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LNP-Delivery im Fokus: T-CURX übernimmt Pantherna

T-CURX übernimmt Pantherna: beginnt damit ein neuer Wettlauf um die nächste Generation der CAR-T-Therapien? Das Würzburger und Münchner CAR-T-Unternehmen T-CURX übernimmt das Berliner mRNA- und LNP-Unternehmen Pantherna Therapeutics. Finanzielle Details der Transaktion wurden nicht bekannt gegeben. Pantherna soll als hundertprozentige Tochtergesellschaft in Hennigsdorf weitergeführt werden.

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Bei diesem Firmenzusammenschluss muss man nicht hochinvestigativ hinter dem Finanzvolumen herlaufen und versuchen herauszufinden, in welcher Größenordnung das eigentlich eingeordnet werden kann. Denn darum geht es hierbei nicht. Auf den ersten Blick mag die Übernahme wie ein vergleichsweise kleiner Zusammenschluss zweier kleinerer deutscher Biotechfirmen wirken und der geneigte Leser geht zur Tagesordnung über. Dahinter steht jedoch ein strategischer Trend, der die Zelltherapiebranche derzeit intensiv beschäftigt: die Entwicklung sogenannter In-vivo-CAR-T-Therapien.

Das Versprechen der In-vivo-Zelltherapie

Klassische CAR-T-Behandlungen erfordern bislang eine aufwendige Herstellung außerhalb des Körpers. T-Zellen werden Patienten entnommen, gentechnisch verändert und anschließend wieder infundiert. Dieses Verfahren hat zwar beeindruckende Erfolge bei bestimmten Blutkrebserkrankungen erzielt, bleibt jedoch teuer, komplex und auf spezialisierte Zentren beschränkt. In der nationalen Strategie für Gen- und Zelltherapie ist daher die effizienter Herstellung und das Abschmelzen der Produktionskosten ein zentraler Schwerpunkt.

Doch was, wenn es viel einfacher ginge, und der Patient seine Zelltherapie selbst herstellt? Die Hoffnung vieler Entwickler richtet sich deshalb auf In-vivo-Ansätze. Dabei sollen die genetischen Bauanleitungen für CAR-T-Zellen direkt in den Körper eingebracht werden, sodass die Umprogrammierung der Immunzellen erst im Patienten erfolgt. Gelingt dies, könnten Herstellungskosten sinken und Zelltherapien deutlich breiter verfügbar werden.

Genau hier ergänzen sich die Technologien beider Unternehmen. T-CURX verfügt über eine nicht-virale CAR-T-Plattform auf Basis von Transposons, die bereits klinisch erprobt wird. Pantherna bringt Expertise bei mRNA-Design und Lipidnanopartikeln (LNP) ein – also jener Technologieklasse, die durch die COVID-19-Impfstoffe von BioNTech und Moderna weltbekannt wurde.

Das Software-Update muss exakt ausgeliefert werden

Was bei einem Computer wundersamerweise global bis zum einzelnen Nutzer zu gelingen scheint, ist bei einem menschlichen Organismus noch immer die große Herausforderung: wie gelingt der Transfer eines genetischen Programmupdates in die gewünschte Zelle, und nur in diese? Die zentrale Herausforderung besteht also darin, die genetische Nutzlasten gezielt in die gewünschten Immunzellen zu transportieren. Während LNP-Systeme bei der Verabreichung von mRNA inzwischen klinisch etabliert sind, gilt die gezielte Ansprache von T-Zellen weiterhin als eine der größten technischen Hürden des Feldes. Die Übernahme soll beide Kompetenzen unter einem Dach zusammenführen.

Der Schritt folgt einer bereits bestehenden Forschungskooperation. Nach Angaben der Unternehmen konnten die kombinierten Technologien präklinisch validiert werden. Nun soll die Entwicklung klinischer Programme beschleunigt werden.

Ob sich daraus tatsächlich ein Wettbewerbsvorteil ergibt, bleibt abzuwarten. International verfolgen zahlreiche Unternehmen ähnliche Strategien. Vor allem in den USA investieren Biotechfirmen und Pharmakonzerne erhebliche Summen in In-vivo-CAR-T-Technologien. Auch in China entstehen zunehmend Programme, die Zelltherapie mit mRNA-, Nanopartikel- oder Geneditierungsplattformen kombinieren. Ein Branchenmagazin aus den USA meldete kürzlich sogar, dass es nun einfach keine In-vivo-CAR-T-Unternehmen mehr gäbe, da alle aufgekauft worden seien.

Drug Delivery wird werthaltiger – nein, entscheidend

Auffällig ist allerdings, dass bislang nur wenige Unternehmen sämtliche Schlüsseltechnologien selbst kontrollieren. Häufig werden CAR-T-Plattformen, Vektortechnologien und Wirkstofftransport über Kooperationen zusammengeführt. Vor diesem Hintergrund erscheint die Übernahme weniger als klassische Expansion denn als Versuch vertikaler Integration: T-CURX möchte die zentralen Bausteine einer potenziellen In-vivo-CAR-T-Plattform in einer Organisation bündeln. Damit wird sich auch die Frage stellen, welche Komponente einer solchen ganzheitlicheren Zelltherapiefirma denn die wirklich entscheidende ist? Ist eventuell der zielgerichtete Transport, das Einbringen der neuen Geninformation der entscheidende Schlüssel und die Analyse des „Softwarefehlers“ und die Herstellung des sepziellen Updates bald Allgemeinwissen?

Ob dies tatsächlich der Weg ist, den die Branche benötigt, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Der Bedarf ist jedenfalls offensichtlich. Nach zwei Jahrzehnten CAR-T-Entwicklung suchen viele Unternehmen nach Möglichkeiten, die Therapie von einem hochindividualisierten Verfahren zu einer breiter einsetzbaren Arzneimittelplattform weiterzuentwickeln. Die Verbindung von Zelltherapie und LNP-Technologie gilt dabei als einer der aussichtsreichsten Ansätze.

Der Zusammenschluss zeigt wie zentral die Frage der Verabreichung geworden ist. Viele Branchenbeobachter gehen inzwischen davon aus, dass der Engpass bei den nächsten Generationen von Gen- und Zelltherapien nicht mehr primär die biologische Idee ist, sondern die Fähigkeit, die genetische Information zuverlässig an und in die richtigen Zellen zu bringen.

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