
Bundeskabinett beschließt Startup- und Scaleup-Strategie
Das Bundeskabinett hat die angekündigte Startup- und Scaleup-Strategie verabschiedet. Mit rund 150 Maßnahmen will die Bundesregierung die Rahmenbedingungen für innovative Unternehmen von der Gründung bis zur internationalen Expansion verbessern.
Das Bundeskabinett hat die angekündigte Startup- und Scaleup-Strategie verabschiedet. Mit rund 150 Maßnahmen will die Bundesregierung die Rahmenbedingungen für innovative Unternehmen von der Gründung bis zur internationalen Expansion verbessern. Im Mittelpunkt stehen der Abbau bürokratischer Hürden, bessere Finanzierungsmöglichkeiten – insbesondere in der Wachstumsphase –, ein erleichterter Technologietransfer aus der Wissenschaft sowie stärkere Anreize für private und öffentliche Wagniskapitalinvestitionen.
Viele Baustellen im Gründungsdschungel und Schwerpunkt bei Verteidigung
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche bezeichnete die Strategie als Grundlage für die „nächste Generation deutscher Weltmarktführer“. Ziel sei es, Gründungen zu erleichtern, das Wachstum junger Unternehmen zu beschleunigen und innovative Technologien langfristig in Deutschland zu halten. Erstmals berücksichtigt die Bundesregierung dabei ausdrücklich auch Start-ups aus der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie.
Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums flossen rund 300 Stellungnahmen aus der Startup-Szene sowie die Ergebnisse von zehn Workshops in die Ausarbeitung ein. Die Umsetzung der Maßnahmen soll noch in dieser Legislaturperiode beginnen und durch jährliche Fortschrittsberichte begleitet werden. Ein Schwerpunkt des Papiers liegt auf Verteidigung und Sicherheit. Für Firmen aus diesem Sektor soll der Kapitalzugang verbessert werden. Die Bundesregierung will sich erstmals direkt an Start-ups beteiligen, die Waffen herstellen. Außerdem sollen militärische Start-ups die gleiche Förderung wie andere bekommen.
Ein weiterer Fokus der Maßnahmen liegt auf technologiegetriebenen Start-ups. Die sind bei Investoren – neben dem Bereich Verteidigung – besonders beliebt, wie das aktuelle Start-up-Barometer der Beratungsgesellschaft EY zeigt. Die Bundesregierung reagiert auf diese Marktrealität, indem sie ein spezielles Direktbeteiligungsvehikel für Start-ups aus der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie auflegt und den Zugang zu öffentlichen Aufträgen für junge Technologiefirmen erleichtert.
Zustimmung und viel Kritik
Der starke Fokus auf Verteidigung und Waffen-Start-ups ist zugleich der Punkt, gegen den die stärkste Kritik aufbrandete. Warum denn die gerade noch hervorgehobenen „sozialen Gründungsvorhaben“ überhaupt keine Rolle mehr spielen, fragt etwa der einschlägige Verband SEND e.V., der Bundesverband für Social Entrepreneurship in Deutschland. Auch der Verband der Business Angel beklagt sich und sieht die fast ausschließliche Förderung von Venture-Kapital als Finanzierungsinstrument in der Bundesstrategie „an den Gründungsrealitäten vorbei“. Gerade die erfahrenen Investoren, die mit ihrem privaten geld und Know-How Gründungen anschieben, könnten auf viel mehr nachhaltig erfolgreiche Unternehmen verweisen als die VC-Gesellschaften.
Fachkommentare aus dem Bereich der Bioökonomie und Nachhaltigkeit kritisieren zudem, dass bestehende europäische Instrumente wie der Europäische Nachhaltigkeitsfonds (ECBF) in der Strategie kaum Beachtung finden, dass die Fokussierung auf Verteidigung gar ein „Klumpenrisiko“ darstelle. Aus der Gründerszene selbst gibt es auch viele positive Stimmen, dass die richtigen Stellschrauben herausgearbeitet worden seien. Jedoch fragt man sich dort, warum etwa über das einstige Projekt „Gründung in 24 Stunden“ nun kein einziges Wort mehr in der Strategie zu finden sei. Auch das „Gründen aus dem Beruf, als Nebentätigkeit“ sei nicht im Blickfeld der Politik gelandet, obwohl ein großer Teil der Gründungen von Berufstätigen erfolgt, die jedoch keinen formalen Zugang zu Förderprogrammen haben.
Rekord an Gründungen
Die Strategie trifft auf aktuelle Rekordzahlen bei Gründungen in Deutschland. Deutschland verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 mit 3.053 Start-up-Gründungen einen historischen Rekord. Treiber dieses starken Anstieges (+ 52% im Vergleich zum Vorjahr) sind der KI-Boom, der alleine mit über 1.000 Gründungen (34% aller Gründungen) zu Buche schlägt. Bayern liegt mit 626 Gründungen vorn, gefolgt von Nordrhein-Westfalen (539) und Baden-Württemberg (377). Der Stadtstaat Hamburg verzeichnet mit 212 Gründungen ein gewaltiges Plus gemessen an der Bevölkerung.
Wenn eine Strategie rund 150 Maßnahmen entdeckt, die notwendig sind, um den Gründungs- und Wachstumsbereich von Unternehmen zu verbessern, sieht man jedoch auch, wie viel hier im Argen liegt, wieviele Stellschrauben zu drehen sind und dass es offensichtlich einen Dschungel an Behinderungen gibt. Ob die Strategie die Erwartungen der Innovationsszene erfüllt, dürfte sich daher erst in den kommenden Monaten zeigen. Viele der angekündigten Maßnahmen waren bereits in den vergangenen Jahren Gegenstand politischer Diskussionen. Zudem verweisen Verbände und Unternehmen darauf, dass zentrale Herausforderungen für innovationsintensive Branchen – etwa im Bereich Biotechnologie, Medizintechnik oder Deep Tech – über bessere Start-up-Finanzierung hinausgehen. Kritiker bemängeln unter anderem fehlende Impulse für spätere Finanzierungsrunden, den Ausbau industrieller Produktionskapazitäten, regulatorische Beschleunigungen sowie eine stärkere Unterstützung etablierter mittelständischer Innovationsunternehmen, die häufig als Partner oder erste Kunden von Start-ups fungieren.
Entsprechend wird die Strategie nun daran gemessen werden, wie schnell aus den angekündigten Maßnahmen konkrete Verbesserungen werden. Dass mit der Strategie „noch in dieser Legislatur begonnen“ werden soll, lässt nicht unbedingt vermuten, dass es mit der Umsetzung in hohem Tempo vorangeht.

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