
Zweites ADC von MediLink: Roche schlägt wieder in China zu
Die erste Partnerschaft scheint sich gut angelassen zu haben. Denn die Schweizer Roche wird zum Wiederholungstäter bei der chinesischen MediLink und sichert sich in einem Millionendeal ein zweites Antikörper-Wirkstoff-Konjugat (ADC). Diesmal sind jedoch Upfront- und weitere kurzfristige Zahlungen um den Faktor elf (!) höher und liegen bei rund 570 Mio. US-Dollar. MediLink münzt den gesteigerten eigenen Wert nun lieber schon zum Beginn einer Kooperation um.
Roche baut seine Position im Bereich der Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) beim kleinzelligen Lungenkrebs (SCLC) weiter aus und vertieft dafür die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Biotech-Unternehmen MediLink Therapeutics. Wie beide Unternehmen mitteilten, sicherte sich Roche die weltweiten Rechte (außerhalb Chinas) an dem B7H3-gerichteten ADC tambotatug pelitecan (YL201). Der Deal umfasst Voraus- und kurzfristige Zahlungen in Höhe von 570 Mio. US-Dollar sowie zusätzliche, nicht näher bezifferte Meilensteinzahlungen und gestaffelte Umsatzbeteiligungen.
Mit der Vereinbarung setzt Roche konsequent auf ADCs als strategische Säule in der Onkologie und insbesondere im therapeutisch schwer adressierbaren SCLC. Bereits 2024 hatte der Schweizer Konzern mit Innovent Biologics eine potentiell mehr als eine Milliarde US-Dollar schwere Partnerschaft für das DLL3-gerichtete ADC IBI3009 geschlossen.
Tambotatug pelitecan befindet sich in China bereits in der Phase III-Entwicklung beim SCLC sowie beim Nasopharynxkarzinom. Nach Angaben von MediLink zeigten frühe klinische Daten in der Zweitlinientherapie des SCLC vielversprechende objektive Ansprechraten und Hinweise auf einen Überlebensvorteil. Die neue Vereinbarung umfasst darüber hinaus weitere solide Tumorindikationen.
China bleibt attraktiv für Antikörper-Deals
Für Roche ist es bereits die zweite größere Transaktion mit MediLink. Anfang 2024 hatten beide Unternehmen eine Zusammenarbeit zur Entwicklung des c-Met-gerichteten ADC YL211 vereinbart, deren Gesamtwert sich – inklusive Meilensteinen – auf nahezu eine Milliarde US-Dollar belaufen kann. Die erneute Partnerschaft unterstreicht Roches Strategie, gezielt auf externe Innovationsplattformen zuzugreifen, um die eigene Onkologie-Pipeline zu stärken.
„Die vertiefte Zusammenarbeit mit MediLink spiegelt unser Engagement wider, modernste Innovationen zu nutzen, um ungedeckten medizinischen Bedarf zu adressieren – insbesondere in der Onkologie und beim Lungenkrebs als strategischem Schwerpunkt“, erklärte Boris Zaïtra, Leiter Corporate Business Development bei Roche.
MediLink-Co-Gründer und Co-CEO Jiaqiang Cai bezeichnete die Vereinbarung als „transformativen Schritt“ für die globale Entwicklung von tambotatug pelitecan. Der Wirkstoff stamme aus der firmeneigenen TMALIN-Plattform und erhalte durch die Partnerschaft mit Roche die nötige internationale Reichweite und Entwicklungskraft, um sich potenziell als neue Therapieoption zu etablieren.
Der Deal kommt in einer Phase erhöhter Aufmerksamkeit für das Zielmolekül B7H3, das bei mehreren Tumorarten überexprimiert ist. Allerdings ist das Target nicht ohne Risiko: Erst im vergangenen Monat hatte Daiichi Sankyo die Rekrutierung in der Phase-III-Studie IDeate-Lung02 mit dem gemeinsam mit Merck & Co. entwickelten B7H3-ADC ifinatamab deruxtecan bei rezidiviertem SCLC pausiert, nachdem es zu mehreren Todesfällen infolge interstitieller Lungenerkrankungen gekommen war.
Für MediLink ist der erneute Deal jedoch eine bemerkenswerte Referenz, auch die Mainzer BioNTech haben mit den Chinesen eine Kooperation zu einem ADC laufen, die jedoch von der weiter fortgeschrittenen Entwicklung des von Biotheus stammenden bispezifischen Antikörpers in NSCLC derzeit überschattet wird.


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