
Sartorius baut in Freiburg aus und eröffnet Kompetenzzentrum Zelltherapie
Zeitlich und thematisch sehr passend zur Strategie der Bundesregierung, die gerade mit ihrer Roadmap für Biotechnologie für viel Diskussionen in der Community sorgt, eröffnet der Sartoriuskonzern ein Kompetenzzentrum für Zell- und Gentherapie-Laborausrüstung in Freiburg. Dies ist auch der große Schwerpunkt der Berliner Roadmap, allerdings mit großem Schwerpunkt in Berlin selbst. Sartorius zeigt damit, dass es auch noch andere Standorte und Regionen zum Themengebiet gibt und lenkt ein wenig ab von Gerüchten über eine Firmenbeteiligung, die gerade den Kurs nach oben treiben.
Das neue Kompetenzzentrum für Zell- und Gentherapie-Komponenten des Sartorius-Konzern ist eröffnet. Auf rund 18.000 Quadratmetern entstanden neue Produktions-, Labor- und Büroflächen für die Entwicklung und Herstellung qualitätskritischer Materialien wie Zytokine, Wachstumsfaktoren und Zellkulturmedien. Die Investitionssumme liegt bei mehr als 140 Mio. Euro.
Mit dem Ausbau verdoppelt Sartorius nach eigenen Angaben die Produktionskapazitäten am Standort Freiburg deutlich. Die Materialien gelten als zentrale Bestandteile moderner Zell- und Gentherapien, die weltweit stark an Bedeutung gewinnen. Inzwischen entfallen laut Unternehmen bereits rund 30 Prozent der globalen Entwicklungsprogramme in der Arzneimittelforschung auf Zell- und Gentherapien.
Zelltherapie im Fokus – passend zu Hightech-Agenda der Bundesregierung
„Zell- und Gentherapien geben Patienten weltweit Hoffnung auf Heilung von Krankheiten, die bisher als nicht therapierbar galten“, sagte René Fáber, Leiter der Sparte Bioprocess Solutions und Vorstandsmitglied von Sartorius. Gerade in diesem Markt seien Geschwindigkeit, Skalierung und Prozesssicherheit entscheidend.
Das hat auch die Bundesregierung umgetrieben, die in der aktuellen Roadmap zur Umsetzung der Hightech-Strategie im Biotechnologiesegment ganz deutlich einen Schwerpunkt auf Zell- und Gentherapie legt. Schwerpunkt der Bundesregierung ist zwar das Berliner Zentrum für Zell- und Gentherapie, in das ebenfalls 100 Mio. Euro investiert werden, doch auch an anderen Orten sollen solche Kompetenzzentren unterstützt werden, damit sowohl der fachliche Nachwuchs geschult werden kann, als auch Ökosysteme für Firmengründungen und Neuheiten entstehen.
Das wiederum motiviert auch Sartorius, von Beginn an in solchen Gründer-Ökosystemen als präferierter Partner mitzumischen. Der Standort Freiburg spielt dabei eine strategische Rolle innerhalb des globalen Produktionsnetzwerks des Konzerns. Sartorius hatte 2021 die Mehrheit an der Freiburger CellGenix GmbH übernommen, einem Spezialisten für GMP-konforme Zellkulturkomponenten, der ursprünglich aus dem Umfeld der Universitätsmedizin Freiburg hervorgegangen war. Seit Anfang 2026 ist CellGenix vollständig in den Konzern integriert. Die Zahl der Mitarbeiter in Freiburg wurde in den vergangenen fünf Jahren nahezu verdoppelt.
Sartorius setzt auf Expansion
Die Expansion ist Teil eines umfassenderen Investitionsprogramms, mit dem Sartorius seine weltweiten Entwicklungs- und Fertigungskapazitäten ausbaut. Nach den starken Wachstumsjahren während der Pandemie hatte das Unternehmen zuletzt eine Phase der Marktanpassung durchlaufen. Vor allem im klassischen Bioprocessing-Geschäft sorgten Überkapazitäten und eine schwächere Nachfrage aus der Pharmaindustrie zeitweise für rückläufige Umsätze. Gleichzeitig setzt Sartorius zunehmend auf langfristige Wachstumsfelder wie Zell- und Gentherapie, personalisierte Medizin und hochspezialisierte Bioproduktion.
Auch technologisch und infrastrukturell soll der Freiburger Standort eine Vorreiterrolle einnehmen. Das neue Werk erfüllt GMP-Standards für biopharmazeutische Produktionsumgebungen und verzichtet vollständig auf fossile Brennstoffe. Geothermie, Brunnenwasserkühlung und Photovoltaik sollen die Energieversorgung übernehmen. Für das Nachhaltigkeitskonzept erhielt das Gebäude bereits eine Gold-Vorzertifizierung der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB).
„Gemeinsam ist hier ein Ort entstanden, der Spitzentechnologie in Forschung und Produktion mit Nachhaltigkeit verbindet“, sagte Daniel Spatz, Geschäftsführer von Sartorius CellGenix.
Gerüchteküche treibt den Kurs an
Eigentlich ist der Göttinger Konzern derzeit mit einem ganz anderen Thema in den Schlagzeilen von Investmentfachmagazinen und Wirtschaftsmagazinen. Der Hedgefonds Elliott hat seine Beteiligung an der US-amerikanischen Firma BioRad deutlich angehoben. BioRad, die in den vergangenen Jahren eher weniger gute Zahlen vorweisen konnte, hält selbst rund 28% Anteile der Sartorius-Vorzugsaktien, woraufhin die Gerüchte hochkochten, dass Elliott mit seiner Maßnahme eigentlich auf diese Sartorius-Beteiligung schiele. Durch die testamentarische Festlegung des 1998 verstorbenen Sartorius-Seniors darf an den Firmenanteilen des Konzerns aber erst ab 2028 gerüttelt werden. Ob Elliott mit dieser langen Perspektive und derart um die Ecke agiert, ist genauso eine Frage, die Spekulationen ins Kraut schießen lässt.
Auf |transkript-Nachfrage äußert sich Satorius im typischen Unternehmenssprech der börsennotierten Firmen: „Über unsere kapitalmarktrechtlichen Veröffentlichungspflichten hinaus geben wir grundsätzlich keine Auskunft zu einzelnen Investoren. Darüber hinaus weisen wir darauf hin, dass ein Investment in Bio-Rad Laboratories keiner direkten Beteiligung an Sartorius entspricht. Unser Fokus liegt unverändert auf der konsequenten Umsetzung unserer Unternehmensstrategie mit klarem Schwerpunkt auf nachhaltiger und langfristiger Wertschaffung.“
Für Sartorius ist auch deswegen die Investition in Freiburg eine Ablenkung von den Gerüchten und zugleich ein Signal, dass Deutschland trotz international wachsender Konkurrenz ein wichtiger Standort für hochwertige Bioproduktion bleiben soll. Gerade bei Zell- und Gentherapien versuchen europäische Unternehmen derzeit, ihre Lieferketten und Produktionsnetzwerke auszubauen, um unabhängiger von außereuropäischen Anbietern zu werden und die steigende Zahl klinischer Programme bedienen zu können.

Bayer & Charité | Norbert Ittermann
Stiftung Innovationsallianz Freiburg, Schönen