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Millionenfinanzierung aggregiert: Seragy will Proteinaggregate messbar machen

Das Hannoveraner Unternehmen erhält 12 Mio. Euro für seine Biomarkerplattform SeRAS. Die Technologie soll nicht nur pathologische Proteinaggregate nachweisen, sondern auch ihre molekularen Eigenschaften quantifizieren. Das könnte die Entwicklung von Medikamenten gegen Alzheimer, Parkinson und andere neurodegenerative Erkrankungen unterstützen.

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Das niedersächsische Biotechnologieunternehmen Seragy will seine Technologie zur Analyse krankhafter Proteinaggregate ausbauen. Dafür stehen dem Unternehmen, das gerade seinen Namen geändert hat (früher Prosperodes) frische 12 Mio. Euro zur Verfügung. Die Finanzierung wird von der Commerzbank, der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Niedersachsen (MBG) und dem Land Niedersachsen getragen. Das Geld soll in zusätzliche Labor- und Analysekapazitäten sowie den Ausbau des Teams am Standort Hannover fließen. Darüber hinaus will Seragy seine Zusammenarbeit mit Pharma- und Biotechnologieunternehmen ausweiten.

Im Mittelpunkt steht die firmeneigene Plattform SeRAS (Seed Replication, Analysis and Subtyping). Sie soll molekulare Eigenschaften von Proteinaggregaten in Patientenproben erfassen und quantifizieren. Damit adressiert Seragy eine Herausforderung, die für die Entwicklung neuer Therapien gegen neurodegenerative Erkrankungen zunehmend relevant wird: Nicht nur der Nachweis krankhafter Proteinablagerungen ist entscheidend, sondern auch die Frage, welche molekularen Varianten vorliegen und wie sich diese im Krankheitsverlauf verändern.

Mehr als ein positiver oder negativer Befund

Bei Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson und amyotropher Lateralsklerose (ALS) spielen fehlgefaltete und aggregierte Proteine eine zentrale Rolle. Allerdings unterscheiden sich die molekularen Eigenschaften dieser Ablagerungen teilweise erheblich. Auch innerhalb einer Diagnose können unterschiedliche molekulare Ausprägungen vorkommen, die mit verschiedenen Krankheitsverläufen oder Therapieansätzen zusammenhängen könnten.

Herkömmliche Seed-Amplification-Assays nutzen die Fähigkeit krankhaft veränderter Proteine, die Aggregation weiterer Proteine anzustoßen. Durch die Verstärkung dieses Prozesses lässt sich in einer Probe nachweisen, ob entsprechende Aggregate vorhanden sind. Solche Verfahren können etwa bei der Untersuchung von Parkinson-assoziierten Proteinaggregaten helfen. Ihr Ergebnis liefert jedoch nicht automatisch ein quantitatives Bild der zugrunde liegenden molekularen Eigenschaften.

Hier setzt SeRAS an. Die Plattform verbindet die biochemische Amplifikation mit empfindlicher optischer Messung, automatisierter Datenanalyse, Softwarealgorithmen und mikromechanischen Komponenten. Der zugehörige MetisOne-Analysator soll quantitative und reproduzierbare Messungen ermöglichen. Aus den Signalen will Seragy molekulare Fingerabdrücke erstellen, mit denen sich Aggregationsmuster charakterisieren, Subtypen unterscheiden und biologische Veränderungen erfassen lassen.

Der Anspruch geht damit über einen diagnostischen Nachweis hinaus: Die Messdaten sollen als translationale Biomarker dienen, die Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung für die präklinische und klinische Arzneimittelentwicklung nutzbar machen.

Biomarker als Werkzeug für die Wirkstoffentwicklung

Für Pharmaunternehmen könnten solche Verfahren an mehreren Stellen der Entwicklungskette relevant werden. Biomarker helfen dabei, Krankheitsmechanismen besser zu verstehen, geeignete Patientengruppen zu identifizieren und biologische Effekte eines Wirkstoffkandidaten zu untersuchen. Bei heterogenen Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson könnten detailliertere molekulare Informationen zudem dazu beitragen, Unterschiede zwischen Patienten sichtbar zu machen.

Ob die von Seragy entwickelten Signaturen tatsächlich klinisch relevante Subtypen zuverlässig unterscheiden oder Therapieentscheidungen verbessern können, muss allerdings erst in entsprechenden Studien gezeigt werden. Ein quantitativer Messwert ist nicht automatisch ein klinisch validierter Biomarker. Entscheidend wird sein, wie gut sich die Ergebnisse reproduzieren lassen, welche biologische Bedeutung sie besitzen und ob sie mit Krankheitsverlauf oder Therapieansprechen zusammenhängen.

Seragy positioniert SeRAS als Plattform für Kooperationen mit Pharma- und Biotechnologieunternehmen. Das Geschäftsmodell setzt damit nicht allein auf ein eigenes Diagnostikum, sondern auch auf Dienstleistungen und Entwicklungsprojekte entlang der pharmazeutischen Wertschöpfungskette.

Rückenwind aus der Parkinsonforschung

Zusätzliche Unterstützung erhält das Unternehmen von der Michael J. Fox Foundation for Parkinson’s Research. Seragy gehört zu fünf Unternehmen, die im Rahmen des Seed Amplification Assay Innovation Program gefördert werden. Ziel ist die Entwicklung und Evaluierung eines quantitativen Biomarker-Assays für Parkinson.

Die Förderung ist ein weiteres Signal für das Interesse an Verfahren, die über den bloßen Nachweis krankhafter Proteinaggregate hinausgehen. Sie ist jedoch noch kein Beleg für die klinische Leistungsfähigkeit oder eine spätere Zulassung der Technologie.

Gegründet wurde das Unternehmen 2022 zunächst unter dem Namen Prosperodes. Heute bündelt die Seragy Holding das geistige Eigentum und die Lizenzierung, während die hundertprozentige Tochter Seragy Analytics operative Dienstleistungen und Projekte für Partner übernimmt. Hinter dem Unternehmen stehen die Wissenschaftler Christiane Ritter und Thorsten Lührs, die jeweils auf nahezu drei Jahrzehnte Erfahrung in der Proteinaggregationsforschung verweisen, sowie der Finanz- und Unternehmensentwicklungsexperte Arne Ungruh.

Mit der neuen Finanzierung will Seragy die Technologie aus dem Forschungsumfeld in weitere Anwendungen überführen. Für den Standort Niedersachsen ist das Vorhaben auch ein Beispiel dafür, wie spezialisierte Biotechnologieunternehmen wissenschaftliche Expertise, analytische Plattformtechnologie und industrielle Entwicklung miteinander verbinden. Der entscheidende nächste Schritt wird sein, den zusätzlichen Informationsgehalt der Messungen in belastbare Daten für die Medikamentenentwicklung zu übersetzen.

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