
Beiersdorf Ventures steigt bei KI-Biologieplattform Turbine ein
Als Co-Investor der 25-Mio.-US-Dollar-Runde in der Serie-B macht Beiersdorf AG deutlich, dass Künstliche Intelligenz auch für die Hautpflegeforschung strategisch an Bedeutung gewinnt. Das Hamburger Unternehmen beteiligt sich über seine Venture-Einheit an dem aus Budapest heraus gegründeten und mittlerweile auch in London (UK) ansässigen KI-Biotech Turbine.
Mit einem 25-Mio.-US-Dollar-Investment in der Series-B-Runde setzt Beiersdorf AG ein weiteres Zeichen, dass Künstliche Intelligenz für die Hautpflegeforschung strategisch an Bedeutung gewinnt. Das Hamburger Unternehmen beteiligt sich über seine Venture-Einheit an dem in London und Budapest ansässigen KI-Biotech Turbine. Die Finanzierungsrunde wird von Interactive Venture Partners angeführt, weitere Investoren sind unter anderem Accel und MSD Global Health Innovation.
Turbine verfolgt einen radikal datengetriebenen Ansatz: Das Unternehmen virtualisiert biologische Experimente mithilfe eines „Virtual Cell“-Modells. Herzstück ist eine KI-basierte Plattform, die experimentelle Assays digital nachbildet und Simulationen in großem Maßstab ermöglicht. Über eine No-Code-Oberfläche („Virtual Lab“) können Pharmaforscher Millionen Hypothesen in silico testen, bevor nur ausgewählte Ansätze im Nasslabor validiert werden. Grundlage sind proprietäre Perturbationsdatensätze, die in einem „Lab-in-the-Loop“-Ansatz kontinuierlich erweitert und zur Feinjustierung des Modells genutzt werden. KI ist damit kein Add-on, sondern integraler Kern der Technologie.
Deep Tech für die Haut – und mehr
Für Beiersdorf passt das strategisch ins Bild. Der Konzern investiert seit einigen Jahren gezielt in Deep-Tech-Ansätze rund um Hautbiologie, Wirkstoffforschung und digitale Diagnostik. Beteiligungen flossen unter anderem in datengetriebene Hautanalyse-Start-ups und Biotech-Plattformen, die neue Wirkstofftargets identifizieren oder personalisierte Hautpflege ermöglichen sollen. Mit Turbine kommt nun eine Technologie hinzu, die perspektivisch simulieren kann, wie aktive Inhaltsstoffe mit Hautzellen, Entzündungsprozessen oder Sicherheitsparametern interagieren – ein möglicher Hebel für schnellere und präzisere Produktentwicklung.
Für das Hamburger Unternehmen mit der berühmten blauen Creme-Dose ist KI kein Neuland. Das Unternehmen nutzt seit Jahren KI und andere digitale Technologien in Forschung & Entwicklung, etwa zur Formeloptimierung oder in grossen Hautstudien, etwa dem KI-gestützten Konsumentenprojekt SKINLY. Diese Analyseplattform gehörte zu den weltweit grössten seiner Art und macht KI zu einem zentralen Werkzeug in der Produktentwicklung. Darüber hinaus arbeitet Beiersdorf intern mit KI-Tools wie Azure-basierter semantischer Suche, um Forschungsdaten schneller nutzbar zu machen.
Gleichzeitig baut die ungarische Turbinemit dem Deal seine Präsenz in der Pharmaindustrie aus. Das Unternehmen arbeitet nach eigenen Angaben bereits mit Branchengrößen wie Merck & Co., AstraZeneca und Bayer AG zusammen. In mehr als 30 Forschungsprogrammen seien virtuelle Assays eingesetzt worden, um Wirkstoffkombinationen zu priorisieren und experimentelle Designs zu rationalisieren, heißt es anlässlich der Finanzierung aus dem ungarischen Unternehmen.
Ungarisch-britische KI-Schmiede
Mit dem frischen Kapital erweitert Turbine nun sein bisher stark onkologisch geprägtes Angebot in Richtung Immunologie. Parallel wurde eine Partnerschaft mit einem nicht namentlich genannten Top-10-Pharmaunternehmen angekündigt. Früher Beta-Tester war die Firma Ono Pharmaceuticals gewesen, zu einer Zeit als die Ungarn zwischen 2022 und 2023 in einer ersten Finanzierungsrunde schon einmal rund 25 Mio. US-Dollar in mehreren Schritten habenn einsammeln können. Ziel der Platform ist es, Immunzellverhalten auf Basis proprietärer Datensätze zu modellieren und Kombinationstherapien systematisch zu identifizieren – ein Feld, das aufgrund der biologischen Komplexität kaum noch rein experimentell beherrschbar ist.
Für Beiersdorf unterstreicht das Investment, dass auch ein traditionsreicher Konsumgüterkonzern KI-gestützte Systembiologie zunehmend als strategisches Werkzeug begreift – nicht nur für Pharma, sondern perspektivisch auch für die nächste Generation wissenschaftlich fundierter Hautpflegeprodukte.

Recare Deutschland GmbH
geralt/pixabay.com
Wirtschaftsagentur der Stadt Wien