Mit dem neuen BioHub in Ludwigshafen setzt die BASF stärker auf industrielle Biotechnologie: Mikroorganismen produzieren dort künftig biologische Pflanzenschutzmittel und Wirkstoffvorstufen auf Basis nachwachsender Rohstoffe. Nun wurde die Anlage eröffnet. In China allerdings hat BASF einen ganzen Zwilling seines Stammwerkes errichtet und stößt damit in ganz andere Dimensionen vor.

Zeitlich und thematisch sehr passend zur Strategie der Bundesregierung, die gerade mit ihrer Roadmap für Biotechnologie für viel Diskussionen in der Community sorgt, eröffnet der Sartoriuskonzern ein Kompetenzzentrum für Zell- und Gentherapie-Materialien in Freiburg. Das Thema ist auch der große Schwerpunkt der Berliner Roadmap, allerdings mit großem Schwerpunkt in Berlin selbst. Sartorius zeigt damit, dass es auch noch andere Standorte und Regionen in diesem Bereich gibt und lenkt ein wenig ab von Gerüchten über eine Firmenbeteiligung, die gerade den Kurs nach oben treiben.

Die Bundesregierung hat die Biotechnologie-Roadmap der Hightech-Agenda Deutschland vorgestellt. Ziele sind unter anderem individualisierte mRNA-Krebstherapien und neue Zentren für Zell- und Gentherapien. Insgesamt wird auf die Zell- und Gentherapie ein großer Schwerpunkt in der Roadmap gelegt bis hin zur Ausbildung von GMP-Fachkräften. Der Branchenverband BIO Deutschland begrüßt die Strategie grundsätzlich, fordert aber klarere Finanzierungs- und Umsetzungspläne für Forschung, Start-ups und Investitionen.

Das kanadische KI-Unternehmen Cohere baut seine Aktivitäten im Gesundheits- und Life-Science-Sektor aus und übernimmt den Biopharma-KI-Spezialisten Reliant AI. Mit der Akquisition sichert sich Cohere nicht nur ein auf biomedizinische Anwendungen spezialisiertes Forschungsteam, sondern auch proprietäre Datensätze und KI-Technologien für pharmazeutische Anwendungen. Finanzielle Details wurden nicht bekannt.

Das Biotechnologieunternehmen Miltenyi Biotec erweitert seine Produktionskapazitäten für klinische Reagenzien am Standort Köln. Dafür saniert das Unternehmen einen ehemaligen pharmazeutischen Produktions- und Verpackungskomplex grundlegend und baut ihn zu einer modernen Fertigungsstätte für klinische Anwendungen um.

Endlich im industriellen Maßstab: Das Hamburger Bioökonomie-Scale-up traceless materials GmbH hat in Hamburg-Harburg seine erste industrielle Produktionsanlage eröffnet und erreicht damit einen wichtigen Skalierungsschritt. In der neuen Anlage werden pflanzliche Reststoffe zu einem naturbasierten Kunststoffersatz verarbeitet, der erdölbasierte Kunststoffe in ausgewählten Anwendungen ersetzen soll. Die Produktionskapazität liegt bei rund 3.000 Tonnen pro Jahr, erste Industriekunden wie Mondi, OTTO und Biesterfeld sind bereits angebunden. In die Produktionsanlage wurden über 20 Millionen Euro investiert, was zu einem Viertel durch Bundesmittel gefördert wurde.

Mit dem Baustart für einen neuen Produktionsstandort in Saarlouis investiert Vetter fast eine halbe Milliarde Euro in zusätzliche Kapazitäten für injizierbare Medikamente. Das Projekt gilt zugleich als wichtiges Signal für den industriellen Strukturwandel im Saarland.

Mit einem neuen Immunologie-Deal baut Boehringer Ingelheim seine Präsenz im boomenden Feld zellselektiver Autoimmuntherapien aus. Die Rechte an einem präklinischen Antikörper von Immunitas Therapeutics könnten bis zu 407,5 Mio. Euro kosten. Der Deal zeigt, wie stark der Wettbewerb um neuartige Entzündungsansätze gerade Fahrt aufnimmt.

Die Hamburger Evotec SE platziert eine Anleihe über 116 Mio. Euro nach eigenen Angaben erfolgreich. Ursprünglich waren 125 Mio. Euro angepeilt, doch die Verkleinerung des Volumens ist nicht das, was die Aktionäre umtreibt. Dort werden keine Investitionen in das laufende Restrukturierungsprogramm „Horizon“ begrüßt, sondern man wäre froh, wenn inhaltliche Fortschritte und neue Partnerschaften verkündet werden würden. Mit dem Knalleffekt der Milliardenfinanzierung von Isomorphic sollte man an der Elbe deutlich aufgewacht sein, oder ist man längst in Sachen KI-Anwendung unterwegs?

Die Schließungen in Marburg und Tübingen zeigen, dass die große Impfstoff-Euphorie der Pandemiezeit wirtschaftlich nicht dauerhaft tragfähig war. Gleichzeitig wird aber deutlich, dass der Bedarf an flexiblen Innovationsflächen für junge Biotech-Unternehmen weiter steigt. Die Frage ist zunehmend nicht mehr, ob Deutschland Life Sciences fördern will, sondern welche Art von Infrastruktur künftig tatsächlich gebraucht wird. In Köln, Leipzig und Freiburg (und anderswo) baut man entsprechend Laborflächen aus, nordöstlich von Berlin hat man sich nun dagegen entschieden. Die Flächen könnten für ein Feuerwehrgebäude gebraucht werden …