BioNTech verfehlt bei Kopf-Hals-Krebs den ersten primären Endpunkt in einer Phase II/III-Studie. Vor Kurzem meldeten dagegen Moderna und Merck positive Phase III-Daten beim Melanom. Der Gegensatz ist weniger eindeutig, als er zunächst scheint: Die Unternehmen testen unterschiedliche Impfstoffkonzepte – und behandeln Patienten in grundverschiedenen Krankheitsstadien. Bei mRNA-Krebsimpfstoffe gibt es also viele Wege, was den direkten Vergleich erschwert. Ein Versuch der Einordnung.
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BioNTech beendet eine mRNA-Studie bei Darmkrebs und setzt damit genau das entgegengesetzte Signal wie Wochen zuvor der Konkurrent Moderna. Doch vergleichen lassen sich beide Ansätze nicht wirklich. Bei BioNTech ging es um eine mRNA-Monotherapie bei Darmkrebs, Moderna zeigte Ergebnisse aus einer Kombinationstherapie mit dem Checkpoint-Wirkstoff Keytruda von Merck/MSD. Die Börse reagierte jedoch prompt auf die Nachricht aus Mainz: die Aktie gab nach dem Anstieg als Beifahrer der Moderna-Meldung nun wieder deutlich Prozentpunkte ab.
Der Erfolg einer personalisierten mRNA-Krebsimmuntherapie von Moderna und der US-amerikanischen Merck in einer Phase-III-Studie lässt die mRNA-Branche aufatmen. Besonders stark reagiert die BioNTech-Aktie. Dahinter steckt mehr als ein kurzfristiger Börseneffekt: Die Daten könnten erstmals in größerem Maßstab zeigen, dass mRNA auch jenseits von Covid-19 eine therapeutische Plattform sein kann.
Bei BioNTech rücken Fragen zum geplanten neuen mRNA-Unternehmen der einstigen Gründer in den Fokus, beziehungsweise sie werden vielleicht auch nicht ganz ohne Eigeninteresse auf die offene Bühne gezerrt. Der geplante Umbau bei BioNTech hat einen medial sehr präsenten Aktionär auf den Plan gerufen. Bernd Förtsch, Gründer der Börsenmedien AG (unter anderem „Der Aktionär“) und langjähriger Aktionär des Unternehmens, hat dem Aufsichtsrat einen umfangreichen Fragenkatalog zum angekündigten Start-up des scheidenden Gründerehepaars mit der möglichen Übertragung oder Lizenzierung zentraler mRNA-Technologien vorgelegt und prüft nach eigenen Angaben mögliche rechtliche Schritte. In Mainz gibt man sich bedeckt und betont, dass man die Fragen bereits beantwortet habe.
Patentstreite in der pharmazeutischen Industrie sind eher die Regel als eine Besonderheit. Dass die Leverkusener Bayer AG gerade jetzt, gefühlt deutlich nach der Zeit, einen grundlegenden Patentstreit mit allen mRNA-Impfstoffentwicklern der Pandemie beginnt, kommt daher überraschend. Da es dabei wohl um Milliarden geht, ist der Ansatz nachvollziehbar, das Timing aber wirft Fragen auf.
Die Corona-Pandemie ist längst Geschichte, die Streitigkeiten über die Verteilung der Impfstofferlöse sind jedoch noch im Gange. Kurz vor Weihnachten haben die Mainzer BioNTech SE und Entwicklungspartner Pfizer einer Nachforderung der Entwicklungs- und Lizenzpartner der US-amerikanischen National Institutes of Health (NIH) sowie der University of Pennsylvania nachgegeben. Gemeinsam beläuft sich die Nachzahlung auf rund 1,2 Mrd. US-Dollar. Den größeren Teil muss Biontech tragen.
Die zweite Übertragung des Vogelgrippevirus H5N1 in den USA auf einen Farmer, der engen Kontakt zu Milchkühen hatte, beunruhigt viele. Nun reagieren auch die Börsenkurse einiger Impfstoffentwickler.
Das Bundespatentgericht hat eines der im Streit befindlichen mRNA-Patente der Tübinger CureVac NV für nichtig erklärt. Das für Europa erteilte Patent sei in Deutschland nicht gültig. CureVac will gegen das Urteil Berufung einlegen und sieht noch Chancen, mit seiner Patentklage gegen die Mainzer BioNTech SE zum Erfolg zu kommen oder zumindest eine außergerichtliche Vergleichslösung zu finden, da über sieben weitere Patente noch nicht entschieden ist. Die Börse sieht das anders und schickt den Kurs zeitweise um bis zu 40% in den Keller, am Ende des Handelstages bleibt ein Minus von rund 30%.
Die Tübinger Immatics und die US-amerikanische Moderna haben eine strategische Forschungs- und Entwicklungskooperation angekündigt, um neuartige Krebstherapien zu entwickeln. Immatics erhält eine Vorauszahlung in Höhe von 120 Mio. US-Dollar, weitere Forschungsmittel und hat Anspruch auf Meilensteinzahlungen für Entwicklung, Zulassung und Vermarktung, die sich auf über 1,7 Mrd. US-Dollar belaufen könnten.
Jon Tryggvi Njardasons TOP-200-Pharma-Liste hat sich zu einem Klassiker der jährlichen Zahlenerhebungen entwickelt und wird in seiner Forschungsgruppe in Tuscon Arizona, USA, jährlich anhand der weltweiten Verkaufszahlen für Pharmazeutika von Studenten erstellt. Für 2022 sind diesmal die beiden ersten Top-Plazierungen mit einem "made in Germany" versehen: Comirnaty und Humira. Zusammen stehen sie für knapp 60 Mrd. US-Dollar Umsatzerlöse.

Biontech SE
BioNTech SE
NIH.gov
Bayer AG
dierk schaefer (CC BY 2.0)
Illustration CDC.gov
CureVac N.V.
