
Enge digitale Begleitung hilft Frauen mit Brustkrebs
Eine aktuelle Studie belegt, dass Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs, die per App digital begleitet werden, weniger unter Erschöpfung leiden und im Alltag besser zurechtkommen. Der G-BA empfiehlt die Aufnahme des Behandlungskonzepts in die Regelversorgung.
Forscher der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Deutschen Krebsgesellschaft konnten in einer Studie, die im August im Fachmagazin JAMA Oncology erschienen ist, die Vorteile einer engen digitalen Begleitung von Frauen mit metastasiertem Brustkrebs belegen. Zwar ist der Krebs in diesem Stadium nicht mehr heilbar, neue Therapieoptionen ermöglichen jedoch eine Kontrolle der Krankheit und eine Verlängerung der Lebenserwartung der Patientinnen.
Engmaschige Begleitung trotz Distanz
Neue Medikamente, die nun zu Hause eingenommen werden können, führen allerdings dazu, dass sich Arzt und Patientin nur noch in größeren Abständen sehen. Prof. Maria Karsten, leitende Oberärztin am Brustzentrum der Charité und Initiatorin des Projekts PRO B, spricht von einem lückenhaften medizinischen Blick, der dadurch entstehe. „Um diese Lücke zu schließen und die Patientinnen trotz der Distanz engmaschig begleiten zu können, haben wir das digitale Behandlungskonzept PRO B entwickelt.“ Es wurde zusammen mit den Krankenkassen BARMER, DAK-Gesundheit und mkk – meine krankenkasse umgesetzt.
Kern ist eine App, die den Frauen einmal pro Woche strukturiert bis zu 52 Fragen zu ihren Symptomen, ihrem Alltag und ihrer emotionalen Verfassung stellt. Ein Algorithmus wertet die Antworten aus und meldet dem Behandlungsteam umgehend relevante Veränderungen. Innerhalb von 48 Stunden erhält die Patientin einen Anruf, in dem geklärt wird, ob und welche Maßnahmen zu ergreifen sind.
„Wir besprechen in diesen Telefonaten beispielsweise, ob die Medikamente gegen Übelkeit in ihrer Dosis angepasst werden sollten oder geben praktische Tipps zum Umgang mit den verschiedenen Symptomen“, erklärt Karsten. „Wir erkennen aber auch ernsthafte Nebenwirkungen schneller, die sich durch ein vermeintlich harmloses Symptom wie Müdigkeit andeuten, und können die Patientin sofort in die Klinik bestellen.“
In ihrer Studie konnten die Forscher nun zeigen, dass diese Kombination aus enger digitaler und anlassbezogener persönlicher Betreuung den Alltag der Betroffenen verbessert. An der deutschlandweiten Studie waren 52 Brustkrebszentren beteiligt, deren Behandlungsteams 909 Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs im Alter von 19 bis 81 Jahren über ein Jahr hinweg begleiteten. Rund die Hälfte der Frauen wurde neben der medikamentösen Tumortherapie mit dem PRO-B-Konzept betreut. Die andere Hälfte bekam statt der vollen PRO-B-Betreuung nur einmal alle drei Monate Fragen zu ihrem Befinden gestellt und erhielt keine zusätzliche Betreuung durch das Behandlungsteam.
Die Patientinnen der PRO-B-Gruppe waren deutlich weniger erschöpft. Ihre körperliche Funktionsfähigkeit war besser und sie mussten seltener im Krankenhaus behandelt werden.
„Das sind Effekte, die sich merklich auf den Alltag der Patientinnen auswirken, die Frauen sind leistungsfähiger und können ihr Leben besser bewältigen“, betont Studienleiterin Karsten. „Wir haben sogar Hinweise, dass das PRO-B-Konzept bei manchen Patientinnen die noch verbleibende Lebenszeit verlängert. All das erreichen wir nicht durch ein neues Medikament, sondern allein dadurch, dass wir das Befinden der Frauen regelmäßig und strukturiert abfragen und darauf eingehen.“
In einer Befragung nach Abschluss der Studie äußerten mehr als 90 Prozent der Studienteilnehmerinnen den Wunsch, dass das neue Behandlungskonzept Teil der Routineversorgung wird.
Es geht weiter – nun als „ida“
Im Juni empfahl der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) eine Aufnahme des Behandlungskonzepts in die Regelversorgung.
Damit betroffene Patientinnen das Angebot bereits früher nutzen können, planen die am Projekt beteiligten Krankenkasse eine Weiterentwicklung. Das PRO-B-Konzept heißt künftig ida und wird von Maria Karsten und ihrem Team weitergeführt.
Das Projekt PRO B (Patient-Reported Outcomes bei Brustkrebs) wurde mit Mitteln des Innovationsausschusses beim Gemeinsamen Bundesausschuss zwischen 2020 und 2024 mit rund 4,8 Millionen Euro gefördert. Leiterin des Projekts ist Prof. Maria Karsten von der Charité, Konsortialpartner sind BARMER, mkk – meine krankenkasse, DAK-Gesundheit, Deutsche Krebsgesellschaft e. V. und OnkoZert GmbH. Im November 2025 wurde die Medizinerin mit dem Eugen-Münch-Preis der Rhön-Stiftung in der Kategorie Wissenschaft ausgezeichnet.
Zu den ausführlichen Studienergebnisse geht es hier.

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