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Neuer Ärger in Mainz: Aktionär Förtsch will mehr Klarheit über Sahin Start-up

Bei BioNTech rücken Fragen zum geplanten neuen mRNA-Unternehmen der einstigen Gründer in den Fokus, beziehungsweise sie werden vielleicht auch nicht ganz ohne Eigeninteresse auf die offene Bühne gezerrt. Der geplante Umbau bei BioNTech hat einen medial sehr präsenten Aktionär auf den Plan gerufen. Bernd Förtsch, Gründer der Börsenmedien AG (unter anderem "Der Aktionär") und langjähriger Aktionär des Unternehmens, hat dem Aufsichtsrat einen umfangreichen Fragenkatalog zum angekündigten Start-up des scheidenden Gründerehepaars mit der möglichen Übertragung oder Lizenzierung zentraler mRNA-Technologien vorgelegt und prüft nach eigenen Angaben mögliche rechtliche Schritte. In Mainz gibt man sich bedeckt und betont, dass man die Fragen bereits beantwortet habe.

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Hintergrund ist die am 10. März 2026 bekanntgegebene Entscheidung der Gründer ein neues Unternehmen rings um die mRNA-Technologien aufzubauen und dafür eventuell verbundene Rechte des Inhabers BioNTech in der neuen Gesellschaft einzulizenzieren oder zu übernehmen. Dieses Start-up soll künftig von den BioNTech-Mitgründern Ugur Sahin und Özlem Türeci geführt werden, die nach dem Auslaufen ihrer Verträge ihre operativen Funktionen bei BioNTech verlassen wollen. Das Mainzer Unternehmen soll im Gegenzug eine Minderheitsbeteiligung sowie potenzielle Meilenstein- und Lizenzzahlungen erhalten.

Förtsch sieht insbesondere Fragen der Corporate Governance berührt. Aus seiner Sicht bedarf die Übertragung von Know-how, geistigem Eigentum und möglicherweise auch Personal einer transparenten Begründung gegenüber den Aktionären. Während das Unternehmen betont, dass geistige Eigentumsrechte wie Patente, Marken, Technologieplattformen Vermögenswerte der BioNTech-Gruppe seien, erklärt das Mainzer Unternehmen zugleich, dass die Gespräche zwischen BioNTech und dem geplanten neuen Unternehmen, das von Ugur Sahin und Özlem Türeci gegründet werden soll, noch andauern. Da diese Verhandlungen noch nicht abgeschlossen seien, könne BioNTech zum jetzigen Zeitpunkt zu spezifischen Fragen keine Stellung nehmen.

Auch in anderen Medien waren vor einigen Tagen erste Spekulationen über die Inhalte des Trennungs-Deals kolportiert worden. Wie stichhaltig all diese Gerüchte und Hinweise von vermeintlichen Branchenkennern oder den bekannten „mit dem Verfahren eng verbundenen Personen“ wirklich sind, wird erst das öffentliche Dokument der Vereinbarung zeigen. BioNTech betont dazu auch, dass alle relevanten Gremien einbezogen seien und die Verhandlungen die üblichen Genehmigungs- und Kontrollmechanismen passieren müssten. Die Bewertung solle auf dem „Arm´s lenght“-Prinzip beruhen, das der Fairness, Transparenz und der Vermeidung von Interessenkonflikten dient.

Vor diesem Hintergrund wird das geplante Spin-off von Beobachtern auch als Teil der strategischen Neuausrichtung des Unternehmens interpretiert, das über eine weitfortgeschrittene klinische Pipeline in der Onkologie verfügt, die nach den möglichen Zulassungen das gesamte Unternehmen sehr viel stärker von der Forschung auf die Kommerzialisierung transformieren dürfte. Ein verbindliches Abkommen zwischen BioNTech und der neuen Gesellschaft sollte nach Unternehmensangaben ursprünglich bis Ende Juni unterzeichnet werden, dieser Termin war in der aktuellen Hauptversammlung jedoch nicht mehr explizit erwähnt worden.

Kurs- oder Mediendebatte zur Kurs-/Auflagensteigerung?

Die Debatte fällt in eine Phase tiefgreifender Veränderungen bei BioNTech. Nach den außergewöhnlichen Erlösen aus dem COVID-19-Impfstoffgeschäft ist der Umsatz des Unternehmens von rund 17,3 Mrd. Euro im Jahr 2022 auf knapp 2,9 Mrd. Euro im Jahr 2025 zurückgegangen. Für 2026 erwartet BioNTech Erlöse zwischen 2 Mrd. und 2,3 Mrd. Euro. Parallel dazu hat das Unternehmen angekündigt, seine Produktions- und Standortstruktur anzupassen. Betroffen sind unter anderem die Standorte Idar-Oberstein, Marburg, Tübingen und Singapur. Die Herstellung von COVID-19-Impfstoffen in Deutschland soll künftig von Pfizer übernommen werden.

Nun kommt bei einigen Medien m-RNA-Konkurrent Moderna wieder ins Spiel. Dort bestehe ein Interesse an den von BioNTech aufgegebenen Standorten, wenn denn die Bundesregierung auch bereit wäre, einige Garantien zu ihrer Auslastung zu geben. Im Zuge der Pandemie-Prepardness hat der Bund bereits an diverse Unternehmen und damit ihre Produktionsstandorte für die Vorhaltung von Produktionskapazitäten Millionen ausgezahlt und in Aussicht gestellt – als eine Art Dauerbestellung. Dazu gehören BioNTech und Wacker oft im Verbund mit weiteren Partnern.

Ausstieg der Gründer für viele nachvollziehbar

Analysten bewerten die Veränderungen differenziert. Daina Graybosch von Leerink Partners bezeichnete den geplanten Rückzug der Gründer aus dem operativen Geschäft als nachvollziehbaren Schritt für ein Unternehmen, das sich auf mehrere mögliche Produkteinführungen vorbereitet. Gleichzeitig verwies sie auf die Unsicherheit, die ein Führungswechsel in einer Phase erzeugen könne, in der BioNTech den Wert seiner Onkologie-Pipeline unter Beweis stellen müsse.

Tatsächlich hängt die künftige Entwicklung des Unternehmens zunehmend vom Fortschritt seiner Krebsprogramme ab. BioNTech plant nach eigenen Angaben bis Ende 2026 insgesamt 15 laufende Phase III-Studien und erwartet weitere klinische Daten aus verschiedenen Tumorindikationen. Finanziell bleibt das Unternehmen mit rund 16,8 Mrd. Euro an liquiden Mitteln und Wertpapieren zum Ende des ersten Quartals 2026 solide ausgestattet.

Für Investoren müsste daher eigentlich die erste Frage lauten, ob BioNTech den Übergang zu einem breit aufgestellten Onkologie-Unternehmen erfolgreich gestalten kann. Die Auslizenzierung der mRNA-Technologie zu welcher Bewertung auch immer, ist eigentlich nicht (mehr) der stärkste Werttreiber. Dass man als börsennotiertes Unternehmen solche Assets jedoch nicht verschenken kann, ist allen Beteiligten in Mainz sehr bewusst. Die für die nächsten Monate erwarteten Vereinbarungen könnten hierzu erste Antworten liefern.

Vielleicht haben die Medien dann auch längst ein anderes Thema für den Sommer gefunden.

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