Evotec SE

Millionenanleihe von Evotec, Warten auf neue Deals

Die Hamburger Evotec SE platziert eine Anleihe über 116 Mio. Euro nach eigenen Angaben erfolgreich. Ursprünglich waren 125 Mio. Euro angepeilt, doch die Verkleinerung des Volumens ist nicht das, was die Aktionäre umtreibt. Dort werden keine Investitionen in das laufende Restrukturierungsprogramm "Horizon" begrüßt, sondern man wäre froh, wenn inhaltliche Fortschritte und neue Partnerschaften verkündet werden würden. Mit dem Knalleffekt der Milliardenfinanzierung von Isomorphic sollte man an der Elbe deutlich aufgewacht sein, oder ist man längst in Sachen KI-Anwendung unterwegs?

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Mit der Platzierung einer Wandelanleihe über 116,1 Mio. Euro verschafft sich Evotec neuen finanziellen Spielraum für den laufenden Umbau des Unternehmens. Die siebenjährige Anleihe soll vor allem das Transformationsprogramm „Project Horizon“ finanzieren, mit dem der Wirkstoffforschungs- und Technologiepartner seine operative Struktur effizienter ausrichten und langfristig wieder stärker wachsen will.

Finanzierung von Personalabbau

Die Finanzierung markiert eine weitere Etappe in einer Phase tiefgreifender Neuaufstellung und hinterlässt als eher rückwärtsgewandt ausgerichtetes Investment in überkommene Strukturen den Eindruck, dass dies kein echter Befreiungsschlag ist. Nachdem Evotec in den vergangenen Jahren vor allem durch expansive Partnerschaften, Plattformtechnologien und den Ausbau seiner globalen Forschungs- und Produktionsinfrastruktur gewachsen war, stehen nun Profitabilität, Priorisierung und strategische Fokussierung stärker im Mittelpunkt. Anleger bewerten dabei besonders aufmerksam, wie sich das Unternehmen im Spannungsfeld zwischen klassischem Forschungsdienstleister, KI-gestützter Wirkstoffentwicklung und eigener Pipeline positioniert.

Die Grundsubstanz wird dabei kaum angezweifelt. Denn Evotec gehört zu den wenigen europäischen Biotech-Unternehmen, die über Jahre ein hybrides Geschäftsmodell aus Plattformgeschäft, Industriepartnerschaften und eigenen Entwicklungsprogrammen (bis zu einem bestimmten Punkt) aufgebaut haben. Kooperationen mit großen Pharmakonzernen wie Bristol Myers Squibb, Bayer, Pfizer oder Novo Nordisk bilden weiterhin das Rückgrat des Geschäftsmodells. Gleichzeitig setzt das Unternehmen schon seit geraumer Zeit auf Zukunftsfelder wie KI-gestützte Wirkstoffforschung, Zelltherapien, Präzisionsmedizin und automatisierte Plattformtechnologien. Nicht alles davon war langfristig erfolgreich wie die Kooperation mit den KI-Experten von Exscientia in Großbritannien, wo Evotec bereits 2016 eingestiegen war. Mit der Übernahme der Firma durch Recursion Pharmaceuticals Ende 2024 versilberte Evotec zwar die Anteile in einem hohen zweistelligen Millionenbetrag, verlor aber gleichzeitig den direkteren Zugang zu externem KI-Know-how. Doch das ist das, was Pharmapartner heute unbedingt sehen wollen: KI-Kompetenz im eigenen Hause.

KI-Welle schlägt an Elbufer

Dass Evotec KI gelernt hat und einsetzen kann, zeigen die Hamburger Wirkstoffexperten in einer Entwicklungspartnerschaft mit der spanischen Almirall. Diese Kooperation startete 2022 mit einer ungenannten Upfront-Zahlung an Evotec und möglichen 230 Mio. Euro meilensteinabhängig in jedem einzelnen Projekt.

Zwei Jahre nach Start eines bestimmten Projektes innerhalb dieser Partnerschaft haben Evotec und der spanische Dermatologie-Spezialist Almirall nun ganz aktuell einen präklinischen Entwicklungskandidaten für immunbedingte entzündliche Hauterkrankungen identifiziert und diese Auswahl bekannt gegeben. Der Weg von ersten Wirkstoff-Leads bis zum präklinischen Kandidaten war damit deutlich kürzer als bei vergleichbaren Small-Molecule-Programmen branchenüblich. Grundlage war nach Angaben des Unternehmens Evotecs KI- und maschinenlerngestützte Plattform für Wirkstoffforschung und präklinische Entwicklung, kombiniert mit Almiralls Expertise in der medizinischen Dermatologie.

Evotec selbst arbeitet seit Jahren mit KI etwa auf der INDiGO-Plattform, die den Übergang von der Wirkstoffforschung zur IND-Einreichung, dem formalen Zulassungsantrag für klinische Studien in den USA, unterstützt. Alles sei eng verflochten mit dem gesamten Angebot für die Wirkstoffforschung und -entwicklung als Auftragnehmer über eine Vielzahl an spezfischen Technologienplattformen, die bei den Allianzen mit Pharma individuell zum Tragen kommen.

Jeder neue strategische Deal wird KI beinhalten, so wie KI schon seit Jahren in der BMS-Allianz ein wichtiges Element ist. Evotec selbst trägt das aber nicht offensiv vor sich her, so dass eine Schlagzeile wie die 2 Mrd.-Finanzierungsrunde von Isomorphic – der KI-Wirkstofffirma von Alphafold-Erfinder Hassabis – für einen Schreckmoment sorgt, nur nicht in Hamburg selbst.

Beteiligungen zahlen zurück

Vielleicht auch, weil die lange brachliegenden Beteiligungen für ständigen Nachschub an guten Nachrichten sorgen: neben einigen klinischen Fortschritten, wurden mit DarkBlu, Tubulis und vor kurzem IMIdomics schon drei dieser Innovationsbeteiligungen verkauft und andere wie Immunitas kommunizieren interessante Deals etwa mit Boehringer Ingelheim.

Bleibt die Frage, ob Ähnliches auch den Beteiligungen gelingt, bei denen Evotec 20% und mehr hält. Interessant dürfte insbesondere die Zukunft von Sernova sein, einer Firma für die Betazellen-Ersatztherapie, die nun vor der entscheidenden klinischen Phase steht. Hier hat Evotec, seit der Umwandlung der ausstehenden Zahlungen in Anteilen an Sernova mittlerweile wohl eher einen Anteil um die 30% und es stellt sich die Frage, ob die Gelder der Wandelanleihe nicht sinnvoller in diese klinische Studie gesteckt werden sollten, statt in die Restrukturierung. Mehr Zukunft wagen als Vergangenheitsbewältigung.

Doch andererseits hört man aus internen Quellen, dass die Erfolge der Innovationsbeteiligungen bei Evotec nicht groß gefeiert werden. Zwar sorgen sie mit den Meilensteinzahlungen der Partner für richtig viel Cash, doch Orden oder Belobigungen dafür werden wohl nicht verteilt. Auch hier mag eine Rolle spielen, dass diese Beteiligungen eine längere Geschichte aufweisen und vielleicht nicht so recht  zu einer „neuen Evotec-Story“ passen mögen. Doch auf diese neue Vision und Geschichte aus Hamburg muss man wohl noch weiter warten.

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