
Labor- und Diagnostikbranche: keine Wachstumsimpulse
Die wirtschaftliche Entwicklung der Branche bleibt verhalten. So erreichte der deutsche Markt für In-vitro-Diagnostik (IVD) im Jahr 2025 ein Volumen von 2,38 Mrd. Euro. Dies entspricht einem Rückgang von 0,8 Prozent. Auch der Bereich Life Science Research (LSR, Abbildung) verzeichnete mit einem Umsatz von 3,81 Mrd. Euro einen leichten Rückgang um 0,5 Prozent.
Die Diagnostikindustrie in Deutschland tritt wirtschaftlich auf der Stelle – und sieht sich zugleich mit wachsendem regulatorischem Druck konfrontiert. Darauf weist der Verband der Diagnostica-Industrie (VDGH) in einer aktuellen Bestandsaufnahme hin und verbindet diese mit klaren Forderungen an Politik und Regulierung.
Schwache Marktdaten, gedrückte Stimmung
Die Zahlen zeichnen ein verhaltenes Bild: Der Markt für In-vitro-Diagnostik (IVD) lag 2025 bei 2,38 Mrd. Euro, ein Minus von 0,8 Prozent. Auch der Bereich Life Science Research gab leicht nach und erreichte 3,81 Mrd. Euro (-0,5 Prozent). Parallel dazu habe sich die Stimmung in den Unternehmen „deutlich eingetrübt“, heißt es aus dem Verband. Wachstumsimpulse und Beschäftigungsaufbau blieben aus, während der Blick vieler Firmen zunehmend ins Ausland gehe.
„Der Standort Deutschland steht für die Diagnostikindustrie an einem Scheideweg“, warnt VDGH-Vorsitzender Peter Schüßler. „Während andere Regionen an Dynamik gewinnen, sehen sich die Testhersteller hierzulande mit immer weiteren Belastungen konfrontiert.“
Reformen setzen die Branche unter Druck
Als zentrale Belastungsfaktoren nennt der Verband jüngste gesundheitspolitische Eingriffe. Die Laborreform im EBM (Einheitlicher Bewertungsmaßstab) habe bereits zu spürbaren Vergütungsabsenkungen geführt. Zusätzliche Kritik richtet sich gegen geplante Maßnahmen wie das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, das weitere Kürzungen vorsieht, sowie gegen Überlegungen, bislang ausgenommene Leistungen wie Früherkennung oder Impfungen zu budgetieren. Aus Sicht der Branche sendet dies widersprüchliche Signale – gerade in Bereichen, die gesundheitspolitisch eigentlich gestärkt werden sollen.
Bürokratieabbau als Schlüsselthema
Vor diesem Hintergrund begrüßt der VDGH zwar politische Initiativen wie den Pharma- und Medizintechnikdialog der Bundesregierung, sieht aber vor allem beim Thema Regulierung Handlungsbedarf. „Bürokratieabbau ist möglich, ohne die Patientensicherheit zu gefährden“, betont Schüßler mit Blick auf die geplante Überarbeitung der europäischen IVD-Verordnung. Entscheidend sei nun, dass EU-Rat und -Parlament zügig zu Entscheidungen kommen.
Auch auf nationaler Ebene plädiert der Verband für Kontinuität im Dialog zwischen Politik und Industrie. Der ressortübergreifende Austausch sei „ein großer Gewinn für alle Seiten“.
Diagnostik als Hebel für Reformen
Gleichzeitig unterstreicht der VDGH die Rolle diagnostischer Verfahren für die Weiterentwicklung der Versorgung. Point-of-Care-Tests könnten etwa in Notaufnahmen und im Rettungsdienst helfen, Patientenströme effizienter zu steuern. Auch in Apotheken oder Pflegeeinrichtungen ließen sich durch niedrigschwellige Testangebote Prävention und Früherkennung stärken.
Hinzu kommt die wachsende Bedeutung digitaler Technologien: Eine frühzeitige und präzise Labordiagnostik sei entscheidend für Therapieentscheidungen und Versorgungsabläufe und damit auch für die Ausgestaltung künftiger Primärversorgungssysteme. Der Verband spricht sich daher dafür aus, auch KI-basierte Diagnostik und digitale Anwendungen stärker einzubeziehen.
Unterm Strich zeigt sich eine Branche zwischen wachsender Bedeutung im Gesundheitssystem und zunehmend schwierigen Rahmenbedingungen – und damit genau an jenem „Scheideweg“, den der Verband selbst beschreibt.

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