
Milliardenkauf: Samsung will Schweizer Polypeptide übernehmen
Der Übernahmedruck im Markt für Auftragsentwicklung und -fertigung (CDMO) hält an. Mit einem Angebot von umgerechnet rund 1,8 Mrd. US-Dollar für den Schweizer Peptidspezialisten PolyPeptide will Samsung Biologics seine Position im boomenden Markt für komplexe Biopharmazeutika deutlich ausbauen.
Mit einem Angebot von umgerechnet rund 1,8 Mrd. US-Dollar für den Schweizer Peptidspezialisten PolyPeptide will die südkoreanische Samsung Biologics seine Position im boomenden Markt für komplexe Biopharmazeutika ausbauen. Samsung bietet den Aktionären 44,31 Schweizer Franken je Aktie in bar, was einem Eigenkapitalwert von rund 1,46 Mrd. Franken entspricht.
Mit der Akquisition würde Samsung Biologics sein bislang vor allem auf Antikörper und Biologika ausgerichtetes Produktionsgeschäft um die Entwicklung und Herstellung therapeutischer Peptide erweitern. Das Segment gewinnt durch den Erfolg von GLP-1-Medikamenten und weiteren Peptidwirkstoffen zunehmend an Bedeutung und gilt als einer der wachstumsstärksten Bereiche der pharmazeutischen Auftragsfertigung.
Attraktiver Markt GLP-1-Peptid
PolyPeptide mit Standorten in Europa, den USA und Indien gehört zu den weltweit führenden Herstellern von Peptidwirkstoffen. Das Unternehmen profitiert derzeit von einer hohen Nachfrage: Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz um 41,6 % auf 236,6 Mio. Euro. Für das Gesamtjahr erwartet das Management nun ein Umsatzwachstum von 25 bis 30 % sowie eine EBITDA-Marge im hohen Zehnprozentbereich.
Die Offerte reiht sich in eine Serie milliardenschwerer Übernahmen im CDMO-Sektor ein. Den größten Paukenschlag setzte 2024 die Schweizer Lonza mit der rund 16,5 Mrd. US-Dollar schweren Übernahme des US-CDMO Catalent. Dadurch entstand einer der weltweit größten Anbieter für die Entwicklung und Herstellung von Biologika, Zell- und Gentherapien sowie sterilen Arzneiformen. Auch Novo Holdings hatte zuvor mit der Übernahme von Catalent durch den Mutterkonzern Novo Nordisk den strategischen Wert moderner Produktionskapazitäten unterstrichen.
Größe zählt: Zusammenschlüsse und Konsolidierung im CDMO-Bereich
Parallel dazu investieren große Pharmaunternehmen und Finanzinvestoren verstärkt in spezialisierte CDMOs. Zuletzt übernahm der deutsche Healthcare-Investor SHS Capital die Mehrheit am niederländischen Nasenspray- und Semi-Solid-Spezialisten Basic Pharma, um daraus eine europäische Plattform für Entwicklung, Zulassung und Herstellung spezialisierter Arzneimittel aufzubauen. Gleichzeitig bauen Unternehmen wie Evonik, Fujifilm Diosynth Biotechnologies oder WuXi AppTec ihre Produktionskapazitäten weltweit weiter aus.
Hinter der Konsolidierung stehen mehrere Trends. Pharmaunternehmen lagern Entwicklung und Produktion zunehmend aus, um Investitionskosten zu senken und flexibler auf die wachsende Zahl komplexer Wirkstoffe reagieren zu können. Gleichzeitig werden spezialisierte Technologien – etwa für Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs), Oligonukleotide, Zell- und Gentherapien oder Peptide – zu strategischen Engpässen. Anbieter mit entsprechenden Plattformen und regulatorischem Know-how erzielen deshalb hohe Bewertungen.
Innovationspartner: Enge Beziehungen zwischen Schweiz und Süd Korea
Für Samsung Biologics wäre PolyPeptide nicht nur ein Einstieg in das attraktive Peptidgeschäft, sondern auch ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einem integrierten globalen CDMO. Der Konzern verfolgt seit Jahren das Ziel, sein Angebot über klassische Biologika hinaus auszubauen und Kunden entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu begleiten. Mit der Übernahme würde Samsung seine Präsenz in Europa stärken und sich in einem Markt positionieren, dessen Wachstum durch die nächste Generation peptidbasierter Arzneimittel zusätzlich beschleunigt werden dürfte.
Auch mit einem anderen Schweizer Unternehmen ist Samsung über mehrere Projektpartnerschaften schon enger verbunden: mit dem Biosimilarentwickler Sandoz. Zudem gibt es in der Schweiz über mehrere Technologiefelder bereits engen Austausch mit Südkorea, neben den LifeSciences etwa im Bereich des Quantencomputers. Zu den Swiss Biotech Days hatte sich im Frühjahr eine große Delegation im Global Village eingefunden und auch die Basler Entwicklungsagentur Basel Area Business & Innovation kooperiert mit Süd Korea über gemeinsame Innovationsprojekte.

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