Fraunhofer IZI

Mehr als ein Cluster

Lebende Arzneimittel aus Sachsen: Mit ­diesem Anspruch ist SaxoCell® 2021 gestartet. Fünf Jahre später zeigt der Zukunftscluster, wie aus Forschung klinische Entwicklung wird – und wie Sachsen im Feld der Zell- und Gentherapien an Profil gewinnt.

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Als das Dresdner Biotech-Unternehmen Seamless Therapeutics Anfang 2026 eine Forschungs- und Lizenzvereinbarung mit Eli Lilly bekanntgab, rückte Sachsen wieder einmal international in den Blick. Im Mittelpunkt stehen programmierbare Rekombinasen – an der TU Dresden entwickelte Werkzeuge, mit denen sich genetisch verankerte Krankheiten besonders präzise korrigieren lassen. Das mögliche Gesamtvolumen der Kooperation liegt bei mehr als einer Milliarde US-Dollar.

Der Deal steht für eine Entwicklung, die in Sachsen seit Jahren an Tempo gewinnt: Forschung findet schneller Anschluss an klinische Anwendung und industrielle Partner. Eine wichtige Rolle spielt dabei SaxoCell®, der Zukunfts- und Innovationscluster für Zell- und Gentherapien (ZGT).

Lebende Arzneimittel aus Sachsen

ZGT gehören zu den anspruchsvollsten Bereichen der modernen Medizin. Anders als klassische Arzneimittel bestehen sie aus lebenden Zellen oder greifen korrigierend gezielt in genetische Prozesse ein. In der Fachwelt hat sich dafür längst ein Begriff etabliert: Living Drugs – lebende Arzneimittel.

„Living Drugs Made in Saxony“ beschreibt, worauf SaxoCell® hinarbeitet. 2021 wurde der Cluster als einer von sieben Zukunftsclustern der Clusters4Future-Initiative des BMFTR ausgewählt. Bundesweit waren 137 Bewerbungen eingegangen. Die erste Förderphase lief bis 2024, die zweite reicht bis 2027. In beiden Phasen stehen jeweils rund 15 Mio. Euro öffentliche Förderung zur Verfügung.

Sachsen brachte dafür gute Voraussetzungen mit: starke Universitäten, erfahrene Kliniken, das Fraunhofer IZI und 23 Industriepartner. SaxoCell® verbindet diese Kräfte, damit neue Therapien früher auf Herstellung, Prüfung und Anwendung am Patienten hin gedacht werden.

In Leipzig ist dieser Übergang tägliche Praxis. Das Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie IZI betreibt Deutschlands größte akademische Herstellungsstätte für zellbasierte Therapeutika und zählt zu den erfahrensten Einrichtungen Europas für die GMP-konforme Herstellung von CAR-T-Zelltherapien. Mehr als 4.500 Zellprodukte wurden dort bereits hergestellt und freigegeben, darunter über 700 CAR-T-Zellprodukte. Diese Erfahrung zeigt früh, welche Ansätze sich tatsächlich in ein Produkt übersetzen lassen.

„Innovative Zelltherapien entstehen nicht in einem einzelnen Labor. Entscheidend ist, dass Entwicklung, Herstellung und klinische Anwendung eng miteinander verzahnt sind. Genau diese Strukturen haben wir in Sachsen aufgebaut. Daraus entstehen ­heute die Projekte, die den Weg zum ­Patienten finden.“ Ulrike Köhl, Sprecherin von SaxoCell® und Institutsdirektorin des Fraunhofer IZI

Auch klinisch ist die Region weit. Im sächsischen Kliniknetzwerk (Universitätsklinika Leipzig und Dresden sowie Klinikum Chemnitz) werden derzeit über 200 CAR-T-Zell-Therapien pro Jahr durchgeführt. Forschung bleibt damit nah an der Versorgung und trifft auf Patientengruppen, für die neue Behandlungswege gebraucht werden.

SaxoCell® gewann früh wertvolle Industriepartner. Unternehmen wie Miltenyi Biotec oder Wacker Biotech bringen Erfahrung in Zellverarbeitung, Automatisierung und biopharmazeutischer Herstellung in das Netzwerk ein. Solches Wissen wird wichtiger, wenn Zell- und Gentherapien besser herstellbar und langfristig bezahlbar werden sollen.

Von der Plattform zur Therapie

Die Projekte im Cluster greifen zentrale Herausforderungen des Feldes auf. Bei CAR-T-Zellen geht es darum, Immunzellen so zu verändern, dass sie kranke Zellen gezielter erkennen. Bisher werden viele dieser Therapien individuell hergestellt. SaxoCell® arbeitet unter anderem an Ansätzen, die schneller verfügbar und besser steuerbar werden könnten.

Andere Arbeiten richten sich auf natürliche Killerzellen oder Makrophagen. Beide Zelltypen gehören zum Immunsystem und könnten neue Wege eröffnen, wenn klassische Zelltherapien an Grenzen stoßen. Bei schweren Entzündungsreaktionen werden außerdem Zellen aus Nabelschnurgewebe untersucht, die überschießende Immunantworten beruhigen sollen.

Eine CAR-T-Zelltherapie für solide Tumore zeigt, wie weit einige Entwicklungen bereits gekommen sind. Für ihre Weiterentwicklung wurden rund 10 Mio. Euro zusätzlich eingeworben. Die Produktfreigabe erfolgte 2025, erste Patientinnen und Patienten wurden bereits behandelt.
Wie nah Forschung und Herstellung im SaxoCell®-Umfeld beieinanderliegen zeigt Palintra®. Der in Leipzig entwickelte Wirkstoffkandidat soll schwere Abstoßungsreaktionen nach Stammzelltransplantationen verhindern. 2024 gelang am Fraunhofer IZI ein wichtiger Herstellungsschritt unter GMP-Bedingungen.

Besonders sichtbar bleibt die Arbeit von Frank Buchholz (Universität Dresden) und seinem Team an programmierbaren Rekombinasen. Aus Sachsen kamen bereits in der Historie immer wieder Ideen mit internationaler industrieller Relevanz. Mit Seamless Therapeutics setzt sich diese Linie nun auch im Feld der Zell- und Gentherapie fort.

Was bleibt nach der Förderphase?

Fünf Jahre nach dem Start lässt sich die Entwicklung nicht mehr nur an Publikationen ablesen. Mehr als 20 Patentanmeldungen, über 75 wissenschaftliche Veröffentlichungen, vier Ausgründungen und zwei Unternehmensansiedlungen gehen bislang auf das Clusterumfeld zurück. Hinzu kommen zusätzliche Fördermittel und Kooperationen mit der Industrie.

SaxoCell® arbeitet auch daran, die richtigen Kontakte herzustellen. Der Investors Club bringt junge Unternehmen mit Kapitalgebern zusammen, die SaxoCell® Forums öffnen den Dialog mit Politik, Gesundheitswesen und Industrie. Für ein Feld wie ZGT sind solche Formate wichtig, weil gute Forschung oft am nächsten Schritt scheitert.

Viele Forschungsverbünde verlieren an Kraft, sobald Förderprogramme auslaufen. SaxoCell® baut deshalb Strukturen für die Zeit danach auf. Ein wichtiger Schritt war 2023 die Gründung des SaxoCell® e.V. Der Verein öffnet das Netzwerk für Partner, die nicht direkt Teil der Förderung sind, aber an Zell- und Gentherapien mitarbeiten wollen. Er bietet Zugang zu wissenschaftlichen Entwicklungen, klinischer Expertise, GMP-Infrastruktur und neuen Projektideen.

Die erste eigens veranstaltete SaxoCell® Konferenz im Juni 2026 in Dresden zeigte außerdem, wie groß das Interesse tatsächlich geworden ist. Die Resonanz übertraf die Erwartungen der Organisatoren bei Weitem.

Die nächsten Jahre werden zeigen, wie viele Ansätze aus Sachsen den Weg in Studien und industrielle Entwicklung schaffen. Der Lilly-Deal hat Anfang 2026 vorgeführt, welches Potenzial entstehen kann, wenn Forschung, Klinik und Unternehmen langfristig zusammenarbeiten. SaxoCell® hat aus diesem Zusammenspiel eine ernstzunehmende Adresse für lebende Arzneimittel aus Sachsen gemacht und für Partner, die langfristig ihren Weg in die Anwendung mitgestalten wollen.

Kontakt
SaxoCell® Cluster
Fetscherstraße 105
01307 Dresden
E-Mail: info@saxocell.de

Dieses Advertorial ist Teil des Cluster-Spezials in |transkript 2/2026.

SaxoCell® kompakt

SaxoCell® wurde 2021 aus 137 Bewerbungen als einer von sieben Clusters4Future-Zukunftsclustern ausgewählt. Die erste Förderphase lief von 2021 bis 2024, die zweite bis 2027; pro Phase stehen rund 15 Mio. Euro öffentliche Förderung zur Verfügung. Zum Netzwerk gehören die Technische Universität Dresden, die Universität Leipzig, die Unikliniken Dresden und Leipzig, das ­Klinikum Chemnitz, das Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie IZI und 23 Industriepartner. Bisher entstanden mehr als 20 Patent­anmeldungen, über 75 Publikationen, vier Spin-offs und zwei Ansiedlungen. Am Fraunhofer IZI wurden bereits mehr als 700 CAR-T-Zellprodukte hergestellt. Der SaxoCell e.V. öffnet das Netzwerk über die Förderlaufzeit hinaus.

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