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BioNTech: mRNA-Ansatz als Monotherapie scheitert endgültig

BioNTech beendet eine mRNA-Studie bei Darmkrebs und setzt damit genau das entgegengesetzte Signal wie Wochen zuvor der Konkurrent Moderna. Doch vergleichen lassen sich beide Ansätze nicht wirklich. Bei BioNTech ging es um eine mRNA-Monotherapie bei Darmkrebs, Moderna zeigte Ergebnisse aus einer Kombinationstherapie mit dem Checkpoint-Wirkstoff Keytruda von Merck/MSD. Die Börse reagierte jedoch prompt auf die Nachricht aus Mainz: die Aktie gab nach dem Anstieg als Beifahrer der Moderna-Meldung nun wieder deutlich Prozentpunkte ab.

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Nach der Nachricht, dass BioNTech eine Phase-II-Studie mit dem individualisierten mRNA-Krebsimmuntherapie-Kandidaten Autogene Cevumeran (BNT122), der gemeinsam mit Genentech/Roche bis zu diesem Stadium entwickelt worden war, bei Darmkrebs beendet, gab die Aktie nach. Für die große Onkologie-Strategie des Mainzer Unternehmens ist die Nachricht allerdings weniger dramatisch, als der erste Blick auf das Studienende vermuten lässt.

Denn die Studie adressierte eine sehr spezifische Frage: Kann ein personalisierter mRNA-Impfstoff allein – also ohne Kombination mit einem Checkpoint-Inhibitor oder einer anderen Immuntherapie – bei einer Hochrisikogruppe mit operiertem Darmkrebs einen zusätzlichen Nutzen gegenüber dem derzeitigen Vorgehen der kontrollierten Beobachtung erzielen?

Alleine ist einer zuwenig

Die Antwort fällt nach den nun vorliegenden Daten negativ aus. BioNTech hat die gemeinsam mit Genentech, einem Unternehmen der Roche-Gruppe, durchgeführte Phase-II-Studie BNT122-01 bei Patientinnen und Patienten mit chirurgisch entferntem Darmkrebs im Stadium II mit hohem Risiko oder Stadium III beendet. Eingeschlossen waren Patienten mit nachweisbarer zirkulierender Tumor-DNA (ctDNA), also mit einem molekularen Hinweis darauf, dass trotz Operation noch Tumorreste im Körper vorhanden sein könnten.

Das Studiendesign ist für die Einordnung entscheidend. Autogene Cevumeran wurde als Monotherapie getestet. Die Vergleichsgruppe erhielt keine zusätzliche medikamentöse Immuntherapie, sondern den derzeitigen Standard der kontrollierten Beobachtung, was als „watchful waiting“ bezeichnet wird. Untersucht wurde also, ob die gezielte Aktivierung des Immunsystems durch einen individuellen mRNA-Impfstoff allein ausreicht, um ein Wiederauftreten der Erkrankung zu verhindern.

Das ist eine deutlich andere Fragestellung als jene, die derzeit durch positive Daten anderer mRNA-Krebsimpfstoffe Aufmerksamkeit erhält. Dort steht insbesondere die Kombination mit Checkpoint-Inhibitoren im Vordergrund.

BioNTech wollte mit BNT122-01 vielmehr eine Art Grenztest durchführen: Kann mRNA bei einem Tumor, der von sich aus schlecht auf Immuntherapien anspricht, das Immunsystem ausreichend reaktivieren – und zwar ohne pharmakologische Unterstützung durch einen weiteren Immunmechanismus?

Darmkrebs gilt als biologisch heterogen und in vielen Fällen als immunologisch „kalt“. Solche Tumoren sprechen grundsätzlich schlechter auf Immuntherapien an und weisen häufig ein immunsuppressives Tumormikromilieu auf. Gerade deshalb besteht in dieser Patientengruppe ein hoher medizinischer Bedarf.

Die Studie lief bereits seit einem Jahr auf Bewährung

Ganz überraschend kommt das Studienende allerdings nicht. Bereits im Oktober 2025 hatte die Studie eine vorab definierte Grenze für mangelnde Erfolgsaussicht („futility boundary“) erreicht. Das unabhängige Data Safety Monitoring Board (DSMB) sah zu diesem Zeitpunkt jedoch noch keine ausreichende Datenreife, um eine belastbare Wirksamkeitsaussage zu treffen. Da zugleich keine Sicherheitsprobleme bestanden, wurde die Studie zunächst entsprechend dem Protokoll weitergeführt.

Bei der jüngsten Überprüfung der inzwischen weiter gereiften Daten stellte das DSMB nun ein numerisches Ungleichgewicht beim Gesamtüberleben zwischen den beiden Behandlungsarmen fest. Ganz konkret heißt das, dass unter der Therpie mehr Patienten verstarben als im anderen Behandlungsarm. Nach Einschätzung des Gremiums würde eine weitere Fortführung der Studie das Wirksamkeitssignal voraussichtlich nicht mehr verändern. Deshalb wurde empfohlen, die Behandlung einzustellen und die Studie zu beenden. Neue Sicherheitssignale wurden ausdrücklich nicht festgestellt.

Das ist somit kein Fall, in dem eine unerwartete Toxizität ein Programm zu Fall bringt. Die Erkenntnis betrifft vielmehr die Wirksamkeit dieser konkreten Behandlungsstrategie in dieser konkreten Patientengruppe.

Für die mRNA-Strategie ist das durchaus eine relevante Erkenntnis

BioNTech selbst wertet das Ergebnis entsprechend als wissenschaftliche Information über die Anforderungen an mRNA-Krebsimmuntherapien. Die Daten sollen helfen, künftig geeignete Patientenpopulationen und klinische Entwicklungsstrategien besser auszuwählen.

Das ist durchaus plausibel. Die Studie liefert einen Hinweis darauf, dass die Aktivierung einer individuellen Immunantwort durch einen mRNA-Impfstoff bei einem immunologisch kalten Darmkrebs als alleinige Intervention offenbar nicht ausreicht. Das bedeutet aber nicht, dass dieselbe Technologie in einem anderen biologischen Umfeld oder in Kombination mit einem weiteren Immunmechanismus nicht funktionieren kann.

Genau diese Unterscheidung wird für die weitere Bewertung der BioNTech-Pipeline entscheidend.

Denn die Entwicklung von Autogene Cevumeran ist keineswegs beendet. Bei Bauchspeicheldrüsenkrebs wird der Kandidat weiterhin in Kombination mit einem Checkpoint-Inhibitor und Chemotherapie untersucht. Diese Phase-II-Studie ist von der Entscheidung beim Darmkrebs ausdrücklich nicht betroffen und wird wie geplant fortgeführt.

Warten auf die nächsten klinischen Daten

Für BioNTech ist die Nachricht deshalb eher eine Differenzierung der eigenen Onkologie-Strategie als deren Widerlegung. Die Studie zeigt eine Grenze auf: Bei einem immunologisch kalten Darmkrebs reicht die mRNA-basierte Immunaktivierung allein offenbar nicht aus.

Damit erhalten die strategischen anderen Ansätze der Mainzer umso mehr Gewicht, man könnte auch sagen, die gesamte Hoffnung liegt nun umso stärker auf Pumitamig (BNT327). Dieser bispezifische Antikörper blockiert gleichzeitig PD-L1  und VEGF-A. Der Kandidat wird bereits in mehreren zulassungsrelevanten Studien, insbesondere bei Lungenkrebs, geprüft und ist damit deutlich weiter entwickelt als viele der mRNA-Programme. Sollte BNT327 in den Phase-III-Studien überzeugen, könnte sich zeigen, dass BioNTechs eigentliche Stärke künftig weniger in einer einzelnen Technologie als in der Kombination verschiedener Plattformen – von mRNA über bispezifische Antikörper bis zu ADCs – liegt.

Doch auch in diesem Bereich ist BioNTech zwar global im Führungstrio, doch das Tandem Summit/Akeso hat zumindest in China selbst bereits eine erste Zulassung erhalten. Die klinischen Daten aus dieser Phase III dürften für BioNTech sehr viel wegweisender sein als die aktuelle eigene Nachrichtenlage aus der mRNA-Welt.

Im Wettbewerb stehen mit leichten Varianten der eigentlichen Zielstrukturen:

Unternehmen

Bispezifischer Antikörper

BioNTech / BMS

PD-L1 × VEGF-A (Pumitamig)

Merck

PD-1 × VEGF

Summit / Akeso

PD-1 × VEGF (Ivonescimab)

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