Biogen/Eisai: Alzheimer-Antikörper zeigt Wirkung

Der Biogen-Aktienkurs schießt um über 70% in die Höhe, da langersehnte Studiendaten eines neuen Antikörpers bei immerhin knapp einem Drittel der Patienten eine Verlangsamung des Gedächtnisschwundes bewirkt haben sollen. Im Schlepptau wird nahezu jede Alzheimer/Neuro-Firma mit sattem Aufschlag gehandelt.

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Eine Woche nach dem Weltalzheimertag und eher zögerlicher Erwartungshaltung gegenüber überzeugenden neuen Therapieoptionen hat das Alzheimer-Medikament Lecanemab des Biotech-Unternehmens Biogen und seines japanischer Kooperationspartners Eisai in einer großangelegten Studie den kognitiven Verfall von Patienten um knapp ein Drittel (27%) verlangsamt. Damit wurde das Studienziel erfüllt, wenngleich man sich einen deutlicheren Unterschied erhofft hatte.

Für Biogen ist dies ein Befreiungsschlag, da das durch die FDA zugelassene Alzheimer-Medikament Aduhelm nicht nur viele Fragezeichen im Zulassungsprozess rings um die klinischen Daten verursacht hatte, sondern daraufhin schlicht auch ein Ladenhüter wurde, der das Unternehmen in eine gewaltige Restrukturierung drängte. Jetzt wollen die beiden Pharmafirmen bis Frühjahr 2023 den Zulassungsantrag für Lecanemab einreichen. Die detaillierten Studienergebnisse werden jedoch erst auf einer Tagung Ende November vorgestellt. 

Unklar ist derzeit, ob die Verlangsamung des Krankheitsfortschritts im klinischen Alltag für Patienten bedeutungsvoll ist. Auch kam es bei 12% der Patienten zu Schwellungen im Gehirn, als bekannte schwere Nebenwirkung der sogenannten Anti-Amyloid-Antikörper, zu denen Lecanemab zählt. Dass dieser Antikörper nun erstmals die erwünschte und in vielen Studien bisher nicht glaubwürdig gezeigte Wirkung auslöst (eine Immunreaktion gegen die Amyloid-Plaques und ihren Abbau), ist an sich ein Hoffnungsfunken in dem von zahlreichen Rückschlägen gebeutelten Feld.

Auch deswegen dürfen sich viele andere börsennotierte Firmen im Bereich Alzheimer/Neurodegeneration heute über satte Kursaufschläge freuen, darunter in Deutschland Morphosys (mit Roche/Genentech mit einer Phase III-Studie an der Spitze des Feldes), Vivoryon (mit einem Small-molecule-Ansatz noch in der Phase II) sowie in der Schweiz bei AC Immune (gerade eigentlich eher mit einer Rückschlagsmeldung aufgefallen), aber selbst eine Firma wie Immunic, die eigentlich im Bereich Multiple Sklerose unterwegs ist, scheint von einer generellen Euphorie (oder waren es nur die Algorithmen?) der Börsianer positiv erfasst zu werden. Ob das alles nachhaltig und langanhaltend sein wird, bleibt abzuwarten.

Vivoryon floppt mit Alzheimerwirkstoff

Vivoryons Hoffnungsträger Varoglutamstat, das die Bildung von toxischem beta-Amyloid bei Alzheimer hemmt, verfehlt in einer Phase IIb-Studie alle Endpunkte. Die Aktie der in Halle und München angesiedelten Vivoryon AG fällt gestern um 80%. Die Finanzreichweite bis etwa Mitte des Jahres wird für die Nachfolgefirma der einstigen ProBioDrug AG zu einem Damoklesschwert.

Morphosys wird von Novartis übernommen

Die Morphosys AG (Planegg) teilt mit, dass sie eine Übernahmevereinbarung über 2,7 Mrd. Euro mit der Schweizer Novartis Pharma AG geschlossen habe, die nun den Aktionären vorgelegt werden wird. Demnach zahlt Novartis 68 Euro je Aktie, was dem aktuellen Kurs entspricht, der durch die Gerüchte in den letzten zwei Tagen nach oben geschnellt war. Siehe Tagesmeldung.

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