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Fortschritte bei Herzmuskel-Stammzellen: Hoffnung für Insuffizienz-Patienten?

Die aktuelle Veröffentlichung klinischer Phase I/II-Daten aus der BioVAT-HF-Studie gibt erste klinische Hinweise auf eine funktionelle Myokard-Regeneration. Daran beteiligt ist auch das Biotechnologie-Unternehmen Repairon aus Göttingen.

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Die Daten aus einer aktuellen Studie im New England Journal of Medicine (Zimmermann et al., 2026, DOI: 10.1056/NEJMoa2513525) markieren einen wichtigen, aber vorsichtig zu interpretierenden Schritt in der Entwicklung regenerativer Herztherapien. Das damit verbundene deutsche Biotech-Unternehmen Repairon (Göttingen) berichtet erstmals klinische Hinweise darauf, dass implantiertes, aus Stammzellen gewonnenes Herzmuskelgewebe bei Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz strukturell und funktionell in das geschädigte Myokard integriert werden kann.

Die Ergebnisse reihen sich in eine mehr als zwei Jahrzehnte andauernde Entwicklungslinie ein, in der verschiedene Ansätze mit Herzmuskelzellen, Stammzelltherapien und Tissue-Engineering bislang überwiegend an begrenzter Integration, fehlender elektrischer Kopplung oder unzureichender klinischer Wirksamkeit gescheitert waren. Während frühere Studien häufig nur geringe funktionelle Verbesserungen oder inkonsistente Effekte zeigten, adressiert der BioVAT-Ansatz nun eine zentrale Limitation der bisherigen Regenerationsstrategien: die fehlende strukturelle und funktionelle „Gewebeintegration“ im menschlichen Herzen.

Vom Zellansatz zum Gewebepatch

Die BioVAT-HF-Studie untersucht implantierbare Herzmuskel-Patches, die aus terminal differenzierten Kardiomyozyten hergestellt werden. Diese wurden wiederum aus humanen induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen) gewonnen. Anders als frühere Ansätze mit einzelnen Zellinjektionen verfolgt die Technologie einen gewebebasierten Ansatz: funktional vorkonstruierte, schlagfähige Herzmuskelareale werden direkt auf den geschädigten linken Ventrikel appliziert.

Diese Strategie adressiert ein zentrales Problem früherer Zelltherapien: Einzelne Zellen überleben im ischämischen Myokard nur begrenzt, integrieren sich schlecht und bilden häufig keine stabile elektromechanische Einheit mit dem Wirtsgewebe. Präklinische Arbeiten der Arbeitsgruppe um Wolfram-Hubertus Zimmermann hatten jedoch bereits gezeigt, dass größere, vaskularisierte Gewebestrukturen prinzipiell in der Lage sind, sich an das bestehende Myokard anzulagern, durchblutet zu werden und synchron zu kontrahieren.

Klinische Signale: strukturelle Remuskularisierung

Die nun publizierten Daten aus der frühen klinischen Phase umfassen 20 behandelte Patienten mit terminaler Herzinsuffizienz (HFrEF), von denen 16 die maximale sichere Dosis erhielten. Die Nachbeobachtungszeiträume umfassen bis zu 52 Monate.

Im Fokus der NEJM-Publikation stehen erste Hinweise auf strukturelle und funktionelle Veränderungen:

  • Zunahme der linksventrikulären Wanddicke um bis zu 4,5 mm nach drei Monaten
  • Verbesserung der Ejektionsfraktion um bis zu 6,9 % im Verlauf
  • Anstieg der Lebensqualität (KCCQ-Score) um bis zu 15 Punkte nach zwölf Monaten

Besonders bemerkenswert ist das stammzellen-behandelte explantierte Herz eines später mit einem Spenderherzen transplantierten Patienten, in dem histologische und funktionelle Analysen auf eine Integration des implantierten Gewebes und eine partielle „Remuskularisierung“ hinweisen.

Gleichzeitig bleibt das Sicherheitsprofil differenziert zu bewerten: Es traten schwerwiegende Ereignisse einschließlich Todesfällen und ventrikulärer Tachykardien auf, die jedoch laut Studienauswertung nicht direkt mit dem Implantat in Verbindung gebracht wurden, sondern überwiegend der Grunderkrankung oder immunsuppressiven Therapie zugeschrieben wurden.

Worin sich der Göttinger Ansatz unterscheidet

Die bisherigen Versuche mit Herzmuskel-Stammzelltherapien – insbesondere Zellinjektionen in den Myokardbereich – scheiterten in der klinischen Entwicklung häufig an drei Kernproblemen: Erstens fehlte eine stabile strukturelle Integration der Zellen in das bestehende Herzgewebe. Zweitens blieb die elektrische Kopplung unzureichend, wodurch funktionelle Kontraktionen nur begrenzt übertragen wurden. Drittens war die Zellüberlebensrate im geschädigten Gewebe niedrig, da dieses Gewebe eine latente Unterversorgung als Charakteristikum in sich trägt, was die langfristige Wirksamkeit einschränkte.

Der BioVAT-Ansatz unterscheidet sich in allen drei Punkten konzeptionell: Statt isolierter Zellen wird ein vororganisiertes, kontraktiles Gewebepatch implantiert, das bereits funktionelle Eigenschaften eines Herzmuskelverbandes besitzt. Damit wird erstmals nicht nur eine Zellsubstitution, sondern eine teilweise Gewebereparatur angestrebt.

Wolfram-Hubertus Zimmermann, Dr. med., Professor und Direktor des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie am Universitätsklinikum Göttingen sowie Hauptautor der veröffentlichten Studie, merkte an: „Die heute verfügbaren Therapien gegen Herzinsuffizienz können das Fortschreiten der Erkrankung oft verlangsamen, doch sie können zerstörten Herzmuskel nicht ersetzen. Unser Ziel ist es daher, neues, funktionsfähiges Herzmuskelgewebe zu erzeugen und so das geschwächte Herz gezielt zu unterstützen.“ Dr. Lothar Germeroth, CEO von Repairon, erklärte: „Wir sind von diesen Phase II-Ergebnissen sehr ermutigt, die unserer Ansicht nach das therapeutische Potenzial unserer Plattform für regenerative Herzpflaster bestätigen.“

Signalcharakter, aber offener klinischer Nutzen

Trotz der biologisch plausiblen Signale bleibt die klinische Bedeutung der Ergebnisse begrenzt. Die Studie ist klein, nicht vergleichend und primär auf Sicherheit und Machbarkeit ausgelegt. Auch die beobachteten Funktionsverbesserungen liegen im moderaten Bereich und müssen in größeren, kontrollierten Studien bestätigt werden, darüber sind sich auch die Autoren im Klaren.

Dennoch sehen die Forscher in der Kombination aus strukturellen Veränderungen, funktionellen Verbesserungen und histologischen Hinweisen auf Integration einen potenziell neuen Ansatzpunkt für die regenerative Kardiologie. Die zentrale offene Frage bleibt, ob die beobachtete Remuskularisierung langfristig zu einer klinisch relevanten Reduktion von Mortalität und Hospitalisierungen führen kann.

Damit positionieren sich BioVAT-HF und Repairon an einer Schwelle zwischen präklinisch validierter Gewebetechnologie und erster klinischer Proof-of-Concept-Evidenz in einem Feld, das seit Jahren als einer der schwierigsten, aber potenziell transformativsten Bereiche der kardiovaskulären Medizin gilt. Bis zu einer breiten klinischen Anwendung ist es aber noch ein sehr langer Weg, schon die Strecke der Firmengründung und erster Schritte von Repairon zieht sich über über ein Jahrzehnt.

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