Verwertungschancen beurteilen lassen. Dazu ist ein gemeinsames Netzwerk aus Mentoren, Beratern und sogenannten Entrepreneurs-in-Residence vorgesehen. Auch neue Finanzierungswege für translationale Projekte sollen in Zusammenarbeit mit Förderorganisationen erschlossen werden.

„Österreich verfügt über die wissenschaftliche Stärke, um die nächste Generation von Life-Science-Unternehmen aufzubauen“, sagt Markus Wanko, Geschäftsführer von XISTA und einer der Initiatoren. SYNAPSE Austria solle dieses Potenzial in Chancen übersetzen, die Unternehmer, Industrie und Investoren nutzen können. Vielversprechende Entdeckungen sollen dadurch einen klareren Weg bis zur Entwicklung und letztlich zum Nutzen für Patienten erhalten.

Vom Vienna BioCenter bis zur MedUni Wien

Die Gründungsmitglieder bilden einen beträchtlichen Teil der Wiener Forschungslandschaft ab und bringen dabei unterschiedliche Kompetenzen ein. Zum Kreis gehören das Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, das Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA), das Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie (IMP), das Institute of Science and Technology Austria (ISTA) sowie XISTA. Hinzu kommen die Ludwig-Boltzmann-Gesellschaft, die MedUni Wien, die Technische Universität Wien (TU Wien), die Universität für Bodenkultur (BOKU), die Universität Wien und die Veterinärmedizinische Universität Wien.

Gerade diese Mischung ist für das Vorhaben relevant. Die molekularbiologisch ausgerichteten Institute am Vienna BioCenter (IMBA und IMP), die klinische Expertise der MedUni Wien sowie die technischen Kompetenzen der TU Wien und der BOKU decken unterschiedliche Abschnitte der Innovationskette ab. Das ISTA in Klosterneuburg erweitert den Verbund um einen international ausgerichteten Forschungsstandort mit interdisziplinärer Ausrichtung weit über die Life Sciences hinaus außerhalb des Wiener Stadtgebiets. Die veterinärmedizinische Forschung wiederum kann für Fragestellungen an der Schnittstelle von Tier- und Humanmedizin wichtig sein.

SYNAPSE Austria soll solche Verbindungen systematischer nutzbar machen. Forscher sollen leichter erkennen können, welche Expertise oder Infrastruktur außerhalb der eigenen Einrichtung für ein Projekt benötigt wird. Für Unternehmen und Kapitalgeber soll umgekehrt der Zugang zu relevanten Forschungsansätzen übersichtlicher werden.

Die Plattform ersetzt dabei ausdrücklich nicht die vorhandenen Technologietransferstellen. Sie soll deren Arbeit ergänzen und die bislang über mehrere Organisationen verteilten Kontakte und Kompetenzen zusammenführen. Wie Zuständigkeiten, Auswahlprozesse und die Zusammenarbeit mit den bestehenden Transferstellen im Alltag organisiert werden, muss sich allerdings erst zeigen. Doch der Wille, etwas Gemeinsames zu schaffen, das die Enge der eigenen Profilierung überwindet, ist ein vielversprechender Anfang.

Ein Ökosystem mit wachsender Transferinfrastruktur

Dass SYNAPSE Austria in Wien entsteht, ist kein Zufall. Der Standort verfügt über eine breite Forschungsbasis und eine wirtschaftlich bedeutende Life-Science-Industrie. Laut dem Vienna Life Science Report 2024/25 zählt die Stadt 754 Life-Science-Organisationen mit mehr als 49.000 Beschäftigten. Der Branchenumsatz lag 2023 bei 22,7 Mrd. Euro; 83 neue Life-Science-Unternehmen wurden zwischen 2020 und 2023 gegründet. Mehr als die Hälfte des österreichischen Life-Science-Sektors entfällt auf Wien.

Auch die Strukturen für den Transfer von Forschung in Unternehmen werden seit Jahren ausgebaut. Eine wichtige Rolle spielt dabei XISTA, das eng mit dem ISTA in Klosterneuburg verbunden ist. Neben der Unterstützung von Gründern und dem Aufbau wissenschaftsbasierter Unternehmen betreibt das Netzwerk das Unternehmerprogramm xbio für Lebenswissenschaftler. Es vermittelt unter anderem Kenntnisse zu Geschäftsmodellen, geistigem Eigentum, Regulierung und Finanzierung. SYNAPSE Austria knüpft damit an bereits bestehende Erfahrungen mit institutionsübergreifender Gründungsförderung an, will die Zusammenarbeit aber auf eine breitere institutionelle Basis stellen.

Gebrüder Bronstein: Viel KI-Expertise in Wien

Gut etabliert hat sich in Klosterneuburg die BigX, die für die Community zum jährlichen Treffpunkt geworden ist, selbst wenn die Anfahrt aus dem Stadtzentrum etwas dauert. Dort trifft exzellente Wissenschaft auf ein aufnahmebereites Publikum, das schnell mit dem Ökosystem der Hauptstadt verbindet und damit den Satelliten ISTA in ständiger Verbindung zur „Bodenstation“ in Wien hält. Auch dort gibt es regelmäßig Neuerungen und aus den klugen Köpfen der Forschungsleiter sprudelnde Visionen und Schritte in neue Felder.

Kürzlich startete Professor Alex Bronstein die Initiative XISTA Foundry zur Stärkung von Ausgründung und Technologietransfer. XISTA Foundry ist eine Innovationsplattform von XISTA, der Technologietransfer- und Venture-Capital-Sparte des Institute of Science and Technology Austria. Die im Rahmen der BigX vorgestellte Initiative schlägt eine Brücke zwischen akademischer Grundlagenforschung und der wirtschaftlichen Praxis. Dabei ist die wirtschaftliche Ausgangslage durchaus beachtlich. XISTA verweist für sein Life-Science-Netzwerk auf 18 Unternehmen, 21 Mio. Euro eigene Investitionen sowie weitere 70 Mio. Euro, die andere Fonds investiert haben. Das zeigt, dass in Österreich bereits Instrumente zur Finanzierung und Entwicklung wissenschaftsbasierter Unternehmen existieren. Die neue Plattform soll solche Aktivitäten nicht ersetzen, sondern den Zugang zu geeigneten Projekten und Partnern verbessern. Nicht ohne Grund lautete in diesem Jahr daher das BigX-Motto „Found in Translation“, um gegenüber dem häufigeren Klagelied des „Lost in Translation“ einen Kontrapunkt zu setzen.

Dass sein Zwillingsbruder Professor Michael Bronstein ebenfalls im Jahr 2024 in Wien ansiedelte und die Leitung des neuen KI-Medizin-Instituts AITHYRA übernommen hat – beide sind ausgewiesene MLL-Experten der Mustererkennung –, macht zudem deutlich, dass Künstliche Intelligenz als verbindendes Werkzeug für neue Herangehensweisen in der Medizin in Wien zur Strategie gehört.

Der Engpass zwischen Forschung und Markt

Dennoch sind Translation und Techtransfer noch eine Herausforderung. Der Aufbau einer gemeinsamen Plattform trifft einen Punkt, der in Österreich über die Life Sciences hinaus diskutiert wird. Der österreichische Rat für Wissenschaft, Technologie und Innovation (FORWIT) diagnostizierte Anfang 2026 strukturelle Schwächen beim Transfer von Forschung in wirtschaftlich erfolgreiche Produkte. Dazu zählen eine zu späte Berücksichtigung konkreter Marktbedürfnisse, langwierige Entscheidungs- und Finanzierungsprozesse sowie fehlendes langfristig verfügbares Eigenkapital für spätere Entwicklungsphasen und die Skalierung.

Gerade in der Biotechnologie ist das relevant: Zwischen einer wissenschaftlich überzeugenden Entdeckung und einem marktfähigen Medikament liegen oft Jahre der präklinischen Entwicklung, klinische Studien, regulatorische Anforderungen und erheblicher Kapitalbedarf. Eine zentrale Anlaufstelle kann helfen, passende Kompetenzen und Geldgeber früher zusammenzubringen. Sie kann aber weder den Entwicklungsaufwand noch das Risiko einer Wirkstoffentwicklung beseitigen.

„SYNAPSE Austria vereint wissenschaftliche Exzellenz, klinisches Fachwissen und das gemeinsame Bestreben von zehn Forschungseinrichtungen“, sagt Michaela Fritz, Vizerektorin für Forschung und Innovation an der MedUni Wien. Durch die Bündelung dieser Stärken sollen vielversprechende Entdeckungen die nächsten Schritte hin zu neuen Therapien und Medizintechnologien gehen können.

Zunächst konzentriert sich SYNAPSE Austria auf Einrichtungen im Raum Wien. Eine spätere Ausweitung auf weitere österreichische Standorte ist ausdrücklich vorgesehen. Damit könnte die Plattform mittelfristig auch Verbindungen zu anderen regionalen Life-Science-Zentren stärken. Dass eine gute Verbindung zur Pharmaindustrie besteht, zeigt etwa Boehringer Ingelheim Austria als ein generöser Sponsor für angewandte Forschung wie im von diesem Unternehmen geförderten IMP, aber auch der kräftigen Unterstützung des neuen AITHYRA-Instituts. Man darf gespannt sein, ob das Ökosystem der Start-ups nun einen spürbaren Schub erhält.

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