Schlagwortarchiv für: Multiple Sklerose

Paukenschlag zum Wochenende: die Münchner Immunic (an der Nasdaq als .Inc gelistet) hat eine Follow-on-Platzierung über 400 Mio. US-Dollar ins Laufen gebracht und geht davon aus, dieses Geld noch in diesem Monat erlösen zu können. Gleichzeitig setzt das Biotech-Unternehmen die eigene Transformation fort und will sich für eine mögliche Kommerzialisierung seines fortgeschrittenen Medikamentes neu aufstellen: der bisherige CEO Daniel Vitt tritt in die zweite Reihe, ein in Sachen Markteintritt erfahrener CEO wird gesucht.

Roche Diagnostics hat rund 300 Mio. Euro in ein Diagnostik-Innovationszentrum am Standort Penzberg investiert, das nach rund vierjähriger Bauzeit Mitte Februar eröffnet wurde. Die hohe Bundes- und Landespolitik traf sich zur Besichtigung vor Ort.

Forscher vom Universitätsklinikum Mainz haben entdeckt, dass B-Zellen bei Multipler Sklerose direkt Nervenzellen schädigen. In präklinischen Modellen und humanen Ko-Kulturen führt dies über Lymphotoxin-α zu nekroptotischen Signalwegen, was Depolarisation und Funktionsstillstand auslöst (Science Translational Medicine, doi: 10.1126/scitranslmed.adx2652). Diese neuronale Beeinträchtigung lässt sich durch Bruton-Tyrosinkinase-Inhibitoren verhindern, was neue therapeutische Optionen aufzeigt.

Einen großen Fortschritt beim Nachweis der Schädigungen der grauen Hirnmasse, die bei Multipler Sklerose mit motorischen und kognitiven Defiziten einhergehen, melden Neuroimmunologen der LMU München. Mit einem neuen PET-Marker gelingt es ihnen, den Krankheitsverlauf zu verfolgen.

Um neue Arzneikandidaten zu finden, mit denen sich Neuronen ohne Myelinscheide wiederherstellen lassen, braucht es Modelle, die die Demyelinisierung und Remyelinisierung wie im Menschen nachstellen. Wissenschaftler der Frühforschungseinheit pRED der Roche AG in Basel haben nun das welterste Organoidmodell für diesen Prozess präsentiert. Mit ihm lassen sich Moleküle finden, die die Myelinscheide wiederaufbauen oder ihren Abbau verhindern, so ihr Hypothese.

Die in Gräfelfing bei München ansässige Immunic Inc. hat über ihre Nasdaq-Notierung Finanzmittel in Höhe von rund 65 Millionen US-Dollar eingeworben. Zusammen mit einer früheren Finanzierungszusage mit Abrufgarantie bei bestimmten Rahmenbedingungen sieht sich das Unternehmen für die weiteren Schritte in der Klinik gut aufgestellt. Die verschiedenen Finanzierungsvereinbarungen überschneiden sich und ergeben ein komplexes Geflecht. Wichtig bleiben die klinischen Daten.

Primärer oder sekundärer Endpunkt? Und womit ist dem Patienten mehr gedient, etwa in einer Indikation, in der therapeutische Optionen Mangelware sind? Die Daten aus einer Phase II-Studie des Wirkstoffs Vidofludimus Calcium der Münchner Immunic AG zeigen ein zweigeteiltes Bild. In der Indikation der progredienten (kontinuierlich fortschreitenden) Multiplen Sklerose (PMS) wurde ein vielleicht im Studiendesign überbetonter primärer Endpunkt verfehlt, jedoch der sekundäre Endpunkt der Verlangsamung des Krankheitsfortschritts erreicht. Das Unternehmen setzt auf die weitere klinische Entwicklung in dieser Subindikation, da in ihrer Auslegung für Patienten ein klarer Vorteil gezeigt werden konnte.

Die Langzeitfolgen einer COVID-19-Infektion können sich ganz unterschiedlich ausprägen und ihre Entstehung ist noch immer nicht im Detail verstanden. Eines dieser Symptome ist die Post-COVID-Fatigue, ein ausgeprägter Erschöpfungszustand. Die Firma Immunic aus Gräfelfing bei München beteiligt sich nun mit ihrem Wirkstoff, der derzeit eigentlich gegen Multiple Sklerose in Entwicklung ist, an einer Fatigue-Studie und hat den ersten Patienten in Frankfurt/M. behandelt.

Multiple Sklerose ist eine derzeit unheilbare, chronische Autoimmunerkrankung. Die gefürchteten Schübe können mit vorhandenen Therapien zwar gut kontrolliert werden, neuartige Ansätze zielen aber auf den wichtigen Schutz vor langfristigen Beeinträchtigungen ab.

Aus dem geordneten Insolvenzverfahren, das die Nasdaq-gelistete Acorda Therapeutics Inc. gerade eröffnete, kauft die Frankfurter Merz Therapeutics zwei Assets des US-amerikanischen Unternehmens für 185 Mio. US-Dollar. Ein Schnäppchen?