Joe Biden mit starker Biotechnologie-Agenda

Präsident Joe Biden hat für die USA mehrere Milliardenprogramme für die Biotechnologie und die Lebenswissenschaften ausgerufen. Einerseits revitalisiert er sein eigenes "Moonshot"-Programm im Kampf gegen den Krebs, andererseits legt die US-Regierung ein Zwei-Milliarden-Programm für den Bereich des Biomanufacturing auf, das bis in die Qualifizierung von Fachkräften reicht.

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Die Ankündigungen am Montag und ein Nationales Gipfeltreffen am Mittwoch folgten Schlag auf Schlag und machen deutlich: Die USA geben bei Biotechnologie noch einmal kräftig Gas. Am Montag hatte Biden quasi auf "Neustart" für das Moonshot-Programm gedrückt, das er 2016 als Vizepräsident als erstes Krebs-Moonshot-Programm ins Leben rief. Im Jahr zuvor war sein Sohn Beau an einem aggressiven Hirntumor verstorben.

Nun rief Biden die Amerikaner erneut dazu auf, zusammenzuarbeiten, um die Zahl der Krebstoten zu verringern. "Das Ziel ist es, die Krebstodesrate in den nächsten 25 Jahren um mindestens 50 Prozent zu senken", sagte Biden. "Ich rufe den privaten Sektor auf, neue Behandlungen zu entwickeln und zu testen, Medikamente erschwinglicher zu machen, mehr Daten und Wissen zu teilen, die die Öffentlichkeit informieren und der Forschung jedes Unternehmens zugute kommen können. Und ich appelliere an die Menschen, die mit Krebs leben, sowie an ihre Betreuer und Familien, ihre Erfahrungen mitzuteilen und sich für den Fortschritt einzusetzen." Dieser nun wiederbelebte Cancer Moonshot wurde kürzlich mit einer ersten Tranche von 215 Mio. US-Dollar als Teil eines fünfjährigen Zuschusses in Höhe von 1,1 Mrd. US-Dollar ausgestattet, um das erste Jahr von drei nationalen Programmen zu finanzieren, die sich um die Prävention, Erkennung/Diagnose und Kontrolle von Krebs drehen sollen. Zudem hat Biden drei Ärzte für eine dreijährige Amtszeit in sein "Krebskabinett" berufen: die Vorsitzende Elizabeth Jaffee, stellvertretende Direktorin des Krebszentrums von Johns Hopkins und frühere AACR-Präsidentin, Mitchel Berger, Direktor des Hirntumorzentrums der UCSF, und Carol Brown, Onkologin, SVP und Chief Health Equity Officer am Memorial Sloan Kettering Cancer Center.

Die Rede fand inmitten eines ereignisreichen Tages statt, an dem die Biden-Administration zahlreiche Ankündigungen zum Thema Wissenschaft und Biotechnologie machte: von neuen Plänen, die darauf abzielen, die heimische Bioproduktion durch neue Schulungs- und Ausbildungsprogramme zu fördern, über eine Durchführungsverordnung, die eine neue Genomdaten-Initiative ins Leben rufen und Reformen der Regulierungsbehörden in Betracht ziehen wird, bis hin zur Bekanntgabe der Ernennung von Renee Wegrzyn, Vizepräsidentin für Geschäftsentwicklung bei Ginkgo Bioworks, zur ersten Direktorin der Advanced Research Projects Agency for Health (ARPA-H), die sich in der risikoreicheren biopharmazeutischen Forschung und Entwicklung engagieren soll.

Auf dem folgenden Gipfeltreffen zur Biotechnologie und Bioproduktion am Mittwoch wurde unter der Leitung des Nationalen Sicherheitsberaters Jake Sullivan mit dem Gesundheitsminister, der Energieministerin, dem Verteidigungsministerium, dem Landwirtschaftsministerium,  der Handelsministerin, der Nationalen Wissenschaftsstiftung sowie Senatoren und Abgeordneten ein Programm auf den Weg gebracht, das mit einer Finanzierung von mehr als 2 Milliarden Dollar eine nationale Initiative für Biotechnologie und Bioproduktion vorsieht, um "die Preise zu senken, gute Arbeitsplätze zu schaffen, die Versorgungsketten zu stärken, die Gesundheitsergebnisse zu verbessern und die Kohlenstoffemissionen zu verringern".

Um nur eine Facette zu beleuchten: Interessanterweise ist es das US-Verteidigungsministerium, das das Programm Tri-Service Biotechnology for a Resilient Supply Chain (Tri-Service-Biotechnologie für eine widerstandsfähige Versorgungskette) mit einer Investition von mehr als 270 Mio. US-Dollar über fünf Jahre anschiebt, um Forschung schneller in Produkte umzusetzen und die fortgeschrittene Entwicklung biobasierter Materialien für die Versorgungskette im Verteidigungsbereich zu unterstützen, wie Kraftstoffe, feuerfeste Verbundstoffe, Polymere und Harze sowie Schutzmaterialien. Ebenfalls vom Department of Defense gesteuert, wird über einen Zeitraum von fünf Jahren 1 Mrd. Dollar in die inländische bioindustrielle Produktionsinfrastruktur investiert, um "den Aufbau einer inländischen bioindustriellen Produktionsbasis zu fördern, die für US-Innovatoren zugänglich ist", wie es im Briefing des Weißen Hauses dazu heißt. Diese Unterstützung solle Anreize für Partner aus dem privaten und öffentlichen Sektor bieten, um die Produktionskapazitäten für Produkte zu erweitern, die sowohl für die kommerzielle als auch für die militärische Lieferkette wichtig sind, wie beispielsweise kritische Chemikalien.

Deutlicher Schwerpunkt auf Bioproduktion
Insgesamt wird man sich die Begriffe BioMADE und BioFabUSA sowie die neuen BioFab Foundries wohl merken müssen. Hier wird regelrecht ein Hebel umgelegt in Richtung Biomanufacturing in allen Industriebereichen. Die Manufacturing-Institute BioFabUSA und BioMADE (vom Verteidigungsministerium ins Leben gerufen) und NIIMBL (vom Handelsministerium ins Leben gerufen) werden ihre Industriepartnerschaften ausbauen, um die Kommerzialisierung in den Bereichen regenerative Medizin, industrielle Bioproduktion und Biopharmazeutika zu ermöglichen. So wird das NIIMBL beispielsweise eine Initiative zur Bioproduktion starten, die die 200 Partner des Instituts aus Industrie, Hochschulen, gemeinnützigen Organisationen und Bundesbehörden einbinden wird, um die Technologie zur Bioproduktion zu entwickeln, die für einen besseren Zugang der Patienten zu Gentherapien erforderlich ist. BioMADE wird Knotenpunkte einrichten, die eine gerechte regionale Entwicklung unterstützen, landesweit Arbeitsplätze schaffen und die Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Wirtschaft verbessern. BioFabUSA baut die BioFab Foundries auf, eine einzigartige Einrichtung in den USA, die Technik, Automatisierung und Computertechnik mit Biologie verbindet. Die BioFab Foundries werden für US-Innovatoren zugänglich sein, um die Herstellung präklinischer und klinischer Produkte im Frühstadium zu ermöglichen.

Lesenwerte Lektüre für jeden strategischen Biotechnologie-Agenda-Befürworter, das White House Statement von Joe Biden. Dennoch muss man auch konstatieren: für die US-Strategie, die Halbleiterproduktion aus Asien in die USA zurückzuholen, legt die US-Regierung ein 54-Milliarden-Programm auf.

©|transkript.de/gkä

Anlagenbauer Exyte: Zuwachs in USA, Rückgang in Asien

Der Stuttgarter Anlagenbauer Exyte GmbH, mit 100-jähriger Tradition in Engineering und Bereitstellung von ultrareinen Anlagen für die Hightech-Industrie, verzeichnete im Geschäftsjahr 2023 ein starkes Wachstum in Europa und den USA. Während sich in den USA der Umsatz sogar verdoppelte, sank er in Asien um rund 24% – auch wegen der Rückverlagerung von Produktion.

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