
Siegerentwurf für neuen Max-Planck-Campus in Martinsried ausgewählt
Der Anlauf zur Komplettsanierung der beiden Max-Planck-Institute im Süden Münchens war gewaltig: bereits 2018 hatten die Überlegungen zur Renovierung der in den 70er Jahren gebauten Institute begonnen, dann kam eine Pandemie dazwischen, manches Jahr ging dahin und nun also wurde der Sieger des Architektenwettbewerbes für die umfassende Neubauplanung und Modernisierung einiger Bestandsbauten bekannt gegeben. Geplant ist die Fertigstellung 2038, der Freistaat Bayern wird dafür 500 Mio. Euro bereitstellen. Über ein Jahrzehnt Forschung auf einer Großbaustelle wird bei allen Beteiligten Spuren hinterlassen.
Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) hat die nächste Etappe ihres größten Bauprojekts erreicht: Nach Abschluss eines mehrstufigen Planungswettbewerbs übernimmt das Stuttgarter Büro h4a Gessert + Randecker Architekten die Generalplanung für den neuen Max-Planck-Campus in Martinsried. Der Freistaat Bayern unterstützt den Neubau der beiden Max-Planck-Institute für Biochemie sowie für biologische Intelligenz mit bis zu 500 Mio. Euro.
Mit dem Wettbewerbsabschluss liegt erstmals ein konkretes städtebauliches Konzept für die Erneuerung des mehr als 50 Jahre alten Forschungsstandorts vor. Die bestehenden Gebäude gelten langfristig als nicht mehr geeignet, die technischen und infrastrukturellen Anforderungen moderner Lebenswissenschaften zu erfüllen. Eine Sanierung wurde als wirtschaftlich nicht sinnvoll bewertet.
Nicht alles wird abgerissen
Der Siegerentwurf sieht einen offenen Campus mit einem zentralen Hauptgebäude und einem großzügigen Landschaftspark vor. Die Forschungsgebäude sollen über einen umlaufenden Verbindungsweg, den sogenannten Loop, miteinander verknüpft werden. Der Neubau soll in mehreren Bauabschnitten entstehen. Dabei bleiben Teile der heutigen Institutsgebäude zunächst in Betrieb, während die ersten Neubauten bereits errichtet werden. Einige größere Gebäudekomplexe werden wohl auch auf dem neuen Campus in eine neue Lebensphase eintreten und davor eine gründliche Sanierung erfahren.
Die Entscheidung fiel nach einem rund eineinhalb Jahre dauernden Wettbewerbsverfahren. Von ursprünglich 48 Planungsteams wurden zunächst 15 zum Wettbewerb zugelassen, sechs Entwürfe gelangten in die zweite Runde. Nach einer Überarbeitung der beiden bestplatzierten Konzepte entschied sich die Jury für den Entwurf von h4a.
Der neue Campus soll künftig die Forschungs-, Verwaltungs- und Infrastruktureinrichtungen der beiden Max-Planck-Institute zusammenführen und zugleich Raum für künftige Entwicklungen schaffen. Nach Angaben der MPG stehen dabei flexible Forschungsflächen, nachhaltige Bauweise sowie eine stärkere Vernetzung innerhalb des Martinsrieder Life-Science-Campus im Mittelpunkt.

Näher zur U-Bahn
Wer den heutigen Campus kennt, kann sich die wesentliche Änderung als ein Heranrücken der Max-Planck-Institute an die neue U-Bahn-Endhaltestelle vorstellen. Die Linie, die ab 2028 nun endgültig im „Regelbetrieb“ den Forschungscampus Garching der TU München mit dem Wissenschaftscampus von MPG und LMU in Martinsried-Großhadern verbinden wird. Dazu wird ein neuer zentraler Forschungskomplex südlich des Innovations- und Gründerzentrums IZB auf der grünen Wiese errichtet, die Straßenführung leicht modifiziert und in lockerer Anordnung ein Reihe weiterer Forschungsbauten in den folgenden Bauabschnitten errichtet werden.
Das IZB liegt jedoch wie eine Art Riegel vor der geplanten U-Bahn-Station, so dass sich eine ganz offene Sichtachse zu den Max-Planck-Instituten nicht leicht einstellen dürfte. Doch viele der weiteren Bauten seien in ihrer Nutzung noch nicht endgültig festgelegt, die Detailplanung beginne sowieso erst jetzt richtig, hieß es auf der politisch hochrangig besuchten kleinen Feier zur Bekanntgabe des ausgewählten Planungsbüros.
Jahre kommen und gehen
Für eine Forschungseinrichtung wie die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) scheint Zeit relativ zu sein. Bereits 2021 hatte der bayerische Freistaat die Absichtserklärung unterzeichnet, den neuen Campus mit bis zu 500 Mio. Euro zu unterstützen. Doch für die MPG hatte eine Neustrukturierung der Institutslandschaft Vorrang bei der das bisherige MPI für Ornithologie (Seewiesen) mit dem MPI für Neurobiologie (Martinsried) zum MPI für biologische Intelligenz fusionierte, was 2022 erfolgte. Gemeinsam mit dem am gleichen Standort agierenden MPI für Biochemie konnte dann erst in die nähere Diskussion zu Bedarf und Ausrichtung einer Neubauplanung und der Organisation eines Wettbewerbes eingetreten werden.
Dieser Wettbewerb startete schließlich 2024 und fand nach mehreren Auswahlstufen in einer ersten Prämierung zwei gleichwertige Gewinner-Entwürfe. Nach Überarbeitung konnte nun, acht Jahre nach der Erkenntnis, dass ein Neubau notwendig sei, das Planungsbüro ausgewählt werden. Der Zeitplan sieht nun vor, dass etwa 2028 der erste Bauabschnitt beginnt, der Anfang der 2030er Jahre das zentrale Institutsgebäude zur Nutzung freigeben soll. Damit könnten ersten Umzüge die Gebäude frei machen, die dann ausgiebig renoviert werden sowie weitere Neubauten in weiteren Bauabschnitten folgen lassen. Etwa 2038 – so der aktuelle Zeitplan – könnte der neue Max-Planck-Campus seine neue Gestaltung vollzogen haben.
Dilemma Berufungen – und die liebe Nachbarschaft
Bei der Bekanntgabe des Gewinners im Planungswettbewerb war die Presse zwar eingeladen, es waren jedoch keine Fragen zugelassen. So konnte nicht nachgefragt werden, ob man eine Vorstellung habe, welchen Einfluss eine solche Großbaustelle auf zukünftige Berufungsverfahren haben und ob dies eher abschreckend wirken könnte. Die jetzigen Forscher am Campus haben zwar eigene Nutzervertreter in die Campusplanung delegiert, doch dort geht es dem Anschein nach eher um die räumlichen Planungen und funktionale Nutzung bei laufendem Forschungsbetrieb. Doch schon die langjährige U-Bahn-Baustelle vor der Türe schränkt das Lebensgefühl der Forscher, der Studenten und der Beschäftigten in den Biotech-Unternehmen im IZB ein, hört man immer wieder. Verlieren die Institute also gerade trotz der regelmäßig attestierten Spitzenleistungen im internationalen Wissenschaftsbetrieb an Anziehungskraft, wenn dort der Presslufthammer zum regelmäßigen Begleiter der Forschungsarbeit wird?
Ob die MPG diese Gefahr sieht oder dem aktiv entgegenwirken will, war bisher nicht herauszuhören, noch zu fern scheint der konkrete Start von Bautätigkeit, Baulärm, Erschütterungen, Staub und Verkehrsbehinderungen zu sein. Doch nicht immer scheint die Forschungsgesellschaft nahe an nur allzu menschlichen Gefühlswelten zu sein oder diese für relevant zu halten. So hatte es großen Wirbel um ein geplantes neues Datenzentrum der Institute in Martinsried gegeben, bei dessen Größenordnung sich die Gemeindeverwaltung regelrecht überfahren fühlte und mit einem barschen „Nein“ auf die Nichteinbindung reagierte.
Der Vorfall hat jedoch wohl für ein Umdenken im MPG-Bauplanungsstab gesorgt. Nun wurde eigens eine Agentur ausgewählt und beauftragt, die Kommunikation mit der Bevölkerung vorausschauend zu planen und mit einer Krisenpräventionsstrategie solche Missstimmung bei privaten Nachbarn und den weiteren Institutionen in der Umgebung durch frühe Einbeziehung und Einladung zur Mitwirkung zu vermeiden. Die Wogen scheinen geglättet, der neue Bürgermeister von Planegg-Martinsried freute sich mit den anderen politischen Vertretern über die Präsentation des Planungsmodells.
Im Foto von links nach rechts: Angelika Malinowski, Leiterin der Bauabteilung der MPG; Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger; Prof. Kikuë Tachibana, Geschäftsführende Direktorin des MPI für Biochemie; Wissenschaftsminister Markus Blume; Ministerpräsident Dr. Markus Söder; Prof. Patrick Cramer, Präsident der MPG; Dr. Felix Kempf, Bürgermeister von Planegg; Prof. Manfred Gahr, Geschäftsführender Direktor des MPI für biologische Intelligenz & Martin Gessert, Geschäftsführer von h4a Gessert + Randecker Architekten
Alle Wettbewerbsbeiträge werden bis Oktober 2026 im Foyer der beiden Institute in Martinsried ausgestellt.

IZB
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