Swiss Medtech

Schweizer Medizintechnik-Branche unter Druck

Die Mitgliederversammlung des Schweizer Medizintechnikverbandes Mitte Mai in Lugano bot den Teilnehmern die Gelegenheit, sich über die steigenden Herausforderungen an die Medizintechnik-Industrie in der Schweiz auszutauschen. Swiss-Medtech-Präsident Damian Müller fand klare Worte und forderte eine wirtschaftspolitische Kurskorrektur mit einem klaren Fokus auf die Standortstärkung.

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Erstmals fand die Mitgliederversammlung von Swiss Medtech in der italienischsprachigen Schweiz statt, in Lugano. Mehr als 200 Branchenvertreter trafen sich dort, um über den wachsenden Druck zu diskutieren, der auch auf dem exportorientierten Schweizer Medtech-Sektor lastet: Eine unsichere Weltlage sowie die unberechenbare US-Zollpolitik, eine starke Schweizer Währung und Schweizer Franken und neue Handelsbarrieren verschärften die Situation. Ehrengast auf der Mitgliederversammlung war Bundesrat Ignazio Cassis, der die Bedeutung stabiler Partnerschaften hervorhob, insbesondere zu den Ländern der Europäischen Union, in die rund die Hälfte aller Medizintechnik-Exporte geht.

Eine Umfrage des Instituts gfs.bern zeigt, dass über 70 Prozent der Medtech-Unternehmen die bilateralen Beziehungen zur EU als wichtig für ihr Geschäft erachten, und über 80 Prozent sehen sie als entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Schweiz. Adrian Hunn, Direktor von Swiss Medtech, betonte, wie wichtig der EU-Binnenmarkt für die Branche sei und dass die Unterbrechung der Verhandlungen im Mai 2021 zu spürbaren negativen Folgen geführt hätten. Die Ergebnisse einer Umfrage im vergangenen Jahr hatten die Zustimmung der Schweizer Medtech-Branche zu einem neuen Schweiz-EU-Vertragspaket gezeigt.

„Entscheidend ist für die Branche der direkte Zugang zum EU-Binnenmarkt. Seit dem Abbruch der Verhandlungen im Mai 2021 ist dieser mit spürbaren Folgen: die zusätzliche Bürokratie kostet die Branche Milliarden.“ Adrian Hunn, Direktor Swiss Medtech

Gestaltungswille und Pragmatismus gefordert

Schwerpunkte im Austausch waren die wachsenden Herausforderungen im internationalen Umfeld und die Strategie zur Sicherung der Position der Schweiz als führenden Medtech-Standort. Bereits in seiner Eröffnungsrede hatte Damian Müller die traditionellen Stärken der Schweiz hervorgehoben, zu denen Rechtssicherheit, unternehmerische Freiheit und geringe Regulierung gehörten. Er warnte jedoch, dass diese Faktoren keine Selbstverständlichkeit seien und aktiv gesichert werden müssten. Zudem forderte er eine engere Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Politik und Behörden sowie klare innenpolitische Signale für den Standort Schweiz, um zusätzliche Belastungen für die bereits unter Druck stehende Branche zu vermeiden.

Ein weiterer Grund zur Kritik: das zögerliche Vorgehen der Behörden bei der Änderung der Rechtsgrundlage, damit neben EU-zertifizierten Produkten auch solche mit einer FDA-Zulassung anerkannt werden können. Diese Anpassung würde die Attraktivität des Standorts Schweiz erhöhen und die Patientenversorgung sichern. Hier forderte Damian Müller mehr Gestaltungswillen und Pragmatismus.

Neue Abgabe auf Medizinprodukte?

Die Einführung einer neuen Abgabe auf Medizinprodukte zugunsten des Heilmittelinstituts Swissmedic sorgt ebenfalls für Besorgnis innerhalb der Branche. Adrian Hunn äußerte große Bedenken, dass das Institut seine finanziellen Probleme auf Kosten der Industrie lösen möchte. Die geplante Abgabe, die 25 Mio. Schweizer Franken jährlich betragen soll, entspricht dem aktuellen Defizit von Swissmedic. Das Institut hatte sich unter anderem mit Aufbau einer neuen IT-Infrastruktur in finanzielle Schwierigkeiten gebracht. Inzwischen plant die Eidgenössische Finanzkontrolle eine Prüfung der Vorgänge rund um die Digitalisierungsvorhaben bei Swissmedic.

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