
Nia Health und AbbVie kooperieren bei Neurodermitis-Versorgung
Das Berliner Unternehmen Nia Health und das Biopharma-Unternehmen AbbVie Deutschland bündeln ihre Kräfte, um gemeinsam die Weiterentwicklung einer KI-gestützten Versorgungslösung für Neurodermitis-Patienten voranzutreiben. Ziel der seit Juli 2026 bestehenden Kooperation ist es, die Dokumentation des Krankheitsverlaufs im Alltag zu verbessern und Ärzte bei der Bewertung des Schweregrads der Erkrankung zu unterstützen.
Die Charité-Ausgründung Nia Health entwickelt digitale Anwendungen für Menschen mit chronischen entzündlichen Hauterkrankungen. Und auch das Biopharma-Unternehmen AbbVie ist seit Jahren in diesem Bereich aktiv. Künftig werden beide Unternehmen enger zusammenarbeiten, um das digitale Angebot von Nia Health weiterzuentwickeln, das sich an betroffene Patienten und ihre behandelnden Ärzte wendet. Ziel ist es laut Katrin Diemann, Head of Medical Immunology bei AbbVie Deutschland, die Behandlung von Menschen mit atopischer Dermatitis zu verbessern. Dafür sind „digitale Anwendungen und KI, die den Versorgungsalltag effizienter und präziser machen, ein wichtiger Baustein“, ergänzt Anja Moeller, Business Unit Managerin AD bei AbbVie Deutschland.
Dokumentation des Krankheitsverlaufs
Eines der Angebote von Nia Health für Neurodermitis-Patienten ist die App „Nia“, mit der die Betroffenen ihren Krankheitsverlauf in den Zeiträumen zwischen den Arztterminen dokumentieren können. Die erfassten Informationen sollen dazu beitragen, Veränderungen des Hautbildes besser nachzuvollziehen und Gespräche mit dem behandelnden Dermatologen gezielter vorzubereiten. Tobias Seidl, CEO und Mitgründer von Nia Health, erklärt: „Mit unseren Anwendungen wird der Krankheitsverlauf sichtbar; KI macht den Schweregrad objektiver erfassbar, damit Veränderungen früher erkannt werden und Therapien noch personalisierter angepasst werden können.“ Denn, so Seidl, zwischen dem, was die Patienten in ihrem Alltag erlebten und dem, was letztendlich in der Sprechstunde ankäme, klaffe eine Lücke.
KI unterstützt bei Bewertung
Ergänzt wird das Angebot durch den „AI Severity Classifier“, ein KI-gestütztes System zur Analyse von Patientenaufnahmen betroffener Hautareale. Auf Basis etablierter klinischer Bewertungsskalen schätzt die Software den Schweregrad der Erkrankung ein und soll Ärzte bei der Verlaufskontrolle unterstützen. Diese Einschätzung wird derzeit manuell und oftmals in großen zeitlichen Abständen vorgenommen – je nach Erfahrung und Sichtweise des behandelnden Arztes kann das zu unterschiedlichen Ergebnissen und Behandlungsschritten führen.
Zurzeit wird das KI-gestützte System in das Krankenhausinformationssystem der Charité integriert. Die automatisierte Erfassung klinischer Scores soll den Dokumentationsaufwand reduzieren, die Vergleichbarkeit der Bewertungen verbessern und strukturierte Verlaufsdaten für die klinische Versorgung bereitstellen.
Die anonymisierten Real-World-Daten, die bei der App-Nutzung über den Krankheitsverlauf und den Behandlungserfolg entstehen, fließen in die Weiterentwicklung der digitalen Versorgung ein und werden auch für wissenschaftliche Auswertungen genutzt.

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Karolina Zacharias