
Thymus-Start-up aus Basel findet deutsche Investoren
Von mehreren deutschen Investoren, darunter der Boehringer Ingelheim Venture Fund als Leadinvestor, erhält die TECregen AG in Basel eine Seed-Finanzierung von 10 Mio. CHF. Zudem sind auch der HTGF (Bonn) und der CARMA Fund (München/Frankfurt am Main) neben weiteren Investoren aus der Schweiz im Boot, das in den Gewässern zwischen Immunologie und Alterung fischt und den Thymus regenerieren möchte, um das Immunsystem auch im hohen Alter widerstandsfähig zu halten.
Das Schweizer Biotechnologieunternehmen TECregen positioniert sich mit einem ambitionierten Ansatz an der Schnittstelle von Immunologie und Alternsforschung. Nun schloss das auf die Regeneration des Thymus spezialisierte Unternehmen eine Seed-Finanzierungsrunde über 10 Mio. CHF ab. Angeführt wurde die Runde vom Boehringer Ingelheim Venture Fund (BIVF), beteiligt sind mehrere internationale Life-Sciences-Investoren sowie öffentliche und institutionelle Geldgeber. Parallel dazu machte TECregen die Ernennung des Dänen Dr. Bo Rode Hansen zum Verwaltungsratsvorsitzenden publik, eine Rolle, die dieser bereits seit einigen Monaten in seinem LinkedIn-Profil präsentierte.
Im Zentrum der Unternehmensstrategie steht der Thymus, ein zentrales Organ des Immunsystems, das insbesondere in Kindheit und Jugend eine Schlüsselrolle spielt. Im Thymus reifen T-Lymphozyten heran, die für die adaptive Immunabwehr essentiell sind – etwa bei der Bekämpfung von Infektionen, Tumoren oder der Steuerung von Impfantworten. „Reifung“ bedeutet, dass durch antigenpräsentierende Zellen in einem Ausleseprozess diejenigen T-Lymphozyten aussortiert werden, die natürliche Eiweißbestandteile des Individuums erkennen und damit „fremd“ nicht von „eigen“ unterscheiden können. Fehler oder Schwächen in diesem Ausleseprozess hält man für den möglichen Auslöser vieler sogenannter Autoimmunerkrankungen, bei denen das Immunsystem gegen essentielle Körperbestandteile aktiv ist, statt nur in der Fremd- also der Infektionsabwehr. Gerade mit zunehmendem Alter unterliegt der Thymus einer ausgeprägten Involution: Das funktionelle Gewebe wird schrittweise durch Fettgewebe ersetzt, die Neubildung von T-Zellen nimmt ab, und das Immunsystem verliert an Anpassungsfähigkeit. Diese altersbedingten Veränderungen gelten heute als ein wesentlicher Treiber von Immunseneszenz, erhöhter Infektanfälligkeit, schlechterem Therapieansprechen und einer steigenden Krebsinzidenz.
Jungbrunnen für den Thymus
TECregen setzt genau an diesem biologischen Engpass an und zielt darauf ab, thymische Epithelzellen (thymic epithelial cells, TECs) zu regenerieren und funktionell zu verjüngen. Diese Zellen bilden das strukturelle und funktionelle Gerüst des Thymus und sind entscheidend für die Selektion und Reifung von T-Zellen. Durch gezielte, sogenannte thymopoetische Biologika will TECregen die T-Zell-Neubildung wieder ankurbeln und damit eine nachhaltige Verbesserung der Immunfunktion erreichen.
Die nun eingeworbenen Mittel sollen die Entwicklung dieser Biologika beschleunigen und den Weg in Richtung klinische Prüfung ebnen. Das Investorenkonsortium sieht in der gezielten Modulation der Thymusfunktion ein breites therapeutisches Potenzial – nicht nur in der Immunologie, sondern auch in der Onkologie sowie bei seltenen Erkrankungen und in der Erholung des Immunsystems nach Transplantationen oder zytotoxischen Therapien. „TECregens innovativer Ansatz zur Regeneration des Thymus positioniert das Unternehmen an der Spitze gezielter Biologika zur Wiederherstellung der Immunfunktion, mit einer klaren Perspektive in Richtung Klinik“, erklärte Dr. Philipp Müller, Investment Manager beim Boehringer Ingelheim Venture Fund. „Die Fähigkeit, die Thymusfunktion zu modulieren und wiederherzustellen, eröffnet neue therapeutische Möglichkeiten in der Immunologie, Onkologie und bei seltenen Erkrankungen.“
Von Chairman Bo Rode Hansen verspricht sich TECregen zusätzlich industrieerprobte Führungskompetenz. Hansen bringt mehr als 20 Jahre Erfahrung aus Pharma- und Biotech-Unternehmen mit, darunter Führungspositionen bei Roche und Santaris sowie als CEO von Scandion Oncology und Gründungspräsident von Genevant Sciences. Er soll die strategische Weiterentwicklung des Unternehmens begleiten und den Übergang von der präklinischen Forschung in die klinische Entwicklung unterstützen. Hansen ist jedoch auch weiterhin zumindest interimistisch anderweitig beschäftigt: Denn nur einen Tag vor der Veröffentlichung der Finanzierungsrunde hatte er seine neue CEO-Rolle bei LIfT Biosciences in London (UK) bekannt gegeben.
Insgesamt spiegelt die Finanzierung die wachsende Aufmerksamkeit wider, die dem Thymus als therapeutischem Angriffspunkt zuteil wird. Während die Altersabhängigkeit des Organs lange als irreversibel galt, verdichten sich heute die Hinweise, dass gezielte biologische Interventionen die thymische Funktion zumindest teilweise wiederherstellen könnten. TECregen, angesiedelt im Stücki Park in Basel, gehört zu den Unternehmen, die diese Hypothese in konkrete Arzneimittelprogramme übersetzen wollen.
Eine Arbeit in Nature von S. Campinoti,… D. Bonnet & P. Bonfanti (Dez. 2020) zeigte erste Ansätze zur Revitalisierung von Thymusgewebe und führt weiter in die Thematik ein.


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