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Fresenius startet Corporate-VC-Fonds mit 200 Mio. Euro für Healthcare-Innovationen

Mit einem neuen Corporate-Venture-Capital-Fonds steigt Fresenius systematisch in die Finanzierung junger Gesundheitsunternehmen ein. Über die kommenden fünf Jahre sollen mindestens 200 Mio. Euro in Start-ups und Wachstumsunternehmen investiert werden.

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Mit einem neuen Corporate-Venture-Capital-Fonds positioniert sich Fresenius als einer der kapitalstärksten strategischen Investoren im deutschen Healthcare-Sektor in der Finanzierung junger Gesundheitsunternehmen. Über die kommenden fünf Jahre sollen mindestens 200 Mio. Euro in Start-ups und Wachstumsunternehmen investiert werden.

Fresenius Ventures soll Unternehmen finanzieren, deren Technologien an die drei strategischen Plattformen des Konzerns anschließen: (Bio-)Pharma, Medizintechnik und Gesundheitsversorgung. Der Fonds will sich an Finanzierungsrunden von der frühen Wachstumsphase bis hin zu späteren Expansionsrunden beteiligen. Als Suchfelder nennt Fresenius unter anderem Präzisionsernährung, Mikrobiom-basierte Therapien, neuartige Behandlungsmethoden sowie digitale Gesundheitslösungen.

Von Food über Mikrobiom bis Digital Health

„Fresenius Ventures ist ein strategisches Instrument von #FutureFresenius“, erklärte Vorstandsvorsitzender Michael Sen. Ziel sei es, frühzeitig Zugang zu neuen Technologien, Geschäftsmodellen und unternehmerischen Talenten zu erhalten und gleichzeitig angrenzende Wachstumsfelder für den Konzern zu erschließen.

Die Leitung übernimmt Dr. Thomas Michael Thestrup, der vom italienischen Corporate-Investor Angelini Ventures zu Fresenius wechselt. Der promovierte Neurobiologe verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung im Venture-Capital- und Business-Development-Umfeld. Stationen waren unter anderem Angelini Ventures, Lundbeck, UCB und Sunstone Capital. Begonnen hatte der Däne im Innovationszentrum Dänemarks, einem internationalen Brückenkopf in unterschiedliche nationale Innovationsstandorte. Nach Angaben des Unternehmens soll Fresenius Ventures Gründern neben Kapital auch regulatorisches Know-how sowie Zugang zu klinischen, wissenschaftlichen und akademischen Netzwerken bieten.

Corporate Venture Capital gewinnt an Bedeutung

Mit dem neuen Fonds reiht sich Fresenius in eine wachsende Gruppe deutscher Healthcare-Unternehmen ein, die Corporate Venture Capital als strategisches Innovationsinstrument nutzen. Während klassische Venture-Capital-Fonds in den vergangenen Jahren zurückhaltender investierten, bauen viele Industrieunternehmen ihre direkten Beteiligungsaktivitäten aus, um frühzeitig Zugang zu neuen Technologien zu erhalten.

Zu den aktivsten Corporate-Investoren zählt Merck KGaA mit M Ventures. Der Fonds verwaltet inzwischen mehrere hundert Millionen Euro und investiert weltweit in Biotechnologie, Life Sciences, Elektronik und nachhaltige Technologien. Auch Boehringer Ingelheim engagiert sich mit dem Boehringer Ingelheim Venture Fund (BIVF), der seit 2010 in innovative Plattformtechnologien, neue Therapeutika und digitale Gesundheitslösungen investiert und ein Fondsvolumen von mehreren hundert Millionen Euro aufgebaut hat.

Evonik Ventures verfolgt dagegen einen breiteren Chemie- und Life-Science-Ansatz und investiert regelmäßig in Biotech-, Diagnostik- und Plattformunternehmen. Bayer hatte seine Venture-Aktivitäten in den vergangenen Jahren ebenfalls deutlich ausgebaut und zählt mit Leaps by Bayer zu den international sichtbarsten Corporate-VC-Einheiten. Der Fonds verfolgt allerdings einen globalen Deep-Tech-Ansatz und investiert neben Biotechnologie auch in Bereiche wie Agrartechnologie oder Quantencomputing.

Investitionen als strategische Beteiligung

Im Vergleich dazu ist Fresenius Ventures stärker auf die unmittelbaren Wachstumsfelder des eigenen Gesundheitsgeschäfts ausgerichtet. Mit einem zugesagten Investitionsvolumen von mindestens 200 Mio. Euro gehört der neue Fonds jedoch bereits zum oberen Mittelfeld europäischer Corporate-VC-Initiativen im Gesundheitsbereich und dürfte insbesondere für europäische Scale-ups ein relevanter neuer Finanzierungspartner werden.

Für die deutsche Healthcare-Start-up-Szene ist dies ein positives Signal. Neben klassischen Finanzinvestoren stehen damit zunehmend strategische Kapitalgeber bereit, die neben Finanzierung auch Zugang zu klinischer Entwicklung, regulatorischer Expertise und internationalen Vermarktungsstrukturen bieten – Faktoren, die gerade in kapitalintensiven Bereichen wie MedTech, Biopharma oder digitalen Gesundheitslösungen entscheidend sein können.

Auf europäischer Ebene hatte der französische Pharmakonzern Servier zum Jahresanfang 2026 seinen Einstieg in das Corporate-Venture-Geschäft bekannt gemacht. Mit der Gründung von Servier Ventures legte das Unternehmen erstmalig einen vollständig eigenen strategischen Beteiligungsfonds mit einem Volumen von zunächst 200 Mio. Euro auf. Auch hier ist das erklärte Ziel, sich frühzeitig Zugang zu innovativen Technologien und Wirkansätzen zu sichern – vor allem in den Kernfeldern Onkologie und Neurologie. Auch Servier war damit eher ein Nachzügler und folgte einem Weg, den die meisten großen Pharmaunternehmen bereits seit Jahren eingeschlagen haben: Nahezu alle internationalen Konzerne verfügen heute über eigene Venture-Arme oder strategische Beteiligungseinheiten, um Innovationen außerhalb der eigenen Labore frühzeitig zu identifizieren, zu finanzieren und strategisch zu begleiten. Servier will dabei bewusst über Frankreich hinaus investieren, auch bei Fresenius sind dem neuen Fonds wohl keine Landesgrenzen gesetzt. In Europa übernehmen mehr und mehr die strategischen Investoren gegenüber allgemeinen „Kapitalsammelstellen“.

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