
BioNTech bringt mRNA gegen Tuberkulose in Stellung
Forscher von BioNTech und Partnern berichten in Nature Immunology über zwei mRNA-basierte Tuberkulose-Impfstoffkandidaten, die in Tiermodellen starke Immunantworten auslösten und die bakterielle Last nach einer Infektion deutlich senkten. Die Kandidaten BNT164a1 und BNT164b1 befinden sich bereits in klinischen Phase-I/II-Studien.
Das Besondere an den neuartigen Impfstoffen: Anders als die meisten bisherigen mRNA-Impfstoffe kodieren die Kandidaten nicht für ein einzelnes Antigen, sondern für gleich acht Proteine von Mycobacterium tuberculosis. Diese stammen aus unterschiedlichen Stadien der Infektion und sollen dadurch einen umfassenderen Immunschutz ermöglichen. Die Forscher kombinieren die Antigene in vier mRNA-Konstrukten, die in Lipidnanopartikeln verabreicht werden.
In mehreren Mausmodellen induzierten beide Vakzine sowohl starke CD4- als auch CD8-T-Zellantworten gegen alle acht Zielantigene. Zusätzlich wurden Antikörperreaktionen gegen die Mehrzahl der kodierten Proteine beobachtet. Besonders relevant für die Tuberkuloseforschung: Die mRNA-Impfstoffe erzeugten ausgeprägte CD8-T-Zellantworten, die mit dem klassischen BCG-Impfstoff bislang nur begrenzt erreichbar sind.
Frühe Studien für einen wachsenden Bedarf
In Infektionsversuchen mit zwei unterschiedlichen Tuberkulose-Stämmen reduzierte die Impfung die bakterielle Belastung der Lunge signifikant. Der Schutz korrelierte mit dem Auftreten langlebiger Gedächtnis-T-Zellen in den Granulomen der infizierten Tiere. Gleichzeitig zeigten die Kandidaten in Toxizitätsstudien an Ratten ein günstiges Sicherheitsprofil.
Die Arbeit adressiert eines der größten ungelösten Probleme der globalen Impfstoffentwicklung. Der bislang weltweit eingesetzte BCG-Impfstoff schützt zwar Säuglinge vor schweren Krankheitsverläufen, bietet aber bei Jugendlichen und Erwachsenen nur begrenzten Schutz gegen die pulmonale Tuberkulose, die für den Großteil der Übertragungen verantwortlich ist. Nach Angaben der Autoren starben 2024 weltweit rund 1,23 Millionen Menschen an Tuberkulose.
BioNTech oder das neue mRNA-Unternehmen von Sahin/Türeci
Für die Biotechnologiebranche ist die Studie zugleich ein weiterer Hinweis darauf, dass die mRNA-Plattform nach COVID-19 zunehmend auf komplexere Infektionskrankheiten ausgeweitet wird. Während sich viele Entwicklungsprogramme bislang auf einzelne Zielantigene konzentrierten, zeigt die Arbeit, dass auch hochkomplexe Multiantigen-Impfstoffe mit der mRNA-Technologie realisierbar sind. Die entscheidende Frage wird nun sein, ob sich die präklinischen Ergebnisse in den laufenden klinischen Studien bestätigen lassen.
Zudem bleibt die Frage offen, ob es solche Aktivitäten rings um die mRNA-Technologie sind, die die BioNTech-Gründer Sahin/Türeci in ihr neues Start-up übernehmen werden. Das letzte Wort in dieser Sache scheint zwischen den Parteien noch nicht gesprochen zu sein.

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