
Immatics: Auffälliges Überlebenssignal bei PRAME-Bispezifikum
ESMO-Daten zu IMA402 zeigen Tumoransprechen bei vorbehandelten Melanompatienten. Eine Ein-Jahres-Überlebensrate von 91 Prozent klingt spektakulär, beruht aber auf einer kleinen, nicht randomisierten Patientengruppe und kurzer Nachbeobachtung. Wie sich die Wirkung auf längere Beoachtungs- und Behandlungszeiten niederschlägt kann man nur schwer vorhersagen.
Der Tübinger Krebsimmuntherapie-Spezialist Immatics hat auf dem ESMO-Kongress in Madrid aktualisierte klinische Daten zu zwei PRAME-gerichteten Wirkstoffkandidaten vorgestellt. Besonders hervorstechend ist das Überlebenssignal für den bispezifischen T-Zell-Aktivator IMA402: In einer Teilgruppe von Patienten mit fortgeschrittenem Melanom und hoher PRAME-Expression waren nach einem Jahr noch 91 Prozent am Leben. Der Median des Gesamtüberlebens war zum Auswertungszeitpunkt noch nicht erreicht.
Das ist ein ermutigendes Signal aber noch kein Beleg dafür, dass IMA402 das Leben der Patienten verlängert. Die Daten stammen aus einer laufenden Phase Ib-Studie ohne Kontrollgruppe. Zudem war die Nachbeobachtung für das Gesamtüberleben mit einem medianen Follow-up von 8,8 Monaten noch relativ kurz. Die Ein-Jahres-Rate ist daher eine frühe Schätzung und kein Vergleich mit einer etablierten Therapie.
IMA402: Ansprechen bei vorbehandeltem Melanom
Zum Stichtag 1. Juni 2026 hatten 126 Patienten mit verschiedenen fortgeschrittenen soliden Tumoren mindestens eine Infusion von IMA402 erhalten. Sie waren im Median bereits mit drei systemischen Therapielinien behandelt worden. Die Wirksamkeitsauswertung für den empfohlenen Dosisbereich der Phase 2 umfasste 40 Patienten; 31 davon wiesen eine hohe PRAME-Expression auf.
In dieser Auswertungsgruppe erreichte IMA402 eine bestätigte objektive Ansprechrate von 25 Prozent: Bei zehn von 40 Patienten schrumpften die Tumoren nach den Studienkriterien messbar. Die Krankheitskontrollrate lag bei 63 Prozent. In der Teilgruppe mit hoher PRAME-Expression betrug die bestätigte Ansprechrate 32 Prozent. Bei den 22 Melanompatienten dieser Gruppe sprachen sieben auf die Behandlung an. Die mediane Dauer des Ansprechens lag bei 12,5 Monaten; die längste noch anhaltende Remission bestand seit mehr als zwei Jahren.
Die Überlebensdaten beziehen sich ebenfalls auf die PRAME-hohe Melanomgruppe. Nach einem Jahr lebten laut Immatics noch 91 Prozent der Patienten. Zum Vergleich nennt das Unternehmen eine Ein-Jahres-Überlebensrate von 60 Prozent bei Patienten, die unterhalb des empfohlenen Dosisbereichs behandelt worden waren. Dieser Unterschied ist interessant, lässt sich aber nicht ohne Weiteres als Dosiseffekt oder Wirksamkeitsvorteil interpretieren: Die Dosisgruppen wurden nicht randomisiert miteinander verglichen und können sich auch hinsichtlich anderer Merkmale unterscheiden. Hinzu kommt die kleine Zahl von Patienten.
Auch die Ansprechrate ist einzuordnen: 32 Prozent bedeuten, dass sieben von 22 Patienten ein bestätigtes objektives Ansprechen zeigten – nicht, dass bei einem Drittel der Patienten eine Heilung erreicht wurde. Die Dauer des Ansprechens ist ein zusätzlicher Hinweis auf die mögliche klinische Relevanz, ersetzt aber ebenfalls keinen kontrollierten Wirksamkeitsnachweis.
Ein T-Zell-Aktivator gegen ein Tumorantigen
IMA402 gehört zu Immatics‘ TCER-Plattform. Der bispezifische Wirkstoff erkennt ein aus dem Tumorantigen PRAME stammendes Peptid, das über das HLA-Molekül HLA-A*02:01 auf der Zelloberfläche präsentiert wird, und bindet zugleich an CD3 auf T-Zellen. Dadurch sollen die Immunzellen Tumorzellen erkennen und angreifen. Voraussetzung für den Einsatz ist, dass die Tumorzellen das passende Peptid-HLA-Merkmal präsentieren; die PRAME-Expression allein reicht dafür nicht zwangsläufig aus.
Die Verträglichkeit bezeichnet Immatics als günstig. Zu den häufigsten behandlungsbedingten Nebenwirkungen zählten vorübergehende Lymphopenien und niedriggradige Zytokinfreisetzungssyndrome. Fälle des neurologischen Immuneffektorsyndroms ICANS sowie behandlungsbedingte Todesfälle wurden nach Unternehmensangaben nicht beobachtet. Die bislang begrenzte Zahl behandelter Patienten erlaubt allerdings noch keine abschließende Beurteilung seltener oder später auftretender Risiken.
Immatics will IMA402 in weiteren soliden Tumoren und in Kombination mit Immuncheckpoint-Inhibitoren untersuchen. Erste Daten für eine Kombination mit dem MAGEA4/8-gerichteten Bispezifikum IMA401 bei Lungenkrebs werden für 2027 erwartet. Das Unternehmen setzt zudem auf einen eigenen, blutbasierten Test zur Auswahl von Patienten mit hoher PRAME-Expression.
Zweiter Ansatz: PRAME-gerichtete Zelltherapie
Neben IMA402 präsentierte Immatics Daten zu IMA203CD8, einer personalisierten TCR-T-Zelltherapie. Hier werden T-Zellen der Patienten gentechnisch so verändert, dass sie PRAME-abgeleitete Peptide erkennen, und anschließend zurückgegeben. Die Therapie unterscheidet sich damit grundlegend vom bispezifischen Antikörper, der im Körper vorhandene T-Zellen aktiviert.
In der laufenden Phase-1-Studie waren zum Datenstichtag 7. August 2026 insgesamt 98 stark vorbehandelte Patienten eingeschlossen; 90 waren für die Wirksamkeit auswertbar. Über alle untersuchten Dosisstufen und Tumorarten hinweg lag die bestätigte Ansprechrate bei 41 Prozent. Diese Gesamtzahl schließt auch niedrigere Dosen ein, die nicht für die weitere klinische Entwicklung ausgewählt wurden.
In einer enger gefassten Gruppe von 20 Patienten mit gynäkologischen Tumoren, die mit klinisch relevanten Dosen behandelt worden waren, betrug die bestätigte Ansprechrate 55 Prozent. Die mediane Ansprechdauer lag bei 8,4 Monaten. Das mediane progressionsfreie Überleben betrug 5,8 Monate; für das Gesamtüberleben war der Median bei einer medianen Nachbeobachtung von 7,8 Monaten noch nicht erreicht. Auch diese Ergebnisse sind wegen der kleinen, nicht randomisierten Phase I-Population zunächst als frühe klinische Signale zu verstehen.

Biontech SE
Alentis Therapeutics
modifiziert nach https://www.nature.com/articles/s41467-026-69642-3/figures/1